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| 25. 09. 2009 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Die Fans westlicher klassischer Musik rund um den Erdball werden vielleicht neidisch nach Beijing blicken, wenn der 76-jährige Claudio Abbado den Dirigentenstab erhebt, um das Lucerne Festival dieses Sommers in der Nationaloper (NCPA) zu wiederholen.

Musik, die so klingt, wie ihre Schöpfer sie sich vorstellten, Musiker, die mit Leidenschaft und Können spielen; Konzertbesucher, die bequem in die Welt der klänge eintauchen, weit entrückt vom Stress des Alltags – das Lucerne Festival, das seit 70 Jahren jeden Sommer am Luzerner See in der Schweiz stattfindet, macht’s möglich.
Vom 20. bis 25. September ereignen sich dieses musikmagische Geschehen in Beijing. Genau wie in Luzern, wird Abbado in Beijing zur Eröffnung das Lucerne Festival Orchestra dirigieren, das er und sein künstlerischer Direktor Michael Haefliger 2003 gründeten. Seit seinem Debüt hat das einzigartige Ensemble erstklassige Aufführungen gegeben, die Zuhörer und Kritiker in Luzern und andewrswo begeistert haben.
Das Programm in Beijing ist dasselbe wie in Luzern: Mahlers Erste und Vierte Symphonie und Prokofjews Drittes Klavierkonzert mit der jungen chinesischen Pianistin Wang Yuja, während Sopranistin Rachel Harnisch das Publikum bei Mahlers Vierter und den Mozart-Arien erfreut.
Die Erwartungen sind groß, denn der Dirigent war seit seinem Pionierbesuch im Jahr 1973 mit den Wiener Philharmonikren nie nach Beijing zurückgekehrt. Die Wiener waren nach dem London Philharmonic Orchestra das zweite westliche Symphonieorchester, das das neue China nach 1949 besucht hatte. Damals führten sie in einem lauten Sporthalle auf, nun aber kann Abbados Orchester in einem State-of-the-art-Opernhaus auftreten.
Wang ist auch schon ganz aufgeregt. Obwohl sie bereits die "nächste Lang Lang" oder im Westen die "Zukunft der klassischen Musik" genannt wird, ist die 22-jährige in ihrer Heimat kaum bekannt. "Ich war so aufgeregt, als ich erfuhr, dass Maestro Abbado mich das diesjährige Lucerne Festival eröffnen lassen wollte. Nachdem ich mein Stück in der esten Hälfte beendet hatte, saß ich im Publikum, lauschte Mahlers Erster und konnte kaum gauben, dass ich mit so einem großartigen Orchester gespielt habe," erinnert sich Wang.
Das Lucerne Festival in Beijing beinhaltet auch das Mahler Kammerorchester, das Abbado ebenfalls als Herzstück des Lucerne Festival Orchestra gegründet hat.
Der chinesische Dirigent und Komponist Tan Dun wird den Stab erheben für Stücke von Mozart, Haydn, den Japaner Toru Takemitsu und Tans Komposition Porcelain Concerto: Song of the Earth.
"Takemitsu und ich haben einiges gemeinsam. Etwa sind wir beide interessiert an Natur. Sein Werk nimmt die reichen Einflüsse traditioneller japanischer Musik auf, während ich viel von Volks- und traditioneller chnesischer Musik einbaue," says Tan.
Eine Antwort auf Mahlers Lied der Erde nennt Tan sein Porcelain Concerto: Song of the Earth, das in Beijing Weltpremiere haben wird. "Inspiriert von der freien Übersetzung ins Deutsche der Gedichte Li Bais, dem bekannten Tang-Dichter, ist Mahlers Lied der Erde ein Dialog zwischen dem deutschen Komponisten und dem chinesischen Dichter, und zugleich ein Dialog der westlichen klassischen Musik mit der klassisch chinesischen Literatur. Mein neues Stück ist eine neue Interpretation der Tang-Gedichte mittels moderner Musik. Meine Antwort auf Mahler und Li Bai."
Tan, bekannt für seine Klänge aus alltäglichen Gegenständen, hat für sein Konzert mehr als 100 Porzellan-und Tongegenstände gesammelt, die aus Chinas sechs Porzellandörfern stammen. "Sie wurden in Zupf, Wind- oder Perkussionsinstrumente verwandelt. Porzellan ist aus Erde gemacht, also ist die darauf gespielte Musik sprichwörtlich ein Lied der Erde," meint Tan.
Quelle: China Daily
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