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13. 05. 2015 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Kulturklau? Chinesischer „Jianbing" Verkaufsschlager in Portland

Schlagwörter: Kulturklau, Portland, Knusper-Brot

Morgens halb 10 in China: Auf einer großen schwarzen Heizplatte wird gleichmäßig gelber Teig verteilt. Schnell dreht sich die Platte während die dünne Masse aus Soja-, Mais- und Weizenmehl und einem Ei gekonnt mit einem kleinen Verteiler ausgestrichen wird. Bevor der Riesen-Crêpe im Plastiktütchen landet, wird er mit einer würzigen braunen Soße bestrichen, mit Zwiebeln und Koriander bestreut und mit einem Stück frittiertem Knusper-Brot (Bocui 薄脆) gefüllt.

Morgens halb 10 in China: Auf einer großen schwarzen Heizplatte wird gleichmäßig gelber Teig verteilt. Schnell dreht sich die Platte während die dünne Masse aus Soja-, Mais- und Weizenmehl und einem Ei gekonnt mit einem kleinen Verteiler ausgestrichen wird.

"Fang la de ma?", darf es etwas scharf sein, fragt der Verkäufer. Fertig ist das Frühstückchen, der legendäre Jianbing. Um die vier Yuan RMB (etwa 60 Eurocent) kostet diese leckere Erfindung der Nordchinesen, denn der traditionelle, große Jianbing wird vor allem in Beijing und Tianjin gegessen. Die Chinesen sind in der Regel ziemlich stolz darauf, viele nützliche Dinge erfunden zu haben: den Regenschirm zum Beispiel, das Porzellan und ja, auch die Leiter. Den Jianbing allerdings wollen einige lieber für sich. Dass ein kleiner Imbiss im US-amerikanischen Portland mit ihrem Lieblingsfrühstück sehr erfolgreich ist, passt so manchem Netizen ganz und gar nicht.

„Bing Mi", so heißt der Laden in Portland in Oregon, dem auf chinesischen Bloggingseiten vorgeworfen wird, die chinesische Kultur zu stehlen. Alisa Gandy ist dem chinesischen Crêpe auf einer Reise nach Beijing im vergangenen Jahr verfallen. Die Herstellung habe sie auf Youtube gelernt. Gandy verspricht „A unique Portland Food Cart Experience", ein einzigartiges Portland-Straßensnackerlebnis. Hätte sie vielleicht besser „A unique Taste of China in Portland" anpreisen sollen?

„Warum sind den amerikanischen Staatsbürgern in diesem Fall eigentlich die Urheberrechte egal?", fragt sich ein Internetnutzer aus China. Dass eine Amerikanerin unverhohlen eine chinesische Idee klaut, empfindet ein anderer als höchst ironisch. Die süße Bohnensoße habe man bestimmt durch Ketchup und Salatdressing ausgetauscht, lautet eine Unterstellung. So sei wieder ein immaterielles Kulturerbe aus dem Land geholt worden, schreibt ein User pathetisch und in einem weniger zynischen dafür überaus poetischen Kommentar wird der Jianbing als Blume bezeichnet, deren Duft sich über die Grenzen entfaltet.

Problematisch für die eigenwilligen „Kulturhüter" dürfte sein, dass der Jianbing längst nicht nur in amerikanischen Bäuchen verschwindet, denn auch auf den Straßen Londons und Wiens wird eifrig Teig breitgestrichen und mit Bocui befüllt. Dort muss dafür vergleichsweise tief in die Tasche gegriffen werden. „Monsieur Yong" in Wien verlangt von seinen Kunden immerhin 3,50 Euro. Einzigartig bleibt der Snack für 60 Cent in seinem Heimatland definitiv durch seinen Preis.

Von Marie Müller-Diesing

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Quelle: CRI

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