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| 19. 08. 2009 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |

Deutsche Kinder besuchen eine chinesischen Tintenmalkurs am Konfuzius- Institut in Frankfurt.(Foto:Globaltimes.com)
Chinesische Kultur nimmt weltweit an Beliebtheit zu, und ebenso wächst bei vielen der Wunsch, die chinesischen Zeichen zu entziffern und die uralte Sprache zu meistern. Deutschland bietet seit langem Kurse in Mandarin an Universitäten an. Nun nehmen auch viele deutsche Schüler an Grund- und weiterführeörennden Schulen die Herausforderung an Chinesisch zu lernen.
"Der Unterricht ist interessant weil unsere Lehrer uns erklären, was die Zeichen bedeuten und wie sie zu dem wurden, was sie heute sind," sagt der 13-jährige Justin Macpherson der nahe Wiesbaden lebt. "Manchmal schauen wir auch chinesische Filme. Das Schwierigste ist aber, Chinesisch zu schreiben und anderen beim Sprechen von Mandarin zuzuhören," fügt er hinzu.
Deutschland ist berühmt für seine exzellente Sinologen, von denen viele als Dolmetscher, Übersetzer, interkulturelle Trainer und Wirtschaftsberater arbeiten. Die meisten der heutigen Experten lernten Mandarin an Universitäten als sie etwa 20 Jahre alt waren. In den letzten Jahren, lernen mehr und mehr Schüler wie Justin die Sprache. Heute bieten mehr als 100 Schulen in Deutschland Mandarinkurse für Schüler ab 10 Jahren. Englisch war immer üblich, Französisch und Latein sind ohnehin alte Favoriten. Spanisch wird ebenfalls immer populärer. Dass Mandarin diese europäische Bastion bezwungen hat, liegt teils an Chinas gewachsener globaler Präsenz und der großen Zahl Chinesen, die heute in Europa leben.
Offiziell leben heute mehr als 80.000 Chinesen in Deutschland inklusive 27.000 Studenten, der größten ausländischen Gruppe im Land. Neben Sprachkursen erfreuen sich auch chinesisches Essen, Kunst, Fengshui, Akupunktur, traditionelle Medizin, Musik und Kampfkunst zunehmender Beliebtheit. Deutsche Tischtennisspieler sind extrem stolz, dass Timo Boll es mit den besten chinesischen Spielern aufnehmen kann.
Bruce Lee und Jackie Chan hatten immer ein internationales Publikum, aber jetzt auch Ang Lee und Zhang Yimou. Chinesische Filmfestivals und Musikkonzerte ziehen im Ausland auch eine große chinesische und internationale Fangemeinde an.
Kindern Chinesisch beizubringen ist trotzdem keine leichte Aufgabe. Viele Schulen bieten die Sprachekurse nur nach Schulschluss an, die Schüler sind aus verschiedenen Klassen und Alterstufen zusammengewürfelt. "Wir haben alle gemerkt, dass die Begeisterung nach einer Weile abnahm. Die Chinesischkurse wurden langsamer, die Schüler weniger motiviert, weil die Zahl komplexer Schriftzeichen immer mehr zunahm," erklärt Lehrerin und Textbuchautorin Antje Benedix. "Die Schüler verbrachten viel Zeit mit einfachen Fragen und Antworten. Sie konnten sich nicht wirklich sprachlich ausdrücken und nach so vielen Schriftzeichen immer noch nichts Interessantes lesen," fügt sie hinzu.
Das Problem hat sich durch einen Mangel an Lehrmaterial und qualifizierten Lehrer noch verschärft. Viele Schulen beschäftigen Chinesen, die nicht gerade professionelle Lehrer sind. Und die Schüler können kaum auf Hilfe von ihren deutschen Eltern hoffen.
Die Mitglieder des Fachverband Chinesisch versuchen gerade, das Lernen von Mandarin zu vereinfachen. Sie haben Workshops und Seminare für Lehrer organisiert um Ideen und Ressourcen auszutauschen. Mit der wachsenden Nachfrage kommen nun neue Textbücher und Lernmateriaien auf den Markt. Antje Benedix’s "Dong Bu Dong" ist speziell auf deutsche Schüler zugeschnitten. Das Buch ist heute das offizielle Lehrbuch an vielen weiterführenden Schulen.
"Ich habe das Lernen der Zeichen vom Dialogtraining getrennt. Diese Strategie erlaubt es den Schülern, die Schriftzeichen etwas systematischer zu lernen, was wiederum die Möglichkeiten des Schreibtrainings erhöht," erklärt Benedix. "Auf diese Weise kann man mehr Zeichen in einer kürzeren Zeitperiode lernen. Die fehlende Belastung, jedes Zeichen in einem Dialogtext schreiben und lessen zu müssen – was auch sowieso keinen Sinn macht – ermöglicht es den Schülern, viel früher als sonst mehr interessante Diskussionsthemen zu haben." Junge Studenten müssten interaktiv und mit Spaß lernen können, fügt sie hinzu. Daher ermutigt sie ihre Schüler zum Nutzen von Theaterstücken, Liedern, Spielen, Filmen, kleinen Wettbewerben, Diashows und Präsentationen für Kinder wie deren Eltern. "Natürlich ist die Aussicht, nach China reisen zu können, eine hohe Motivation, um die Sprache zu erlernen. Das gilt auch für die Lehrer," sagt Benedix.
Viele deutsche Sprachschüler sind nach China gereist um Traditionen und die Kultur selbst zu entdecken. Dabei haben sie auch chinesische Schüler in ihrem Alter getroffen, um von ihnen zu erfahren, wie es ist in China zu leben. "Ich würde eines Tages gerne nach China gehen, aber nur für eine Urlaubsreise," sagt Justin.
Wähend viele deutsche Schulen Mandarin als Extraacktivität anbieten, haben andere die Sprache in ihren normalen Lehrplan eingebaut. In Bayern und Baden-Württemberg etwa kann man Mandarin als Kurs der Oberstufe belegen – als Vorbereitung auf die Universität.
Abgesehen von den Türen, die das Erlernen einer Fremdsprache sozial und beruflich öffnet, verbindet es auch die Studenten miteinander. Viele von Benedix’ Schülergruppen, die als Kinder gemeinsam mit dem Lernen von Mandarin begannen, halten regelmäßige Klassentreffen ab. Nur wenige studieren heute Chinesisch für Fortgeschrittene an einer Uni oder haben akademische Grade wie Asian Business Management oder machen soziale Studien. "Es ist immer spaßig auf ihren Treffen, denn da kann man ihre sprachlichen Fortschritte erleben. Erfolg ist doch das schönste Geschenk für mich als ihre Lehrerin," freut sich Benedix.
Quelle: Globaltimes
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