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16. 08. 2011 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Neue Diskussion über Chinas Sitten und Gebräuche: Chinas Matchmakingkultur

Schlagwörter: Matchmakingkultur , China

Vor kurzem wurde auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Renren der Name einer in China sehr üblichen Kennlernmethode gepostet, nämlich die des Matchmakings- aber auf die chinesische Art. Nachdem gründlich Geschichtsrecherche betrieben wurde, datierten Netzwerknutzer den Anfang Chinas Matchmakingkultur bis in die 50er Jahre hinein. In den Kommentaren heißt es u.a.: "Sehr interessant!" und Netzwerkbesucher Zhang Xiao äußert schwärmend "Erinnerst du dich noch an dieses blumengemusterte Hemd von damals?"

Die Antwort darauf lautet: Ja aber klar, denn das Markenzeichen einer ganzen Generation, wer könnte sowas schon vergessen, auch wenn es ein arrangiertes Treffen war. Und für die, die es nicht glauben, hier ein paar Daten:

Die 50er Jahre

Buntes Hemd mit Blumenmuster, Zopf. Gekleidet ihn so einem Outfit, war die Zukünftige froh, einen armen Mann zu heiraten.

Die Familie des Grundbesitzers wusste von nichts, die Bauernklasse war zuerst an der Reihe. Das verkuppelte Paar, das heiraten sollte, schwieg, die Ehestifter trugen die Mitgift bei sich.

In den 50er Jahren zählten, egal ob in Schule, Beruf, bei der Partnersuche, überall ging es nach der Klassenzugehörigkeit. Es spielte keine Rolle, ob die Familie arm war oder nicht. Wenn jemand keiner Klasse zugehörte, Großgrundbesitzer oder Kapitalbesitzern war, dann musste dieser nicht nur sein Haupt stets gesenkt tragen, sondern besaß jener auch keinerlei gesellschaftliches Ansehen. Weil die Töchter von Kapitalbesitzern viel politische Unterdrückung erfahren mussten, war es klar, dass man eher einen Arbeiter oder einen armen Bauer als Ehepartner wählte. Und wenn einem das Äußere des Partners einigermaßen sympathisch war , dann gab es nur eins: Heiraten.

Die 60er Jahre

In den 60er Jahren waren Uniformen angesagt, alles drehte sich um die Revolution. Alle Männer wollet Soldaten sein.

Den mann, den Mann heiratete sollte militärischen Hintergrund haben und wie ein gentleman aussehen. Und nachdem die Hochzeitsformalitäten geklärt waren, passte man zusammen wie die Faust aufs Auge.

In den 60er Jahren kam die revolutionäre Bewegung niemals zum Stillstand. Liebe war ein Wort, an dem man sich gerne die Zunge verbrannte. Niemand wagte es wirklich, dieses Wort auch nur auszusprechen, wenn selbst nur der Gedanke an Liebe bestraft werden konnte. Es hieß, dass über solche Dinge wie Liebe sich nur die Intellektuellen Gedanken machen würden. Die Klassenzugehörigkeit war immer noch sehr wichtig. Bevor einen Ehe geschlossen wurde, wurde deshalb zuerst die jeweils andere Familienhälfte des Partners auf Klassenzugehörigkeit untersucht. Wenn dabei etwas nicht stimmte, wurde die Ehe nicht geschlossen.

Die 70er Jahre

In den 70er Jahren waren die Ausgangsbedingungen wieder völlig andere. Die Kleidung der Männer glich der Sun Yatsens. Was zählte war die große "Reisschüssel" des Staates. Viele junge Büroangestellte und Studenten wurden aufs Land verschickt um dort zu arbeiten. Das Fahrrad als Fortbewegungsmitttel war in aller Munde. Die Liebe befand sich auf ihrem neuen Siegeszug.

In den 70er jahren gab es drei Dinge, auf die es ankam: Das Fahrrad, die Nähmaschine und die Armbanduhr. Was Frauen von einem Mann verlangten war eine "eiserne Reisschüssel",also ein gesichertes Einkommen. Solange ein Mann nur irgendwie in der Lage dazu war seinen sozialen Status verbessern zu können und und einer staatlichen Institution angehörte, hatte er gute Chancen auf dem Heiratsmarkt.

Die Gesellschaft während des 70er jahren war immer noch sehr konsevativ. In der Öffentlichkeit wurden keine Hänchen gehalten, man lief lediglich Seite an Seite spazieren. Egal ob man bereitsverheiratet war oder noch nicht, das erste was man sich anschaffte war ein Fahrrad. Vor der Hochzeit hatte jeder jeweils ein Fahrrad, sodass während des Fahrradfahrens ständig gequatscht werden konnte. Erst nach der Hochzeit, wenn die Beziehung der beiden also bereits eindeutig war, teilte man sich ein Fahrrad, wobei die Frau auf dem Gepäckträger des Rads ihres Mannes saß.

Die 80er Jahre

In den 80er jahren war die beste Methode, einen geeigneten Partner zu finden, mit ihm ins Kino zu gehen. Im Allgemeinen hatte die Filmindustrie einen großen Einfluß auf die damalige Jugend , Filmstars tapezierten ihre Wände.

Die 90er Jahre

In den 90er Jahren ging es Richtung Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Man sprach über "Hukous", was in China eine registrierten Wohnsitz bezeichnet. Händchen haltend besuchte man die Kinos.

Das letzte Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts brachte eine Verbesserung des Lebensstandards in China mit sich, wodurch auch ein besseres Lebensgefühl allgemein herrschte. Um was es sich wirklich galt Gedanken zu machen waren Beruf, Einkommen und ein registrierter Wohnsitz. Ein trendiger Spruch zu der zeit lautete: "Ohne Hukou, hast du schon verloren!"

Im Jahr 2000

Im 21. Jahrhundert, in folge der positiven Wirtschaftsentwicklung in China, wurde auch die Partnersuche immer einfacher. Eine wichtige Rolle nimmt dabei auch das Internet ein, da es eine Plattform für Singles anbietet, die die Möglichkeit bietet sich kennenzulernen und ein außerdem ein Kommunikationsmedium für den weiteren Verlauf einer gerade entstehenden Beziehung. Und egal wie groß die örtliche Distanz auch sein mag, kann man sich über das Internet weiter über Liebe unterhalten. Im Verhältnis ist die Kennlernphase eines Paares heutzutage viel kürzer als früher. Vom ersten gemeinsamen Spaziergang bis vor den Traualtar sind es meistens nur wenige Wochen, längstens ein Jahr.

Quelle: german.china.org.cn

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