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25. 08. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Chinesischer Maler fokussiert auf amerikanische Künstler

Der chinesische Maler Xin Dongwang zeigt die Perspektive eines Amerikaners aus chinesischer Sicht und baut somit kulturelle Brücken von West nach Ost.

Ein lächelnder, müder Tom Brigham sitzt mit überschlagenen Beinen, aufgeknöpftem Hemd und weit geöffneten Augen da. Er wird dabei von Kevin Yang, einem halbkahlen Chinesen, der amerikanische Markenkleidung trägt und ein tiefes Selbstvertrauen ausstrahlt, beobachtet. Die beiden, ein amerikanischer Künstler und ein chinesischer Kunstkritiker, sind Models für ein neues Ölgemälde Namens "Ein Freund von Tom". Es wird von Xin Dongwang, einem berühmten chinesischen Maler, gemalt, welcher an der Akademie der Kunst und des Designs an der Tsinghua Universität lehrt.

Xin Dongwangs Gemälde: "Frühstück" [Xinhua]

Xin sagte an einer Pressekonferenz vor kurzem in New York, dass das Gemälde die wertvollste Arbeit sei, die er während seines Amerikaaufenthaltes geschaffen habe.

Keine blinde Kopie der Natur

"Ich versuche, Amerikaner in Amerika zu portraitieren, um zu sehen, was der Unterschied zu meiner Arbeit in China ist", erzählte Xin der Nachrichtenagentur Xinhua. Er fügte an: "Ich versuchte das, was ich gesehen habe, aus der Perspektive der Amerikaner jener Zeit zu zeigen, nicht aus der der Chinesen", welche er ja schon vor seinen chinesischen Gemälden sehr gut kennt. "Das ist der Grund, weswegen ich das Gemälde "Ein Freund von Tom" nenne, und nicht etwa "Ein Freund von Yang". Man sieht die beiden Männer aus zwei unterschiedlichen Ländern, zwei unterschiedlichen Kulturen, mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken." Im Gemälde sieht man amerikanische Münzen auf dem Boden in der Nähe eines Sofas, das in den Augen des Künstlers die Abwertung des US-Dollars gegenüber den wichtigen Währungen dieser Welt zeigt. Er sagte: "Das Bild zeigt den Lebensstil der Amerikaner und das verärgerte Lächeln des Toms soll zeigen, wie sich die Amerikaner in der wirtschaftlichen Krise fühlen."

Xin hatte ein Studio in New York gemietet, wo er die Kulisse für sein Gemälde aufbaute. Er nahm jedes Detail sehr genau. Beispielsweise wechselte er sogar dreimal die Blumen, nur um die Farbharmonie zu wahren. "Ein Maler malt die Welt aus seinen Gefühlen, er kopiert nicht einfach was er sieht. Man sollte erst die Modelle studieren und ihre Umwelt verstehen", erklärte Xin. Es dauerte über 20 Tage, bis Xin sein Gemälde fertig gestellt hat, da er die Museen New Yorks und Bostons besuchte, wo er eigenen Angaben zufolge die Grundlagen amerikanischer Kunst erlernen wollte.

Zum Modeln überzeugt

Tom sagte im Interview mit Xinhua, dass er, als sein Freund ihn frage, ob er Modell für ein Bild stehen würde, erst abgelehnt hatte. Dennoch änderte Tom, welcher 1992 einen Preis für bewegte Bilder erhalten hatte, seine Ansichten, nachdem er Xins arbeit gesehen hatte. "Seine Ölgemälde zeigen uns die echte Welt, ich begann seine Arbeit zu mögen, daher nahm ich das Angebot an", erklärte Tom. Doch Modeln ist nicht einfach. Der Maler malte zwei Tage am Gesicht, neun Stunden pro Tag, erzählte Tom. Er musste seine Hände vollkommen still halten, als es darum ging, sie abzumalen. "Es ist echt nicht einfach, Modell für ein Bild zu sein. Dieselbe Position sechs oder sieben Stunden am Tag zu halten ist wirklich ermüdend", erzählte Yang, der Präsident der Stiftung für zeitgenössische chinesische Kunst in den USA und von USWTV.com

Die Menschen auf der Straße betrachten

Der 1963 in eine arme Bauernfamilie in der Provinz Hefei geborene Xin war Lehrer für Ölzeichnungen an der Tianjin Akademie der Schönen Künste. Seine Arbeiten wurden in vielen nationalen Kunstausstellungen gezeigt und er hat den Goldpreis für sein Bild mit dem Namen "Frühstück" gewonnen. Es zeigt gewöhnliche Menschen beim Essen eines chinesischen Frühstücks an einer Straßenecke. Xins Bruder und weitere Familienmitglieder leben noch immer auf dem Land und begannen Mitte der 1990er-Jahre, sich um Wanderarbeiter zu kümmern. Als ehemaliger Wanderarbeiter versucht auch Xin, das sich ändernde Schicksal der chinesischen Landbevölkerung zu portraitieren. Die Ölgemälde sind eine artistische Disziplin aus Europa, haben sich aber inzwischen auch in die chinesische Kultur integrieren können, und machen die westliche Kunst auch im Orient lebendig. "Das Verständnis für die einfachen Bauern ist der Schatz, der in meinem Pinsel verborgen liegt. Derzeit versuche ich, das Schicksal der Chinesen von Anbeginn an zu illustrieren. Ich arbeite hart, damit die chinesischen Ölgemälden auch im Westen verstanden werden können."

Quelle: Xinhua

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