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01. 02. 2011 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Wir müssen unterschiedliche Unterrichtsarten ausprobieren

Schlagwörter: Unterrichtsarten,Amy Chua,Tigermutter,China,USA

In seiner Rede zur Lage der Nation betonte Präsident Barack Obama am Dienstagabend die Bedeutung der Bildung. Um die Zukunft für die Vereinigten Staaten zu gewinnen, müsse das Land im Rennen um die Erziehung der Kinder siegen, sagte er. Doch auch China sollte sich mehr um seine Ausbildung kümmern.

"Amerika ist beim Anteil der Jugendlichen mit einem Hochschulabschluss auf den neunten Platz gefallen", sagte der US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede zur Lage der Nation. Die Qualität des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts in den USA hinke vielen anderen Nationen hinterher. Gleichzeitig ist in allen US-Medien vom Erziehungstagebuch von Amy Chua zu lesen, das in diesen Tagen auch in der deutschen Übersetzung erschienen ist. Die selbsternannte Tigermutter, die einst aus Philipien in die USA migrierte, erzählt darin von den harten Methoden, mit denen sie bei der Erziehung ihrer Kinder die Disziplin durchsetzte. In der Debatte ging es folgerichtig nicht nur um die Frage eines Erziehungsstils, sondern um die Zukunft der USA als ein weltweit führendes Land. Die Heftigkeit der Debatte hat laut Annie Murphy Paul vom Time Magzine auch damit zu tun, weil viele Angst davor haben, Boden an China zu verlieren.

Ich glaube, dass es auch in China eine solche Diskussion geben sollte. Nicht, weil wir uns in einem Rennen befinden, sondern weil wir unsere Kinder darauf vorbereiten müssen, sich auf der Weltbühne zu bewegen. Wir sind bereits einen weiten Weg gegangen, um das zu schaffen, was wir erreicht haben. China hat nun die zweigrößte Volkswirtschaft der Welt und die höchste Zahl an College-Studenten weltweit. Rund 99 Prozent der Kinder im Schulalter genießen tatsächlich die vorgeschriebene Schulbildung. Doch trotz dieser dramatischen Prozesse sollten wir die gleichen Ängste wie die USA haben, insbesondere nachdem Obama ein Wettrennen um die Erziehung der Kinder ausgerufen hat.

In den vergangenen Jahren haben wir viel Lob gehört: Junge chinesische Arbeiter sollen zu den weltweit am besten ausgebildeten gehören. Gillian Tett schrieb kürzlich in einem Artikel in der Financial Times, dass chinesische Studenten an der Columbia University während einer Debatte über die Weltwirtschaft eine Reihe von Fragen gestellt haben. Dies habe einen starken Kontrast zu einigen japanischen Studenten gebildet, die "lautlos und halb unsichtbar am Rande schwebten."

Diese Entwicklung steht in einem krassen Gegensatz zur Zeit vor 20 Jahren, als Howard E. Gardner, ein Psychologie-Professor an der Harvard-Universität, rund hundert Musik- und Kunstlektionen in China besucht hatte, um die chinesische und die amerikanische Kunsterziehung zu vergleichen. "Nicht ein einziges Kind hat ja eine Frage gestellt", sagte er nach seinem Besuch. "Chinesische Kinder müssen nur wiederholen, was ihnen gesagt wird." Gardners Beobachtungen haben Fragen zur konventionellen chinesischen Bildung aufgeworfen, welche die Förderung von grundlegenden Fähigkeiten betont. Er fragte sich, wie förderlich das chinesische Vorgehen für die Innovationskraft und die Fantasie von Kindern sei. Gemäß Gardners Forschungen sehen Kinder die Welt auf ihre eigene Weise. Es sei für die spätere Entwicklung wichtig, die Kreativität und die Vorstellungskraft in den ersten sieben Lebensjahren zu fördern.

Amy Chua und ihre Töchter

öchterAuch heute noch stellen wir unsere Fähigkeit in Frage, die Innovationsfähigkeit unserer Kinder zu fördern. China sollte die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass chinesische Schüler im Bereich Innovation und Kreativität im internationalen Vergleich schlecht abschneiden. Trotz unseres raschen Wirtschaftswachstums und unseres Stolzes auf die vier alten Erfindungen, hadern wir noch immer daran, unsere Marken auf dem internationalen Markt bekannt zu machen.

Vor über 20 Jahren habe ich einmal eine junge Amerikanerin interviewt, die vier Jahre lang an einer chinesischen Elementarschule war und dann für die weitere Ausbildung in die USA zurückkehrte. Sie schaffte es später an die Harvard-Universität. Rückblickend sagte sie, dass sie von beiden Unterrichtsarten profitiert habe: In China habe sie Disziplin gelernt, während ihr in den amerikanischen Schulen Kreativität und unabhängiges Denken beigebracht worden sei. Das könnte vielleicht ein Modell für die Zukunft sein.

Quelle: China Daily

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