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| 06. 12. 2011 | Druckversion | Artikel versenden| Kontakt |
Die letzten verbleibenden Sibirischen Tiger, die derzeit noch im Nordosten Chinas leben, könnten innerhalb von Jahrzehnten verschwinden, da Wilderei und illegaler Holzeinschlag weiterhin ihren Tribut fordern, warnen Experten vom WWF
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Zwei sibirische Tiger
Eine Studie der chinesischen Behörden und der Tierschutzorganisation WWF kam zum Schluss, dass der Sibirische Tiger bereits jetzt zu den am stärksten bedrohten Tierarten des Planeten gehört. In nur 70 Jahren dezimierte sich die Population des Amur-Tigers von rund 300 Tieren auf derzeit 18 bis 22. "Wenn die Regierung keine wirksamen Maßnahmen ergreift, ist es absehbar, dass die Tiere innerhalb von zehn bis 20 Jahren aus China verschwinden", sagte Zhu Chunquan, Direktor der Abteilung Erhaltung der biologischen Vielfalt und Operation des Beijinger WWF-Büros. "Das illegale Jagen von Wildtieren, welche die Hauptnahrungsquelle von Tigern darstellen, ist die größte Bedrohung für ihr Überleben." Allerdings reduziere auch die umfangreiche Abholzung in den bergigen Provinzen Heilongjiang und Jilin die natürlichen Lebensräume der Großkatzen.
Die Behörden haben einen starken Anstieg der Wilderei mit Eisenschlingen wahrgenommen, seit 1996 die Jagd von wilden Tieren verboten wurde. Die Fallen, die meist gelegt werden, um Rotwild, Sika-Wild, Wildschweine und Rehe zu jagen, sind laut Zhu noch immer problemlos in kleinen Läden in der Nähe von Waldgebieten erhältlich. Das hat seine Konsequenzen: "Noch vor einem Jahrzehnt konnten wir hier Rehe sehen, aber jetzt sind sogar Eichhörnchen selten", klagt Cao Zhiquan, Chef der Qiyuan-Baumschule unter dem Forstamt von Dongfanghong in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang. Die Fallen stellen indes auch eine Gefahr für die Raubkatzen selbst dar: Erst Ende Oktober war ein 200 Kilo schwerer männlicher Tiger war mit einer Schlinge um den Hals in der Nähe der Stadt Mishan tot aufgefunden worden. Experten sagten, dass das Tier nicht erstickt, sondern erst Tage später verhungert sei.
Eine Untersuchung des WWFs hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass sich in den Tigerschutzgebieten in Heilongjiang und in der benachbarten Provinz Jilin in einer Distanz von zehn Kilometer im Schnitt 1,6 Tierfallen befinden. "Freiwillige helfen uns jedes Jahr dabei, die Fallen zu entfernen. Aber wir kamen nach und nach zur Einsicht, dass wir dies nicht alleine tun können", sagte Zhu. "Um die Tiger wirksam zu schützen, müssen wir mehr Leute dazu bewegen, kein Wild mehr zu verspeisen. Dies ist nichts, was man in kurzer Zeit erreichen kann."
Auch illegaler Holzeinschlag ist weiterhin verbreitet, obwohl die Regierung bereits im Jahr 2000 die Abholzung der natürlichen Wälder vollständig verbot. Die Forstverwaltung erklärte, dass die meisten Tigerschutzgebiete wie etwa die Wanda-Berge in Heilongjiang aufgrund technischer Einschränkungen und schlechtem Management nicht in der Lage seien, das Gebiet wirksam zu überwachen. Dazu kommt, dass die Reservate häufig zu wenig Personal haben und die Angestellten selten genügend über den Schutz von Tigern wissen.
Um die seltenen Raubtiere zu schützen, rufen Experten zu einer verstärkten internationalen Kooperation auf – insbesondere zwischen China und Russland. Sie schätzen, dass im fernen Osten Russlands noch etwa 500 weitere Tiger leben. Allerdings wird ihr Lebensraum häufig von Straßen und anderen Infrastrukturprojekten durchtrennt. "Auch der bis zu zwei Meter hohe Grenzzaun stellt für Tiger ein großes Hindernis dar", sagte Zhu. Der WWF versucht, China und Russland zur Wiederherstellung der Verbindung zwischen den Lebensräumen der Tiger zu bewegen. "Auf diese Weise wären Hunderte von wilden sibirischen Tigern in Russland in der Lage, nach China zu gelangen und dort Junge zu zeugen." Die Naturschützer forderten beide Länder auf, die Grenze mit Videokameras statt mit hohen Zäunen zu überwachen. "Wir sind bestrebt, die Bevölkerung der wilden sibirischen Tigern in China bis 2022 zu verdoppeln, aber dafür braucht es eine stärkere internationale Zusammenarbeit", sagte Zhu.
Die staatliche Forstverwaltung erklärte, China lege beim Artenschutz großen Wert auf internationale Zusammenarbeit, und versprach weitere gemeinsame Projekte. Das Land hat bereits mit Indien und Russland Abkommen zum Tiger-Schutz unterzeichnet. Auch seien eine Reihe von Maßnahmen wie etwa eine Untersuchung der Lebensräume und der Austausch von Informationen gemeinsam mit anderen Ländern und internationalen Organisationen durchgeführt worden.
Quelle: China Daily
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