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| 25. 05. 2010 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Nachdem Zhang Yumo offiziell als die erste Hotelkritikerin in China eingestellt wurde, zog sie unverzüglich von ihrer gut gelegenen 50-Quadratmeterwohnung in eine kleinere und gab ihre drei Katzen einem Freund in Obhut. Die 27-Jährige weiß, dass sie bald nur noch wenig Zeit im eigenen Bett verbringen wird. Stattdessen wird sie die meiste Zeit in modischen Hotels verweilen.

Bevor sie ausgesucht wurde unter den 7000 Leuten, die sich für "den besten Job China" beworben haben, war sie Redakteurin bei einem Modemagazin. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits Erfahrungen als Redakteurin bei einem Fernsehsender. In ihrer freien Zeit entwarf sie Schmuck. Ebenfalls arbeitet sie als freie Fotografin und verwöhnt sich jedes Jahr mit einem sechswöchigen Urlaub, in dem sie um die Welt reist. Der neue Job ist für sie höchst attraktiv: Sie kann in den besten Hotels schlafen und verdient dabei 10.000 Yuan pro Monat.
Zhang sagt, sie habe die Stelle durch einen Zufall bekommen. "Freunde erzählten mir davon. Ich habe nie zuvor gehört, dass es so etwas gibt." Da sie gerade keine Stelle hatte, bewarb sie sich "aus Spaß". Als sie dann informiert wurde, dass sie es in die zweite Runde geschafft habe, hatte Zhang ihre Bewerbung bereits vergessen. Zhang glaubt, dass ihre frühere Schreiberfahrung geholfen habe, in die zweite Runde zu kommen. "Die Firma bat mich, drei Hotelbewertungen einzusenden. Da ich jedes Jahr mit meinen Reisen in etwa 20 verschiedenen Hotels war, hatte ich in diesem Bereich bereits Erfahrungen", sagte sie.
Von den ursprünglich 7000 Anwärtern haben es nur 21 in die Endrunde geschafft und nur drei konnten am Ende für die Reisesuchmaschine qunar.com Hotelkritiker werden. Zhang beschrieb den letzten Teil der Bewerbung als eine Art von "Realitiy Show". Die Kandidaten hätten in verschiedenen Hotels einchecken und anschließend zwei beinahe unmögliche Aufgaben lösen müssen, erinnert sie sich. Eine Aufgabe war, das nächste Restaurant mit einheimischem Essen zu finden; die andere Aufgabe bestand darin, ein zweites Gästezimmer ohne Wissen der Hotelangestellten zu fotografieren. "Beides mussten wir innerhalb einer Stunde schaffen."
Die zweite Aufgabe löste Zhang, indem sie an die Tür des Nachbars klopfte und vorgab, dass sie mit ihren Freunden "Wahrheit oder Pflicht" spiele und es ihre "Pflicht" sei, das Hotelzimmer eines Fremden zu fotografieren. Ihr eingängiger Schreibstil und die durchdachte Bewertung haben das Ihre getan, um die Richter zu beeindrucken. "Ich versuche immer, alles durch die Augen der Kunden zu betrachten", sagt Zhang. "Die meisten denken, dass wir nur schlafen, in den Hotels Spaß haben und am Ende einen Artikel abliefern. Tatsächlich verlangt dieser Job einiges mehr ab."
Auf Grundlage ihrer Reiseerfahrung konnte die Travellerin ein eigenes "Rezept" erstellen, wie sie die Hotels bewertet. "Es beginnt mit der telefonischen Reservierung. Dies macht den ersten Eindruck eines Hotels aus", sagt Zhang und fügt hinzu, dass ihre Routine vom Check-in bis zum Check-Out alles umfasse. Bei letzterem sei vor allem die Geschwindigkeit wichtig, aber auch, wie eine Lobby rieche oder ob die Angestellten freundlich seien. Während der ersten Stunde im Raum untersucht sie dessen Sauberkeit. Sie schaut unters Bett oder den Teppich. "Dann mache ich Fotos von der Umgebung und schreibe alles nieder, was mir auffällt”, erklärt Zhang weiter. "Ich teste das Hotel auch, indem ich angebe, dass ich Fieber habe und deswegen eine bestimmte Suppe brauche. Oder ich rufe mehrmals wegen des nicht funktionierenden Internets an, obwohl ich das leicht auch selber reparieren könnte."
Selbst beschreibt sie sich als Backpackerin, die gerne in Jugendherbergen wohnt. Doch sie sagt, dass sie mit der Zeit nun anspruchsvoller geworden sei. Obwohl sie nur einen Sechsmonatsvertrag mit der Firma unterzeichnet hat, will die ambitionierte junge Frau ihren temporären Job zu ihrer Berufung machen. Sie hat sich eine Reihe von Büchern über Hotels gekauft, so dass sie mit der Zeit eine wahre Hotelkennerin werden kann. "Unsere Firma gibt uns vor, zwei bis drei Bewertungen pro Woche zu schreiben. Davor müssen wir jeweils Vorschläge einbringen und die Firmenleitung davon überzeugen, dass ein Hotel für die Online-Kunden wirklich einen Mehrwert bringt", sagt sie. Welches Hotel sie als erstes im April unter die Lupe nehmen wird, sei noch immer ein Geheimnis. Zhang gibt aber an, dass sie sich eine neue Kamera angeschafft habe. "Ich werde mir auch einen rosa Hasen zulegen, und mit ihm gemeinsam auf die Hoteltouren gehen. Ich kann mich dann mit ihm unterhalten, was meine Online-Berichte bestimmt viel lebhafter werden lässt", hofft sie.
Quelle: China Daily
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