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"Das China-Rätsel"

german.china.org.cn          Datum: 20. 05. 2008

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Die Rückkehr der Verwaltungsmacht

"Einige Leute sagen, dass Reform und Öffnung eine besondere Politik Chinas seien. Aber das stimmt nicht", sagt Zhang Letian, Wissenschaftler und Autor des Buchs Abgesang auf den Idealismus: Eine Studie über das System der Volkskommune. Zhang ist der Ansicht, das jedes normale, hoch motivierte Land einen Schwerpunkt auf Reform und Öffnung legen würde, nicht bloß China. In dieser Hinsicht unterscheide sich die Reform in China aber von den Reformen in anderen Ländern, da China aufgrund seiner Geschichte ein völlig anderes Erbe mitbringe. Zwei der Erbschaften haben einen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den vergangenen 30 Jahren ausgeübt. Die eine ist Chinas Landsystem. Die andere ist das System der hoch zentralisierte Verwaltungsmacht, die nahezu jeden Aspekt des Lebens der Chinesen durchdringt.

Fuhr man nach 1992 mit dem Zug von Shanghai nach Ningbo, zwei Städte die nahe beieinander in Ostchina liegen, dann konnte man auf beiden Seiten entlang der Eisenbahnstrecke nur wenig Reisfelder sehen, aber hunderte von unfertigen Baustellen. Die Region ist in der chinesischen Geschichte schon seit jeher für ihren Wohlstand bekannt. In ehemaligen Reisfeldern wurden hier Lagehäuser und Fabriken errichtet, darunter auch viele Produktionsstandorte in die Geschäftsleute aus den USA, Europa, Japan oder von der anderen Seite der Taiwanstraße investiert haben. Die Stadt dehnt sich weiter entlang der Grenzen dieser Standorte aus. Diese "endlose Baustelle" zwischen Shanghai und Nanjing ist ein typischer Mikrokosmos in Ostchina.

Industrialisierung und Verstädterung haben aus Bauern, die zuvor von der Feldwirtschaft lebten, Fließbandarbeiter gemacht. Dieser Prozess hat darüber hinaus auch eine große Zahl an Arbeitern aus Zentral- und Westchina absorbiert. Die Politik, das Land dem Staat gehört und die Politik der Beschlagnahmung von Land, war eine institutionelle Unterstützung für den Aufbau von Infrastruktur und die Expansion der Industrie und der Städte.

In der ersten zwei oder drei Jahren des 21. Jahrhunderts haben einige große staatseigene Betriebe strategische Strukturreformen beendet und begonnen Gewinne zu machen und sozialen Wohlstand anzusammeln. In den ersten 20 Jahren der Reform haben sich Staat und Verwaltung aus den meisten Wirtschaftssektoren zurückgezogen, aber in den letzten 10 Jahren sind sie durch Handel und Investitionsförderung sowie große staatseigene Unternehmen zurückgekehrt. Dieses Phänomen könnte sich als der schwierigste Teil des "China Rätsels" herausstellen.

Sonderwirtschaftszonen und das Dual-Track-System

Der reizvollste Teil des "China Rätsels" liegt in einige prägnanten Redensarten wie "Lasst einige Menschen und einige Regionen zuerst reich werden“, "Es ist egal, ob eine Katze schwarz ist oder weiß, Hauptsache sie fängt Mäuse", "Um einen Fluss zu überqueren, muss man nach den Steinen auf seinem Grund tasten" oder "Niemals diskutieren, sondern handeln". Diese Aussprüche stammen alle von Deng Xiaoping und zeugen von seiner politischen Weisheit. Sie verkörpern die Politik, die in den vergangenen 30 Jahren Chinas Reformen gelenkt und gefördert hat.

"Ein zentrales Ziel, zwei grundlegende Punkte" ist ein typischer Ausdruck dieser Reformpolitik und bedeutet, dass die soziale Stabilität erhalten werden soll, während man versucht sich auf die wirtschaftliche Entwicklung zu konzentrieren und ideologische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Im Vergleich zu den schwierigen 80er Jahren gab es in den 90er Jahren nur ein einziges prägnantes Thema: am Bruttoinlandsprodukt orientiertes Wirtschaftswachstum. Ein Modell für das Vorantreiben der Reformen gab es: bevor eine wirtschaftspolitische Maßnahme gefördert oder zu einer landesweiten Maßnahme ausgedehnt wird, muss zuerst ein Pilotprogramm durchgeführt werden, um die betroffene Maßnahme zu erproben. Dieses Modell ist die Fortsetzung des Modells der "Sonderwirtschaftszone“ und des "Dual-Track-Systems", zwei in den 1980er Jahren sehr beliebte Modelle.

Die beiden Modelle hatten sich in den 1980er Jahren aus der Erfahrung mit den Reformen herauskristallisiert und wurden in den 1990er Jahren stark gefördert und angewendet. Genau genommen handelt es sich aber um zwei unterschiedliche Namen für ein und dasselbe Modell: die Ermöglichung der Existenz zweier unterschiedlicher wirtschaftlicher und sogar politischer System in einem Land. Die ursprüngliche Intention war experimenteller Natur, aber der wahre Grund ist, der Vergleich der zwei Systeme und die Abfederung jedweder durch die Reformen ausgelöster Schocks, die sich auf die bestehenden Systeme auswirken könnten.

So wurden zum Beispiel experimentelle Reformen der Steuern und Verwaltungsgebühren in ländlichen Gegenden und die kostenlose Pflichtschulbildung erprobt, bevor sie landesweit umgesetzt wurden.

"Sonderwirtschaftszonen" und das "Dual-Track-System" konnten als Teil einer speziellen Politik eingeführt werden, wie zum Beispiel dem dualen Preissystem. Die Regierung und nicht der Markt regulierte Preise von wichtigen Ressourcen wie Wasser, Öl und Gas. In den vergangenen 20 Jahren verbreiteten sich "Sonderwirtschaftszonen“ und das "Dual-Track-System" immer mehr. 1993 wurde Pudong zur Sonderzone. Die Zone Pudong förderte die Entwicklung von Shanghai und sogar des ganzen Jangtsedeltas. Dies ist eins der wichtigsten Ergebnisse von Dengs Reise.

Sie haben auf verschiedene Aspekte des Lebens der heutigen chinesischen Bürger Einfluss. Außerdem bieten sie eine gute Erklärung für die systematischen Besonderheiten des "China Rätsels".

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Quelle: german.china.org.cn

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