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24. 08. 2010 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Agrartechnologien

China soll eigene Gennahrung entwickeln

Derzeit wird in China kaum genetisch manipulierte Nahrung verkauft und die, die verkauft wird, stammt größtenteils aus dem Ausland. Dabei könnte Gentechnologie viele Probleme der chinesischen Landwirtschaft lösen.

China muss Innovationen in der Landwirtschaft fördern und auch eigene genmanipulierte Nahrungsmittel entwickeln, um gegen den Klimawandel anzukämpfen und nicht zu abhängig von ausländischen Technologien zu werden, forderten führende Agrarexperten und Wissenschaftler letzte Woche im Interview mit China Business Weekly.

Die Chinesen konsumieren jedes Jahr Millionen Tonnen Öl aus genmanipulierten Sojabohnen und haben damit kein Problem, obwohl genmanipulierte Nahrungsmittel in China genauso umstritten sind wie im Rest der Welt. Genetische Manipulation bedeutet bei Nahrungsmitteln, dass man in gewisse Getreidearten Gene anderer Pflanzen einsetzt, um diverse gewollte Charakteristika wie Resistenzen gegen Insektenangriffe oder verbesserte Toleranz von Dürren zu kopieren. Die Technologie ist aber umstritten. Kritiker sehen es als riskant an, mit der Natur zu spielen, während Befürworter argumentieren, dass dies Nahrungsmittelengpässen vorbeugen könnte. Genmanipulierte Getreidearten könnten diverse Probleme lösen, die heute zu Umweltproblemen führen, wie beispielsweise die limitierten Land- und Wasserressourcen, so die Wissenschaftler.

"Es ist unerlässlich für China, sich technisch auf Genmanipulation vorzubereiten", meinte Zhai Huqu, Präsident der Chinesischen Akademie der Agrarwissenschaften. Die Regierung müsse aber erst noch die Technologie genehmigen, so Zhai.

Erste Arten genehmigt. Letztes Jahr vergab China an zwei schädlingsresistente Reis- und Maisarten Zertifikate zur Bestätigung ihrer biologischen Sicherheit. Die beiden Arten müssen aber noch drei bis fünf Jahre geprüft und in der Produktion getestet werden, bevor sie auf den Markt kommen. "Neben dem genmanipulierten Sojaöl sollte es eigentlich noch keine genetisch veränderte Nahrungsmittel auf dem Markt geben", erzählte Zhai. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist China Nettoimporteur von Sojabohnen und die importierten Sojabohnen aus den USA und Argentinien sind größtenteils genetisch verändert. Die Volksrepublik verbraucht jährlich etwa 10 Millionen Tonnen Sojaöl und etwa 40 Millionen Tonnen Sojabohnen pro Jahr für Nahrung und Viehfutter, erklärten Industrieexperten. Über 80 Prozent davon sind importiertes Öl aus genmanipuliertem Soja oder werden aus importierten genmanipulierten Sojabohnen hergestellt. Der Import genetisch manipulierter Getreidesamen wurde aber bislang noch nicht genehmigt. Internationale Konzerne wie Monsanto, die bereits Samen genmanipulierter Bauwolle und normale Getreidesamen in China verkaufen, begannen, die Marktchancen für genetisch manipulierte Samen in der Volksrepublik zu untersuchen.

Die meisten amerikanischen und argentinischen Maisproduzenten verwenden Gentechnologien, erklärte Kevin Eblen, Regionalchef für Nordasien bei Monsanto und Präsident von Monsanto China. "Wir arbeiten daher daran, die entsprechenden Genehmigungen auch in China zu erhalten", erzählte er. Um die Samen den speziellen Gegebenheiten Chinas anzupassen, eröffnete der Konzern letzten Dezember ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum in China und begann, mit mehreren chinesischen Forschungsinstituten zusammenzuarbeiten. "Wir arbeiten hier in China daran, die besten Produkte für Chinas Erde, Klima und Umweltkonditionen zu entwickeln", so Eblen. Er wollte zwar keine Zahlen zu Monsantos Marktanteil in China nennen, doch der globale Umsatz des Unternehmens beläuft sich auf ungefähr 8,7 Milliarden Euro. China sei aber der führende Wachstumsmarkt für Monsanto, versicherte er. "Heute ist China noch ein relativ kleiner Markt für uns, aber die Landwirtschaft hier bietet offensichtlich Potential, besonders für die Pflanzenarten die wir anbieten, so beispielsweise für Mais, Gemüse und Baumwolle", erklärte er.

Resistente Pflanzen. Unternehmen wie Monsanto entwickelten Pflanzenarten mit extrem hoher Dürretoleranz. Wissenschaftler fordern aber, dass Chinas Agrarforschungsinstitute aufholen und eigene Antidürregetreide entwickeln sollten, um die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern. "Derzeit bekämpfen wir Katastrophen wie Dürren oder Fluten nur passiv wenn sie auftreten, was keine nachhaltige Lösung darstellt", erklärte Wang Ren, Direktor der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung.

Er gab zu bedenken, dass der Klimawandel die Unsicherheit erhöhe und es daher wichtig sei, dass China schnell eigene Antidürrepflanzen entwickelt, sowohl Konventionelle wie auch genetisch Manipulierte. Die Nahrungsversorgungssicherheit des Landes könne nur durch eine Erhöhung des Agrartechnologieniveaus verbessert werden. "Genetische Manipulation ist eine mögliche Technologie, aber ihre Entwicklung muss innerhalb des chinesischen Qualitäts- und Sicherheitssystems erfolgen. Alle möglichen Szenarien sollten innerhalb dieses Grundsatzes entwickelt werden", warnte er.

China muss vorsichtig untersuchen, welche Produkte in den nächsten 15 Jahren benötigt werden, wenn es in Agrartechnologien investiert, forderte Fan Shenggen, Generaldirektor des Forschungsinstitutes für internationale Nahrungsmittelgesetze in Washington. Faktoren wie der Klimawandel und veränderte Wasserressourcen dürfen nicht vergessen werden, wenn man neue Pflanzenarten entwickelt, so Fan. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace zeigten sich seit längerem besorgt über die Verbreitung genmanipulierter Nahrungsmittel. Besonders in Japan und Europa sind diese äußerst umstritten.

Im Februar beschloss die indische Regierung, den Zulassungsentscheid für Monsantos genmanipulierte Auberginensamen in Indien zu vertagen. Die Genehmigung wurde verschoben, da sich viele vor einem möglichen Monopol fürchteten und Angst hatten, dass das Produkt die Gesundheit gefährden könnte.

Höhere Einkommen für Bauern. Fan erklärte aber, dass Gentechnologien auch viele neue Möglichkeiten böten. Sie könnten den Bauern zu höheren Einkommen verhelfen und die Kosten für die Konsumenten senken. Dennoch seien alle neuen Technologien immer auch ein Risiko. Die Wissenschaft sollte Statistiken und Berichte über alle möglichen Einflüsse auf die Gesundheit und die Umwelt bereitstellen. Die Bauern und die Konsumenten müssen als letzte Instanz in der Lage sein zu entscheiden, ob sie genmanipulierte Nahrungsmittel konsumieren wollen oder nicht, forderten Experten. Fan forderte die Regierung dazu auf, den Umweltschutz gleich von Beginn weg bei der Entwicklung genmanipulierter Nahrungsmittel sicherzustellen.

Anton Mangstl, Direktor des Büros für Wissensaustausch, Erforschung und Erweiterung der Nahrungsmittel und Agrarorganisation der USA, erklärte, dass Gentechnologie eine mögliche Entwicklungsrichtung für die Landwirtschaft sei. "Wird die Technologie weise eingesetzt, glaube ich persönlich, dass sie auf lange Sicht hin die Nahrungsversorgungssicherheit verbessern kann", sagte er. Die hohe Widerstandfähigkeit diverser Pflanzenarten kann Probleme des Ökosystems lösen, so beispielsweise die Auswirkungen von Dürren und Insektenplagen, erklärte Monty Jones, Geschäftsführer des Forums für Agrarforschung in Afrika, der 2004 den Weltnahrungsnobelpreis erhielt. "Bis jetzt sind keine ernsten Auswirkungen auf die Gesundheit bekannt. Natürlich könnte es Probleme geben, die bis jetzt noch unbekannt sind, aber das Risiko dafür ist sehr, sehr klein", erklärte er.

Befürworter und Gegner genmanipulierter Nahrungsmittel sollten aufhören zu streiten und zusammen regelmäßige Studien durchführen, jährlich oder zweijährlich. Sie sollten die Chancen und Risiken analysieren, falls es überhaupt Risiken gibt, damit sie die Menschheit aufklären können, forderte er. "Wenn man etwas nicht kennt, wie kann man es beurteilen? Man kann die Wissenschaft nicht aufhalten, aber die Entwicklungsrichtung sollte von der Gesellschaft festgelegt werden. Wir können es kontrollieren"; sagte Ajit Maru des Weltforums für Agrarforschung. Ungefähr 40 Prozent der globalen Nahrungsproduktion wird verschwendet, entweder durch Schwund oder weil sie nicht konsumiert wird. Es gibt keinen Mangel an Nahrungsmittel auf der Welt, aber es Mangelt an der Fähigkeit, Nahrung effizient zu verteilen, gab er zu bedenken.

Quelle: China Daily

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