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| 05. 01. 2009 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Von Oliver Zwahlen, Beijing
Der querschnittgelähmte Sportredakteur Marcel Bergmann hat China im Rollstuhl besucht und darüber einen Reisebericht veröffentlicht. Sein Fazit: Zwar hapert es nach wie vor bei der Barrierefreiheit, doch machen dies die hilfsbereiten Menschen wieder wett.

Sein Unterfangen klingt in der Tat abenteuerlich: Der ZDF-Sportredakteur Marcel Bergmann, der seit einem schweren Verkehrsunfall vor 14 Jahren in Kenia querschnittgelähmt ist, will im vorolympischen Sommer mit seinem malaysischen Freund "Hamlet" quer durch China reisen und darüber ein Buch schreiben. Begleitet wird er dabei von einem Kamarateam des deutschen Fernsehsenders, welches über ihn und seine Reise eine Reportage dreht.
Das Buch "Trotzdem China: Im Rollstuhl quer durch das Reich der Mitte" ist rechtzeitig zu den Olympischen Spielen in den deutschen Buchhandlungen erschienen. Doch auch noch Monate nach dem Ende von Olympia und den Paralympics in Beijing hat das Buch eine wichtige Botschaft: Selbst im Rollstuhl gibt es ein Leben, das zu leben wert ist; selbst wer auf Hilfe angewiesen ist, kann eine Reise nach China schaffen. Damit tut Bergmann genau das, was auch das Ziel der Paralympischen Spiele ist: Er sensiblisiert für das Schicksal von Menschen, die auf Grund ihrer Behinderung von vielen Mitmenschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.
Der Titel täuscht ohnehin: Wer sich erhofft, viel über China oder gar über die Vorbereitungen zum weltweit wichtigsten Sportevent zu erfahren, wird enttäuscht. Die Kommentare zu Politik und Geschichte des Landes sind zwar selten, doch dann leider allzu oft nur Platitüden, wie man sie auch von Diskussionen unter Backpack-Touristen kennt. Baumann hat als Informationsquellen hauptsächlich seinen Freund Hamlet, einige Reiseführer und hin und wieder einen Artikel aus der englischsprachigen Tageszeitung China Daily gewählt. Das ist ganz klar zu wenig.
Von Mensch zu Mensch. Doch dies macht das Buch noch lange nicht wertlos. Seine Stärke liegt nämlich in einem anderen Bereich: Es zeigt, wie die aufstrebende Weltmacht in den Augen eines Schwerstbehinderten erscheint. Wenn Bergmann etwa beschreibt, wie er im Pearl Market in Beijing für 15 Euro eine Hose kauft, möchte man ihm als Leser zurufen: "Pass auf, da wirst du mächtig über den Tisch gezogen!" Doch gleich im nächsten Satz kommt Bergmanns ausgeprägter Charme und seine Liebe zum Land zu Papier, wenn er denn schreibt: "Vermutlich viel zu viel, aber ich bin ja noch Anfänger."
Bergmann weiss, dass er mangels Sprachkenntnissen und durch seine Immobilität nur einen beschränkten Zugang zu Land und Leute hat. Deswegen schreibt er auch nur über das, was ihm direkt widerfährt. Um Politik und Umweltprobleme, die vertiefte Kenntnisse brauchen, macht er erfreulicherweise einen weiten Bogen. Stattdessen fokusiert er auf die Begegnungen mit den Menschen. Er beschreibt etwa, wie ihn jemand in einer Sänfte auf den Gipfel des Gelben Berges trägt oder wie ihm Menschen spontan unter die Arme greifen, um ihn in einen wenig behindertengerechten Bus zu hieven. Seine Botschaft: Das Land ist nicht behindertengerecht – die Menschen hingegen schon.
Mauern überwinden. Die Route führt Bergmann in rund drei Wochen unter anderem von Shanghai über Guilin, Xian und Pingyao nach Beijing. Doch die Route ist eigentlich nur eine Szene für eine innere Reise eines schwerstbehinderten Mannes, der monatelang im Krankenhaus auf dem Bauch liegen musste, weil sich sein Hinterteil nach dem Unfall in ein "Schlachtfeld" verwandelt hatte. Dabei habe er sich wie in einem Grab gefühlt, erklärte Bergmann. Diese Zeit habe er nur überstehen konnte, weil er einen Traum hatte: Er wollte in seinem Leben noch nach China.
So hat Bergmann nicht nur die Große Mauer in China überwunden, sondern auch eine unüberwindbar scheinende Mauer in sich selber. Dies ist das große Abenteuer, das man auf 200 Seiten mit dem Autoren teilen kann.
Quelle: german.china.org.cn
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