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"Das China-Rätsel"

german.china.org.cn          Datum: 20. 05. 2008

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Ein neuer Anfang

Die dritte Plenarsitzung des elften Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die vom 18. bis zum 22. Dezember 1978 stattfand, ist ohne Zweifel von historischer Bedeutung für die Geschichte Chinas. Kenner der Parteigeschichte vergleichen dieses Treffen mit dem Treffen von Zunyi, welches die Geschichte der KPCh verändert hat. Die Sitzung dauerte nur fünf Tage, wurde aber in den folgenden 30 Jahren millionenfach zitiert.

Die Struktur der zentralen Macht der KPCh unterlief nach dem Ableben Maos im September 1976 eine historische Veränderung. Vom 10. November bis zum 15. Dezember 1978 hielt die KPCh eine zentrale Arbeitskonferenz ab, um die dritte Plenarsitzung vorzubereiten. 212 führende Vertreter der KPCh wohnten der Sitzung bei, auf der Deng eine Grundsatzrede hielt: "Das Denken befreien, die Wahrheit in den Tatsachen suchen und den Blick geeint in die Zukunft richten." Die dritte Plenarsitzung des Zentralkomitees der KPCh bestätigte Dengs Führerschaft und die Politik der Reform und Öffnung. Viele Jahre später wurde diese Sitzung als der Beginn der "Deng Xiaoping Ära“ bezeichnet. Betrachtet man das Ausmaß und die Tiefe mit der Deng die Geschichte beeinflusst hat, dann ist das Lob nicht übertrieben. Außerdem gibt es für diese Bezeichnung noch einen anderen Bezugspunkt, die "Mao Zedong Ära", die von 1949 bis 1976 dauerte.

Das Jahr 1978 war der Ausgangspunkt einer neuen Ära. Es war ein Meilenstein für den Reform- und Öffnungsprozess Chinas. Es war nicht nur einzigartig, weil das Jahr nach der Sitzung millionenfach erwähnt wurde, sondern auch weil die Ereignisses des Jahres einige Dinge in China "richtig gestellt" haben.

Der chinesische Ausdruck für "Dinge richtig stellen" wurde von einem chinesischen Sprichwort abgeleitet und hatte in der damaligen Zeit eine besondere Bedeutung: die Korrektur der ultralinken Denkrichtung. Heute sind viele junge Menschen mit dieser Redewendung nicht mehr vertraut, da sie die Geschichte nicht kennen, aber vor 30 Jahren war sie für die meisten Menschen inspirierend. Sie bedeutete, dass die Wirtschaft, aber auch das soziale und politische Leben wieder ins Gleis gebracht werden würden. Historiker zitieren diese Redewendung oft. Sie übersetzten sie häufig in dem Sinne, dass die "Kulturrevolution" (1966 – 1976) ein Fehler war, als "aufwachen und eine Gefahr im letzten Moment abwenden".

Seit Oktober 1976, als die Viererbande zerschlagen wurde, bis zur Eröffnung der dritten Plenarsitzung des elften Zentralkomitees der KPCh im Dezember 1978 konnten über 4600 Amtsträger, die durch die "Kulturrevolution“ gestürzt worden waren, wieder in ihre Posten zurückkehren. Seit dem wurden mit stürmischer Energie eine große Zahl von ungerechten, falschen und abwegigen Fällen, in die Millionen von Menschen verwickelt waren, wieder gut gemacht. Die Würde und Ehre von vielen Menschen wurde wieder hergestellt. Die kategorisierten Klassenunterschiede wurden aufgehoben. Viele Menschen, denen vorgeworfen worden war, künstlich konstruierten feindlichen Klassen anzugehören, wurden befreit. Durch diesen Sturm wurden die politischen Rechte der Bürger wieder hergestellt. Er dauerte bis 1982.

Die chinesische Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren beruht auf diesem befreienden Sturm. Die Kraft, die durch diesen Sturm freigesetzt wurde, war so stark, dass sie die Entwicklung Chinas wie ein Rätsel erscheinen ließ.

Das China Rätsel

Von 1978 bis 2006 stieg die chinesische Wirtschaftsleistung um das 58fache von 364,5 Milliarden Yuan auf 21,09 Billionen Yuan. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt ist seitdem um 9,8 Prozent jährlich gestiegen.

Die Menschen mögen unterschiedliche Ansichten über die Muster von Wohlstandswachstum und -verteilung und die Kosten für das Wachstum haben, aber niemand wird die Tatsache verleugnen können, dass der soziale Wohlstand in China durch das Wirtschaftswachstum in den letzten 30 Jahren stark zugenommen hat. Das Wirtschaftswachstum hat die chinesische Wirklichkeit verändert und beeinflusst Lebensstil und Werte der Chinesen.

Einige fragen: Wie konnte das passieren? Das wirtschaftliche "China Rätsel" hat viele Ökonomen jahrelang beschäftigt. Personen, die versuchen, das Rätsel zu lösen, kommen immer zu dem selben Ergebnis, das als Schlüssel für 30 Jahre erfolgreicher Reformen in China gilt: Rückzug der Regierungskontrolle aus den Wirtschaftssektoren. Die Regierung hatte realisiert, dass sie weder ausreichend wirtschaftlich orientiert noch pragmatisch genug ist, um Pläne für alle Unternehmen zu entwerfen, sie mit Rohstoffen zu versorgen und ihre Produktion sowie ihr Marketing zu kontrollieren.

Im Verlauf dieses Rückzugs hatten zwei Ereignisse weitreichende Auswirkungen. Beide wurden zu bedeutenden Bestandteilen des "China Rätsels“. Ein Ereignis war, dass sich China von einem Land mit einer Knappheit an Konsumartikeln in ein Land mit einem Überschuss an Konsumartikeln verwandelte. Das andere Ereignis ist, dass die chinesische Wirtschaft schnell wächst und die Wirtschaftsleistung des Landes rapide zunimmt. Im Jahr 2006 hat China Großbritannien eingeholt und lag in Bezug auf seine Wirtschaftsaggregate weltweit auf dem vierten Platz hinter den USA, Japan und Deutschland. Der Historiker Zhu Xueqin sagte Ende 2007 in einer Rede, dies sei ein historischer Moment gewesen, der vernachlässigt worden sei. Seine Worte erinnerten viele Menschen an die 1950er Jahre, als die Zentralregierung das Land, das unter den Bauern verteilt worden war, wieder zentralisierte, um Volkskommunen aufzubauen und diese für die Stahlproduktion zu organisieren. Diese Maßnahmen fanden unter einer Parole statt, die ältere Menschen heute sagen würden, ohne darüber nachzudenken: "mit Großbritannien gleichziehen und die USA einholen." Um mit den ältesten und stärksten kapitalistischen Ländern gleichzuziehen, mobilisierte die Zentralregierung alle verfügbaren Ressourcen, aber die Dinge entwickelten sich entgegen ihren Wünschen. Ironischerweise wurden viele der Ziele, die damals so unerreichbar wirkten, in den vergangenen 30 Jahren unbeabsichtigt realisiert.

In den 1980er Jahren wurden die Reformen immer als eine "Dezentralisierung der Macht" beschrieben, aber die Dezentralisierung der Verwaltungsmacht in wirtschaftlichen Sektoren ist nicht einfach. Sie ist eher als ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Kräften zu beschreiben.

Das "China Rätsel“ hätte mehrfach noch in seinen "Kinderschuhen" zu Ende gehen und zu einer traurige Geschichte werden können. Es gab viele Faktoren, die eine Dezentralisierung der Macht behinderten. Das größte Hindernis aber waren die Funktionäre an der Macht, die nicht die Vorteile aufgeben wollten, die ihnen eigentlich gar nicht zustanden. Dank der Südchinareise Deng Xiaopings und seiner Grundsatzrede konnten auf einmal wirtschaftspolitische Maßnahmen schnell umgesetzt werden, über die in den 1980er Jahren viel gestritten worden war und von denen man erwartete, dass sie zu ernsten sozialen Konsequenzen führen. Nach dem in Folge der Reform der staatseigenen Unternehmen das Problemen der Massenarbeitslosigkeit entstanden war, wurden die Diskussionen in der Mitte der 1990er Jahre über Themen wie wirtschaftspolitische Kontrolle weitergeführt. Aber das Ausmaß und die Tiefe der wirtschaftlichen Reformen blieb im Verhältnis zu den Reformen der 1980er Jahre ohne gleichen.

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Quelle: german.china.org.cn

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