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11. 11. 2008 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Chinesischer Flussdelfin kurz vor dem Aussterben

Zivilisationsbedingte Bedrohungen lassen immer mehr Tier- und Pflanzenarten aussterben. Wissenschaftler versuchen seit langem vergeblich, Nachweise für die weitere Existenz des Chinesischen Flussdelfins und anderer bedrohter Spezies zu finden.

Chinesischer Flussdelfin kurz vor dem Aussterben

Der Chinesische Flussdelfin, die Weihnachtsinsel-Spitzmaus und der venezolanische Skunkfrosch gehören zu einer alarmierenden Reihe von aussterbenden Arten. Doch wie entscheiden Wissenschaftler, wann solch "möglicherweise ausgestorbene" Lebewesen tatsächlich ausgestorben sind? Die Vereinten Nationen erklärten, die Welt sehe der schlimmsten Flut des Aussterbens von Tierarten seit dem Verschwinden der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren entgegen. Gründe sind von Menschenhand geschaffene Bedrohungen wie das Wachsen der Weltbevölkerung, das Abholzen der Wälder, Jagd, Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Dennoch erfordert der Beweis, dass eine individuelle Spezies ausgestorben ist, lange, aussichtslose Forschung.

"Wenn es eines gibt, das ich in meiner Laufbahn gern als falsch herausgestellt hätte, dann ist es die These, dass der Baiji ausgestorben ist", meint Sam Turvey von der Zoologischen Vereinigung London, die einen anderen Namen für den Chinesischen Flussdelfin gebraucht. Turvey hat dieses Jahr fast drei Monate damit zugebracht, erfolglos einen chinesischen Fischer zu interviewen, um einen Fleckendelfin ausfindig zu machen, der seit 2002 nicht mehr gesichtet wurde. Einige Kollegen in China sind immer noch auf der Suche. Der Baiji war 2006 fast für ausgestorben erklärt worden, nachdem eine akustische und visuelle Untersuchung des Flusses ergebnislos verlaufen war. Ein verschwommenes Video gab Experten Anlass zum Zweifel, und schließlich wurde er für "möglicherweise ausgestorben" erklärt.

Rund 300 Pflanzen- und Tiersarten, darunter die Weihnachtsinsel-Spitzmaus und der venezolanische Skunkfrosch, sind laut der Roten Liste der Internationalen Vereinigung für Naturschutz (IUCN) ebenfalls "möglicherweise ausgestorben", die letzte Kategorie vor der Kategorie "ausgestorben". Wenn Turveys Studie keine Anhaltspunkte erbringt, wird der Chinesische Flussdelfin wahrscheinlich in die Kategorie "ausgestorben" eingestuft, so Mike Hoffmann, der ein weltweites Projekt zur Klassifizierung von Spezies für die IUCN und für die Organisation Conservation International leitet. Es wäre das erste ausgestorbene Säugetier der Art "Megafauna" - Tiere, die über 100 Kilogramm wiegen – seit die Karibische Mönchsrobbe in den 1950er Jahren ausgestorben ist.

"Um sagen zu können, dass eine Tierart ausgestorben ist, sind eine Menge an Beweisen erforderlich – negative Beweise – und es mag viele Jahre dauern, um diese zu sammeln", sagte Craig Hilton-Taylor, der die Rote Liste erstellt. Wissenschaftler suchen zur Erstellung der Liste für "möglicherweise ausgestorbene" Tier- und Pflanzenarten unter der Erde nach seltenen Pflanzen, Fröschen oder Ratten, stellen Nachtfallen für Fledermäuse oder Nachtfalter und entschlammen den Meeresgrund zur Suche nach Korallen. Einige Experten vergleichen die Schwierigkeiten der "Beweissammlung" mit der, dass das mythische Monster Loch Ness nicht existiert.

Die Weihnachtsinsel-Spitzmaus wurde seit 1985 auf der australischen Insel nicht mehr gesichtet. Ebenso wurde der venezolanische Skunkfrosch trotz intensiver Suche nicht mehr gesehen. Insgesamt 76 Säugetiere sind seit dem Jahr 1500 ausgestorben, eine weitaus größere Zahl als die in den vorigen Jahrhunderten, und 29 Säugetiere sind als "möglicherweise ausgestorben" auf die Rote Liste 2008 aufgenommen worden. Ausgestorbene Tierarten haben oft unbekannten ökonomischen Wert, beispielsweise der australische Magenbrüterfrosch, der seine Jungen im Magen ausbrütet und eventuell Geschwüre heilen kann, oder die Südafrikanische Blauantilope, die für die Ankurbelung des Tourismus wichtig ist.

Wenn auch die meisten Neuigkeiten düster sind, so geben doch einige Spezies den Naturschützern Grund zur Freude: letztes Jahr tauchte eine Eidechse, die für ausgestorben erklärt worden war, auf La Palma in den spanischen kanarischen Insel auf, nachdem diese 500 Jahre lang nicht mehr gesichtet worden war.

Quelle: Shanghai Daily

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