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20. 09. 2010 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Vom Wilderer zum Wildschützer

Schlagwörter: Wildschützer, Wildleben

Acht Jahre nachdem Qu Shuangxi in der Nähe seines Dorfs Hunchun in der Provinz Jilin von einem wilden Tiger angegriffen worden war, wechselte er die Seite: Nun ist er nicht mehr Wilderer, sonder plötzlich Wildschützer."Mein Dorf wurde ausgewählt, um bei einem Pilotprojekt der Regierung zum Schutz des Wildlebens mitzumachen", sagt er.

Ein Marsch in Hunchun soll auf den Schutz von wilden Amur-Tigern sensibilisieren. [China Daily]

Sie waren rund drei Kilometer von ihrem Dorf entfernt und plauderten vergnügt, als plötzlich nur wenige Meter hinter ihnen ein wilder Sibirischer Tiger auftauchte. Sein Begleiter konnte fliehen. Qu war nicht so glücklich: Der Tiger schlug mit seiner Pranke auf Qus rechte Schulter und riss ihm ein Stück Fleisch vom Arm."Ich rannte wie verrückt. Doch der Tiger war für mich zu schnell. Obwohl er selbst verletzt war und sein Fuß in einer kaputten Falle steckte, holte er immer weiter auf", erinnert sich Qu. "Da stellte ich mich tot." Glücklicherweise rannte gerade in diesem Augenblick ein Rothirsch vorbei, dem sich der Tiger dann zuwandte.

Der 55-jährige Bauer erlitt mehrere Frakturen in der rechten Schulter sowie einen Knochenbruch und einen Muskelfaserriss im rechten Arm, wodurch er dauerhaft invalide wurde. Am nächsten Tag tötete der gleiche Tiger eine Försterin. Daraufhin kamen die Ranger des Naturreservats und fingen das Tier. Der verletzte Tiger erlag acht Tage danach seinen Verletzungen – trotz intensiven Bemühungen, ihn zu retten.

Da es sich später herausstellte, dass die Falle, welche den Tiger verletzt und schlussendlich getötet hatte, von Qu gelegt worden war, wurde dieser wegen Wilderei zu einer zwei Jahre dauernden Haftstrafe verurteilt. Der Sibirische Tiger, der auch unter dem Namen Amur-Tiger oder Mandschurischer Tiger bekannt ist, gehörten zu den zehn am meisten gefährdeten Tierarten der Welt. Die Raubkatzen leben hauptsächlich in Nordostchina und in den fernöstlichen Teilen Russlands.

Es wird geschätzt, dass derzeit noch etwa 500 Sibirische Tiger in freier Wildbahn leben. Von ihnen hausen nur rund 20 Tiere in den beiden nordostchinesischen Provinzen Jilin und Heilongjiang. Wilderei, Abholzung, die allgemeine Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums, und der illegale Handel gehören zu den größten Bedrohungen für die Art. Zudem werden in der traditionellen chinesischen Medizin verschiedene Tigerteile noch immer in vielen Bereichen eingesetzt. Experten sagen, dass ein Jäger für den Körper eines erlegten Tigers bis zu 150.000 US-Dollar verlangen kann. "In Hunchun ist die Jagd eine alte Tradition, die bis heute währt", erklärt Li Zhixing, Generalsekretär der Gesellschaft zum Schutz der Sibirischen Tiger in Hunchun."Obwohl viele Bewohner nie die Absicht hatten, die Tiger zu jagen, habe sie mit ihren Aktivitäten in die Lebensräume der Tiere eingegriffen."

"Die Angriffe des Tigers waren eigentlich vermeidbare Tragödien", sagt Wu Zhigang, Forscher beim Institut für Forstwissenschaften der Provinz Jilin. Er ist einer der führenden Wissenschaftler beim Schutz des Sibirischen Tigers. "Sowohl der Tiger wie auch die beiden Bauern wären eigentlich sicher gewesen, wenn es diese Schlingenfallen nicht geben würde." Diese sind seien verbotene Jagdmittel. Denn selbst wenn der Tiger nicht das eigentliche Ziel gewesen sei, kann sich doch sehr leichter einer von ihnen in der ausgelegten Schlinge verfangen."Die Fallen bedrohen die Tigerpopulation allerdings auch, weil dadurch ihr Futter verschwindet." Normalerweise greifen Tiger keine Menschen an, erklärt Wu."Nur wenn er verkrüppelt wird und dadurch seine Fähigkeit verliert, sein natürliches Futter zu jagen oder wenn es nicht mehr genügend zu fressen gibt, ist er gezwungen in die nahe gelegenen Dörfer zu gehen und als letzte Möglichkeit Vieh oder gar Menschen anzugreifen."

Qu kann die Allgegenwart von Schlingen leicht bezeugen, da er und seine sechs Kollegen als freiwillige Rangers im vergangenen Winter die Umgebung seines Dorfes nach Schlingen und Fallen abgesucht haben. Auf der anderen Seite der Grenze, im benachbarten Russland, scheint das Leben der Tiere viel sicherer zu sein. Während in China nur noch schätzungsweise 20 Tiger leben, sollen es im Russland immerhin noch 480 sein."Ein einziger wilder Tiger braucht ein Jagdrevier von 20.000 bis 30.000 Hektar. Doch das ganze Naturschutzgebiet von Hunchun ist nur 89.000 Hektar groß", sagte Wu."Auch wenn man das mit einem weiteren Schutzgebiet in der Nähe zusammenzählt, das weniger als 40.000 Hektar groß ist, hätten wir in der ganzen Provinz für höchstens vier bis sechs Tiger Platz." Wilde Tiger können die Grenze nach Russland leicht überqueren.

"In der russischen Jagdkultur werden keine Schlingen verwendet”, ergänzt Dr. Sergey Aramilev. Er ist beim russischen Ableger von WWF Koordinator im Bereich Schutz der Artenvielfalt. Während einer Reise entlang der russisch-chinesischen Grenze, habe er auf mehr als 200 Kilometer auf der russischen Seite keine einzige Falle gesehen."Das könnte erklären, wieso Tiger manchmal nach Russland kommen." Doch dank eines Projekts von WWF China kommen die großen Katzen nun vermehrt wieder nach China zurück.

Qus Dorf Guandaogou wurde im Oktober 2009 für ein Pilotprojekt ausgesucht: das Hunchun Naturschutzgebiet. Seit vergangenem Jahr hat die chinesische Zweigniederlassung vom WWF 12 Bienenstöcke an sieben Haushalte geschickt – darunter auch an den von Qu. Dies ist Teil eines Projekts, durch das die Leute eine andere Art des Einkommens finden sollen.

"Die Lokalregierung und die Dorfbewohner unterstützen das Projekt sehr", sagt Dr. Jiang Guangshun, der bei WWF China für den Schutz des Amur-Tigers zuständig ist."Wir hoffen, dass die ausgewählten Haushalte mit diesem Projekt mehr Geld verdienen können", sagt er."Egal, ob sie aus Spaß, wegen des Fleisches oder für den Handel jagen – wir hoffen, dass die Bienen dabei helfen können, dass sie sich verändern."

Quelle: China Daily

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