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"Das China-Rätsel"

german.china.org.cn          Datum: 20. 05. 2008

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Chinas wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren, seit das Land 1978 seine wirtschaftliche Reform und Öffnung zur Außenwelt begann, wird von Menschen in der ganzen Welt oft als "Rätsel“ bezeichnet. Die Lösung dieses Rätsels liegt in der Realität Chinas und in der Weltgeschichte.

Im Winter 1991 wurde an den ländlichen Mittelschulen in der bergigen Region im Nordwesten der Provinz Anhui jeden Morgen um exakt 6.30 Uhr ein ganz bestimmtes Lied über die Lautsprecher abgespielt. Das Lied heißt "Rote Sonne", hat einen stark propagandistischen Inhalt und rühmt den späten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, Mao Zedong. Seit der Veröffentlichung des Liedes sind viele Jahre vergangen, aber es klingt immer noch heiter, gefällig und rein. Von diesem Lied begleitet standen damals die Schüler im Teenageralter auf und gingen sich zum Unterricht.

Von einem historischen Blickwinkel viele Jahre nach 1949 aus betrachtet, waren früher die meisten der beliebten Lieder, solche mit starkem politischen Beigeschmack. Sie alle hatten verschiedene Themen gemein – den Ruhm der Befreiung des Landes, die neu geborene Nation, Errungenschaften die erreicht wurden und die Taten der Führer. Das Schicksal dieser Texte war eng mit dem der Machthaber verbunden. Beliebt waren sie zum einen aufgrund des Charms der Musik. Zum anderen drückten sie aber auch ein allgemeines gesellschaftliches Gefühl der Zeit aus. Außerdem benötigte China damals ein einheitliches soziales Gefühl, daher förderte und unterstützte das Land die Beliebtheit dieser Lieder.

Nach 1978, als Chinas Wirtschaftsreformen und die Öffnung des Landes begannen, ersetzten zahllose neue Stimmen diese Lieder. So sang zum Beispiel die berühmte taiwansche Sängerin Teresa Teng viele ihre Texte auch auf Mandarin. Obwohl manche Menschen ihre Lieder anfänglich als vulgär, profan oder sogar "pornografisch" kritisierten, verzauberte ihre süße Stimme dennoch viele Chinesen.

Die Rückkehr der alten Lieder im Jahr 1991 war nach Ansicht zahlreicher Beobachter des zeitgenössischen China ein bemerkenswertes Ereignis. Das Lied von der Roten Sonne drückte Erinnerungen an den Vorsitzenden Mao aus. Alle Beobachter stimmten überein, dass diese Erinnerung an Mao darauf hinwies, dass die Menschen mit ihrer gegenwärtigen Situation unzufrieden waren. Sie verlangten nicht länger nach tiefgreifenden und radikalen Reformen.

Die zwei fehlenden Jahre

Bei Gesprächen über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas in den vergangenen 30 Jahren denken die Menschen zuerst an 1992 und nicht an 1978, schreibt die Shanghaier Zeitung Xinmin Weekly. Dies liegt daran, dass der späte chinesische Führer Deng Xiaoping zwischen dem 18. Januar und dem 23. Februar 1992 einige Städte - Wuchang, Shenzhen, Zhuhai und Shanghai - in Ost- und Südchina besucht hatte. Außerdem hatte er eine bedeutende Rede zu dem Fortschritt der Reformen in China gehalten. Dengs Rede spielte für das Vorantreiben der wirtschaftlichen Reformen und des sozialen Fortschritts im China der 1990er Jahre eine Schlüsselrolle.

Nicht lange vor den Besuchen Dengs, am 26. Dezember 1991, hatte sich der Oberste Sowiet getroffen und formell die UdSSR aufgelöst. Ironischer Weise war dieser Tag auch der hundertste Geburtstag Mao Zedongs. Der Zusammenbruch der Sowjetunion, Maos einhundertster Geburtstag, die Beliebtheit des Liedes Rote Sonne gemeinsam mit Dengs Besuch in Südchina gab den Menschen ein besonderes Gefühl, dass die 1980er Jahre zu Ende gegangen waren. Vom Gefühl der Menschen her, begannen die 1990er Jahre nicht 1990 sondern 1992. Es schien als hätte das Land zwei Jahre verloren: 1990 und 1991.

Im vergangenen Jahr hat die chinesische Autorin Zha Jiangying ein Buch mit dem Titel "Interviews mit bekannten Persönlichkeiten aus den 1980ern" veröffentlicht. In dem Vorwort zu ihrem Buch schreibt Zha: "Eine amerikanische Freundin hat mich einmal gefragt, warum ich soviel Zeit darauf verwende, ein Buch über diese Jahre zusammenzustellen und zu veröffentlichen. Ich habe ihr ohne Zögern geantwortet, dass die 1980er Jahre in China eine romantische Zeit waren, so wie die 1960er in deinem Land." Ihre amerikanische Freundin sei von diesem Vergleich überrascht gewesen. Zha antwortete darauf: "Die 1960er Jahre waren in den USA ohne Zweifel eine romantische Periode, in der besondere Ereignisse der amerikanischen Geschichte vorgekommen sind. Die Jahre waren von Idealismus, radikaler Selbstkritik und Lernen aus Asien geprägt. Genauso war die kulturelle Hauptströmung in den 1980er Jahren in China, geprägt von Idealismus, radikaler Selbstkritik und Lernen vom Westen."

Zha sagt, dieser Vergleich helfe ausländischen Lesern, schnell zu verstehen, worüber sie und ihre Interviewpartner sprechen, obwohl dieser Vergleich eigentlich zu stark vereinfacht sei. Aber weder sie noch ihre Interviewpartner hätten die Absicht, die Geschichte der Periode vor über 20 Jahren zu romantisieren.

In den ersten zehn Jahren seit dem Beginn der Reformen 1978, waren die Menschen begeistert über die Veränderungen, die die Reformen mit sich brachten. Die Gesellschaft machte große Umwälzungen durch. Die Veränderungen waren so groß, dass sich einige Leute benommen fühlten und sie die ersten Jahre der 1990er als schrecklich trist und beklemmend empfanden. Aus diesem Grund betrachten sie die beiden Jahre als "verloren".

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Quelle: german.china.org.cn

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