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german.china.org.cn | 05. 12. 2012

Neue Kritik über chinesisches Tabu-Buch

Schlagwörter: sexuell,Jin Ping Mei,Literaturkritik,Sex

Kontrovers und voller sexueller Details – das Buch "Jin Ping Mei", oder "Die Pflaume in der Goldenen Vase", war Jahrhunderte lang ein Tabu in China. Das während der Ming-Dynastie (1368-1644) von einem Autor mit dem Pseudonym "Lanling Xiaoxiao Sheng" verfasste Buch genießt immer noch die Anerkennung von Wissenschaftlern. Eine neue Herangehensweise an das Buch, nämlich Liu Xinwu's Kritik über "Jin Ping Mei", wurde vergangenen Monat veröffentlicht. Mit Liu's kühner, ästhetischer Sicht und seiner scharfen, eleganten Sprache ist das Buch ein Muss für alle Fans.

Liu, der bereits für seine Literaturkritik an einem anderen chinesischen Klassiker, nämlich "Traum der Roten Kammer", umjubelt ist, schreibt im Vorwort: "Es ist falsch zu denken, dass die sexuellen Details vollkommen als 'Trick' genutzt werden, um Leser zu gewinnen." Stattdessen erachtet er die sexuelle Deutlichkeit des Buchs als einen essentiellen Teil des realistischen und naturalistischen Meisterstücks, das das extensive und komplizierte Sozialleben dieser Zeit aufdeckt, genauso wie die Erfahrungen, die die menschliche Kondition ausmachen. "Der Erzählstil ist ruhig, ohne Unbehagen oder Schwere, ohne Agonie oder Romantik – es ist das realistischste dieser Zeit", schreibt Liu.

"Jin Ping Mei" wird oft als chinesisches Pendant der notorisch berüchtigten Romane in der englischen Literatur angesehen, beispielsweise "Fanny Hill's Tropic of Cancer", und insbesondere "Lady Chatterley's Lover" von D. H. Lawrence. "Jin Ping Mei" und "Lady Chatterley's Lover", publiziert 1928, enthalten gewagte, intuitive und zügellose Beschreibungen von Sex. Die sexuellen Interaktionen spielen in beiden Romanen eine einflussreiche Rolle in der Handlung. Die Unterschiede der beiden Romane liegen im Schreibstil, in der Thematik, in den Figuren und im kulturellen Hintergrund.

Mit Tausenden Worten beschreibt der Autor von "Jin Ping Mei" sorgfältig jede sexuelle Erfahrung, manchmal sogar wiederholt. Er betont das Abnorme und Ehebrecherische, und sogar Sadomasochismus. Die männliche Hauptfigur, Ximen Qing, hat eine intime Beziehung mit über zwanzig Frauen. Er ist ein leichtfertiger Schuft, eine Verkörperung allen Übels, wie Ehebruch, Prostitution, Inzest und Pädophilie. Das war eine Story und ein Stil, den es noch nie in der chinesischen Literatur gab.

Die sexuellen Beschreibungen in "Lady Chatterley's Lover" dagegen scheinen tiefere kulturelle Konnotationen zu haben, und außerdem komplexere Verwicklungen. Lady Chatterley und Oliver Mellors haben Sex in einer Hütte, im Freien und in einem Sturm, mit all der Vitalität des Lebens, die den Kontrast und die Einheit von Körper und Geist hervorbringt. Die weibliche Hauptfigur in "Jin Ping Mei", Pan Jinlian, wird dargestellt als verachtenswerte, niederträchtige Schlampe und bemitleidenswertes Opfer dieser Zeit. In den Händen von D. H. Lawrence allerdings kämpft Lady Chatterley um ihre Sinnliche und geistige Glückseligkeit mit Integrität und Würde. Sie ist nobel, nicht anrüchig.

Beide Bücher drehen sich um ihr jeweiliges Milieu, wobei beide eine einzigartige Kritik an der Gesellschaft sind. "Jin Ping Mei" bringt zur Geltung, dass Menschlichkeit in Sittenlosigkeit verfällt. Das Buch warnt davor, dass übles Verhalten ein tragisches Schicksal zur Folge haben kann. Sexuelle Zurückhaltung wird allerdings in "Lady Chatterley's Lover" verachtet, und mit dem Buch wird versucht, eine neue Beziehung zwischen zwei Geschlechtern aufzubauen, vereint gegen die industrielle Zivilisation.

Erotische Literatur wie "Jin Ping Mei" hat dazu verholfen, das alte, konservative China zu durchbrechen. Neue Kritik mag außerdem einen mutigen Einblick in die Menschlichkeit haben. Wie Liu beteuert: "'Jin Ping Mei' ist ein großartiges Meisterstück, nicht nur für die Chinesen, sondern für die gesamte Menschheit."

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