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21. 10. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Forscher:

"Alle Jugendlichen sollten Zugang zu Sexualkunde bekommen"

Sexualkunde und ähnliche Dienste sollten für alle chinesischen Jugendlichen zugänglich sein. Auch für solche, die nicht verheiratet sind, sagen Experten der Fortpflanzungsmedizin.

Obwohl viele von ihnen sexuell aktiv sind, haben chinesische, unverheiratete Jugendliche keinen Zugang zur Gratisberatung in sexuellen Fragen, die den jungen verheirateten Jugendlichen zur Verfügung steht. "Hier gibt es definitiv eine große Nachfrage bei den über 200 Millionen Chinesen im Alter zwischen 10 und 24 – unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht", sagte Tang Kun, Vorsitzender des chinesischen Jugendkomitees bei der 5. Asienpazifikkonferenz über Fortplanzungs- und Sexualgesundheit und -rechte.

In China sind unverheiratete Jugendliche, die sexuell aktiv sind, nicht gut mit den staatlichen Sexualdienstleistungen abgedeckt, die Gespräche, Gesundheitschecks und die Gratisabgabe von Verhütungsmitteln umfassen. Während dessen können junge, verheiratete Paare bei den Familienplanungsstellen und am Arbeitsplatz gratis Kondome beziehen. "Jugendliche können auch Sex haben. Wieso sollen wir ihnen nicht die gleichen Vorzüge geben wie der Verheirateten?", fragt Tang. Jugendliche hätten in China häufig ein ungenügendes Wissen über Fragen rund die Sexualität. Sie beschweren sich, dass in der Schule zu sehr auf die physikalische Seite von Sex eingegangen wird, es aber kaum Infomationen zu den Gefühlen gibt.

Seit 1988 gibt es in den Schulen im ganzen Land einen Sexualkundeunterricht. "Der Unterricht ist per Gesetz vorgeschrieben. Es sichert die Rechte des Jugendlichen auf eine sexuelle Erziehung", sagte Pan Guiyu, stellvertretender Direktor der regierungsunabhängigen China Family Planning Association. Trotzdem ist bekannt, dass diese Politik nur schlecht umgesetzt wird. Der Hauptgrund ist, dass Sex für viele ein Tabu ist, das nicht öffentlich diskutiert werden kann. Betroffen sind davon insbesondere Schulen und Familien – die beiden Hauptorte, wo Kinder erzogen werden, sagen Experten. Tang erinnert sich: "Mein Lehrer in der Mittelschule hat uns die Texte über Sexualkunde alleine zu Hause lesen lassen."

Das Resultat ist, dass die Zahl der ungewollten, frühen Schwangerschaften steigt. Die meisten von ihnen führen zu Abtreibungen, heißt es in älteren Berichten. Eine Umfrage aus dem Jahre 2008 zeigte, dass rund 60 Prozent der chinesischen Jugendlichen nicht wissen, wie man ein Kondom richtig verwendet.

Allerdings zeichne sich derzeit eine wachsende Offenheit zu sexuellen Themen ab, insbesondere unter Jugendlichen, sagt Pan Suiming, der das Institute of Sexuality and Gender Research an der Renmin-Universität leitet. Die jüngsten Umfragen seines Instituts zeigen, dass fast 70 Prozent der unverheiraten urbanen Jugendlichen mit einem Alter von weniger als 30 Jahren Sex hätten und das 25 Prozent von ihnen dabei mehr als einen Partner gehabt haben. "Dies erhöht das Risiko für junge Leute, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken", sagte Pan. Er fordert die Behörden auf, das gegenwärtige Familienplanungsmodell zu überdenken und flexibler zu agieren.

Quelle: China Daily

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