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11. 01. 2012 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Bewohner des "Krebsdorfes" beschuldigen Industrie für Erkrankungswelle

Schlagwörter: Krebsdorf Erkrankung Industrie Schwermetall

Ein Dorf in der ostchinesischen Provinz Jiangsu, das von über 80 Anlagen zur Verarbeitung von Schwermetallen umgeben ist, trägt den traurigen Beinamen "Krebsdorf". In den vergangenen zwei oder drei Jahren waren in der Ortschaft bei rund 70 Bewohnern Krebserkrankungen diagnostiziert worden.

Die Bewohner des Dorfs Shibao sagten, dass bereits zahlreiche Erkrankungen zum Tod geführt haben, wie gestern die offizielle Website der Provinz Jiangsu berichtete. Das Umweltschutzamt der Stadt Xinghua, in deren Verwaltungsgebiet sich Shibao befindet, meldete, dass es die Vorwürfe derzeit untersuche. Laut Angaben von Offiziellen sei bereits eine Fabrik für die Verschmutzung eines Flusses zur Rechenschaft gezogen worden.

Der 61-jährige Li Genjiu, der sein ganzes Leben in Shibao verbrachte, sagte, dass früher nicht mehr als zwei oder drei Dorfbewohner pro Jahr an Krebs erkrankten. Doch in den letzten Jahren sei die Zahl in die Höhe geschnellt. "Zuvor waren Magen- und Speiseröhrenkrebs die häufigsten Arten, jetzt erkranken die meisten Anwohner an Lungenkrebs", so Li. "Von den zehn Menschen, die hier im vergangenen Jahr ihrem Krebsleiden erlagen, befanden sich sieben Patienten mit Lungenkrebs."

Der 72-jährige Xiao Houfang kämpft derzeit mit Magenkrebs. Seine Frau starb vor einigen Jahren an Schilddrüsenkrebs. "Ich bin alt und ich habe keine Angst vor dem Tod. Aber ich fürchte, dass die Krankheit eine große wirtschaftliche Belastung für meine Kinder verursacht", sagte er.

Bevor die Dorfbewohner die Verbindung zur Verschmutzung zogen, dachten viele, dass die Krankheitsfälle durch ein schlechtes Fengshui verursacht wurden. Zwei der drei Flüsse des Dorfes sind ausgetrocknet und 2007 wurde ein Damm gebaut, was den Verdacht aufkommen ließ, dass die Geomantie des Ortes beschädigt wurde.

Doch insgeheim beschuldigen die Dorfbewohner die Metallverarbeiter. "Die Fabriken und Montagehallen um uns emittieren verunreinigtes Gas und Wasser", sagte Li. "Dies ist, was die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt." Dorfbewohner berichteten, dass das Wasser der Fabrik ungereinigt in die Flüsse abgeführt wird und dass die ätzenden Dämpfe sogar die Metallumfassungen der Fenster angreifen.

Die größte Fabrik in der Nähe von Shibao ist das Stahlwerk Zhaotai, das nach Angaben der Dorfbewohner Abwasser in den Fluss ableitet, das mehr als zehn unterschiedliche Schwermetalle beinhaltet. Das Umweltschutzamt von Xinghua sagte, dass sie die Firma mit einer Geldbuße von 100.000 Yuan (16.000 US-Dollar) belegt hat und die Fabrik aufforderte, mit der Verschmutzung aufzuhören. Die Dorfbewohner glauben jedoch nicht, dass dies einen großen Effekt haben wird, da demnächst weiter Fabriken den Betrieb aufnehmen. "Das einzige was wir tun können, ist junge Leute zum Verlassen von Shibao zu bewegen", sagte Li. "So lange ich noch lebe, werde ich das allen sagen."

Quelle: People's Daily

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