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28. 06. 2010 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Offensivgeist setzt sich durch

Es sind nur die Fans und nicht die Fussballer, so heißt es, die sich über die Geschichte sorgen. Dennoch war am heutigen Tag sowohl im Free State-Stadion als auch in der Soccer City überall der Geist der Vergangenheit zu spüren, als Deutschland und Argentinien zwei vertrauten Gegnern jeweils erneut eine Niederlage zufügten und ins Viertelfinale in Kapstadt einzogen.

Alle Duelle zwischen Deutschland und England wecken historische Erinnerungen, und auch in Bloemfontein kam es zu einem unwillkommenen Déjà-Vu-Erlebnis für die Männer von Fabio Capello. England gewann 1966 letztmalig das Aufeinandertreffen dieser beiden Länder, und seitdem zahlt es Deutschland dem Mutterland des Fussballs zurück. Mexiko 1970, Italien 1990 und die UEFA Europameisterschaft 1996 können nun durch Südafrika 2010 ergänzt werden, wo England die höchste WM-Niederlage seiner Geschichte einstecken musste.

Die Partie wurde im Vorfeld als das Aufeinandertreffen von Deutschlands Jugend und Englands Erfahrung tituliert, und erstere setzte sich ohne jeden Zweifel durch. England fand zu keiner Zeit eine Antwort auf das schnelle und clevere Passspiel der Elf von Joachim Löw, wie spätestens beim Doppelpack von Thomas Müller offenbar wurde, der zwei blitzschnelle Gegenangriffe zum höchsten Sieg gegen diesen historischen Rivalen abschloss. Während England sich nun Gedanken darüber machen muss, warum es in der K.o.-Runde des weltweiten Gipfeltreffens außerhalb der Heimat noch nie gegen eine der Fussball-Großmächte gewonnen hat, dürfte Mexiko sich hingegen darüber den Kopf zerbrechen, wie es jemals über das Achtelfinale hinauskommen will.

Nur ein einziges Mal, als Gastgeber der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, ist dies den Azteken gelungen, und ähnlich wie für England weckte auch die Niederlage gegen Argentinien vertraute Erinnerungen, denn 2006 war für Mexiko ebenfalls gegen diesen Gegner im Achtelfinale Schluss. Im Gegensatz zu jenem hart umkämpften Duell, das Argentinien erst nach Verlängerung gewann, war die diesjährige Partie von Beginn an fest in der Hand der Männer von Diego Maradona, die mit einer 2:0-Führung in die Pause gingen. Carlos Tevez gelang mit dem spektakulärsten Treffer des Tages noch das 3:0, bevor Javier Hernandez verkürzte und seinem Team noch für einen kurzen Moment Hoffnung gab.

Lionel Messi wartet zwar nach wie vor auf seinen ersten Treffer, dafür übernahm sein Mannschaftskamerad Gonzalo Higuain die alleinige Führung in der Torschützenliste. Sein 2:0 im Soccer City-Stadion war das vierte Tor im laufenden Wettbewerb und brachte ihn ein weiteres Stück näher an den adidas Goldenen Ball. Auch als Mannschaft setzte sich Argentinien mit insgesamt nun zehn Toren - eines mehr als Deutschland - an die Spitze aller Teilnehmer. Angesichts dieser Statistik verspricht das kommende Aufeinandertreffen am kommenden Samstag, welches passender Weise eine Neuauflage des Berliner Viertelfinales 2006 ist, das Deutschland nach Elfmeterschießen gewann, ein spektakuläres Ereignis zu werden. Argentinien wird nach Revanche streben, doch England kann aus eigener leidvoller Erfahrung berichten, dass es nicht so einfach ist, alte Geister zu verscheuchen, wenn die Deutschen in der Nähe sind.

Ergebnisse

Deutschland – England 4:1

Argentinien – Mexiko 3:1

Tor des Tages

Argentinien – Mexiko 3:0, Carlos Tevez (52.) Nachdem er den Ball einige Meter vor der Strafraumgrenze bekommen hatte, versuchte der argentinische Stürmer, ihn genau zwischen zwei Verteidigern hindurch zu schießen. Doch die Kugel prallte von einem Verteidiger zurück und kam wieder zu Tevez. Bei seinem zweiten Versuch setzte er nicht auf Raffinesse, sondern jagte mit Gewalt einen unhaltbaren Schuss in den Winkel des von Oscar Bravo gehüteten Tores.

Denkwürdiger Moment

Frank Lampard gab bei der WM-Endrunde 2006 die meisten Torschüsse ab, blieb aber ohne Torerfolg. "Erfolg und Misserfolg sind auf diesem Niveau nur um Haaresbreite voneinander entfernt", schrieb Lampard in seiner Autobiografie. Heute in Bloemfontein war es allerdings eher eine Lattenbreite. Ein Schuss von Lampard knallte an die Unterkante des Querbalkens und sprang hinter Torhüter Manuel Neuer auf, doch Schiedsrichter Jorge Larrionda sah den Ball nicht hinter der Linie. Später jagte Lampard die Kugel bei einem Freistoß erneut an die Latte, als England druckvoll auf den Ausgleich drängte. Doch der Mittelfeldspieler, der für den FC Chelsea mit schöner Regelmäßigkeit trifft, scheint auf der größten Fussballbühne der Welt einfach kein Glück zu haben.

Zitat des Tages

"Die wichtigsten Spiele sind immer etwas Besonderes. Das sind die K.o.-Spiele, da sind die Deutschen immer da. Wir haben von hinten bis vorne eine gute Leistung gezeigt und auch in dieser Höhe verdient gewonnen. Nach diesem Spiel ist die breite Brust erstmal da. Wir wissen, was wir drauf haben und wollen noch drei Spiele dableiben."

Lukas Podolski (Spieler, Deutschland)

Fakt des Tages

15 – Deutschland ist mit dem Sieg gegen England zum 15. Mal in Folge ins WM-Viertelfinale eingezogen. Außerdem gab es bislang im Achtelfinale 15 Tore. Damit gab es in den ersten vier Partien bereits so viele Tore wie in allen Achtelfinalspielen 2006.

Quelle: FIFA

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