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06. 01. 2012 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Aktivisten fordern Tierschutzgesetz

Schlagwörter: Tierschutzgesetz Missbrauch

Tierschutzaktivisten fordern die rasche Einführung von Schutzbestimmungen, um dem zunehmenden Missbrauch von Tieren entgegenzuwirken. Problematisch sind etwa das Abschlachten von Straßenhunden und Live-Shows in Zoos.

Das erste umfassende Gesetz zum Tierschutz hätte bereits im Jahr 2009 vom Gesetzgeber verabschiedet werden sollen. Doch gibt es laut dem Rechtsprofessor Chang Jiwen von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, der das mit dem Gesetzesentwurf beauftragte Team leitet, noch immer keinen klaren Zeitplan für die Umsetzung des Entwurfs. Das Gesetz zum Schutz wildlebender Tiere ist das einzige Gesetz im Land, das den Handel und Missbrauch von Tieren verbietet. Es kann jedoch keine Tiere schützen, die sich bereits in Gefangenschaft befinden.

Unterdessen wird von einer steigenden Zahl von Tiermissbräuchen berichtet. Einige Internetnutzer, welche eine Chatgruppe mit dem Namen "Katzen-Folterer" gegründet haben, veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Bilder von Katzen, die entweder getötet oder grausam gequält werden. Die Gruppe hatte angeblich angekündigt, am Heiligabend mehr als tausend Katzen als ein Tribut an den Gründer der Gruppe zu töten. "Bisher hat die Gruppe keine neuen Bilder online gestellt", sagte eine Beijinger Tierschutzaktivistin, die sich als Xiaomiao bezeichnete. "Doch Tierfreunde versuchen alles, um die Gruppe ausfindig zu machen."

Tierschützer führen die steigende Zahl der Missbräuche auf eine öffentliche Gleichgültigkeit zurück. Das mangelnde öffentliche Bewusstsein ist mitunter ein Grund, wieso bisher kein umfassendes Tierschutzgesetz erlassen wurde, sagte die Beijinger Anwältin Cai Chunhong. "Ohne starke öffentliche Billigung werden die Gesetzgeber das Thema nicht auf den Tisch bringen", so Cai. "Auch wenn das Bewusstsein für den Tierschutz dank wachsender Heimtierhaltung in den letzten Jahren stieg, bilden Tierfreunde noch immer eine Minderheit." Da es Zeit braucht, ein umfassendes Gesetz auszuarbeiten, schlug Cai vor, das Vakuum mit Strafverordnungen bei Tierquälerei zu füllen.

Auftritte von Tieren in Zoos und Wildparks sind trotz Verboten oft mit Grausamkeiten verbunden, sagte Mang Ping, Professorin am Zentralinstitut für Sozialismus. Mang, die selbst eine Tierschutzaktivistin, stützt ihren Schluss auf eine 15 Jahre dauernde Langzeitstudie zum Tierschutz in den Zoos. Bei der Untersuchung waren 21 Zoos und Wildparks in Städten wie Beijing, Shanghai, Hangzhou und Shenzhen berücksichtigt worden. "Mehr als 95 Prozent des Wildparks und 50 Prozent der untersuchten Zoos erhöhen ihre Einnahmen durch Tierauftritte – und die Tiere werden dabei meistens schlecht behandelt", sagte sie.

Die zentralen Behörden hatten ein Verbot von Tier-Shows ausgesprochen – kurz nachdem in einem Tierschutzgebiet in Shenyang, der Hauptstadt der Provinz Liaoning, elf Sibirische Tiger verhungerten. Ebenfalls 2010 kam ein Panda im Zoo von Jinan in der Provinz Shandong ums Leben. Er starb durch ein Giftgas, das eingesetzt wurde, um einen nahe gelegenen Luftschutzbunker zu desinfizieren. "Da die Strafen nicht hart genug sind, wird das Verbot schlecht umgesetzt", so Mang.

In Beijing waren Leistungen von Tieren wie das Springen durch Feuerreifen in einigen Zoos immer beliebter geworden, wie Guo Geng, stellvertretende Direktorin des Elk Ecology Research Center, sagte. "Um die Gewinne zu maximieren, beinhalten die meisten Programme Grausamkeiten", erläuterte Guo, die im Dezember den Vorschlag eingereicht hatte, im Beijinger Zoo Tierauftritte zu verbieten. Guo rief die Regierung von Beijing auf, sich stärker um den Tierschutz zu bemühen und die Besitzer des Zoos verantwortlich zu machen. Die Behörden hatten die Zoos ermutigt, Geld einzunehmen, um finanziell unabhängig zu werden. Dies habe dazu geführt, dass viele Zoos angefangen haben, Tierauftritte anzubieten.

Statistiken des Chinesischen Verbands der Zoologischen Gärten zeigen, dass es inzwischen im ganzen Land über 200 Tiergärten gibt. Davon sind über 30 Wildparks – drei Mal so viele wie in den Vereinigten Staaten und fünf Mal so viele wie in Japan. "Unterhaltung und Gewinn stellen natürlich für die Zoo-Eigentümer eine Priorität dar. Aber wenn die Tierwärter die Tiere vor dem Publikum quälen, kann der Zoo seine Aufgabe nicht erfüllen, Menschen zum Tierschutz zu bewegen", sagte sie. China müsse von anderen Ländern lernen. So hatte etwa der Rat von Toronto im Oktober bestimmt, dass drei afrikanische Elefanten in einen Zoo in Kalifornien umsiedeln müssen. Dort ist das Klima für sie besser.

Quelle: China Daily

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