Meerjungfrauen in chinesischen Märchen
Eine Meerjungfrau mit vier Beinen in einem chinesischen antiken Bild.
Die Meerjungfrau, ein Film, bei dem der Hongkonger Filmemacher Stephen Chow Regie führte, hat seit seiner Premiere am 8. Februar bereits viele chinesische Kinokassen-Rekorde gebrochen. In dem Film erzählt eine alte Meerjungfrau die Geschichte eines Mannes namens Zheng, der vor 600 Jahren mehrere Meerjungfrauen gerettet haben soll.
Dieser Zheng mag eine erfundene Figur sein, doch Beschreibungen und Zeichnungen von Lebewesen, die halb Mensch, halb Fisch sind, gibt es in China schon seit der Antike.
Im Shan Hai Jing, einem uralten chinesischen Text, der mindestens bis auf das vierte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung (v.u.Z.) zurückdatiert werden kann, findet sich die erste Beschreibung einer Meerjungfrau, welche dort als lingyu oder renyu bezeichnet wird. Dort heißt es: "Lingyu haben ein menschliches Gesicht und den Körper eines Fisches. Sie leben im Meer." Laut dem Text gibt es neben den lingyu allerdings noch andere Arten von Meerjungfrauen, darunter die chiru, die diren und die huren. In einem Karpitel werden die Meerjungfrauen als Wesen dargestellt, deren Stimme sich wie die eines schreienden Babys anhört und die vier Füße haben. Darüber hinaus sollen einige der Meerjungfrauen unsterblich sein.
He Bo (oder Feng Yi), der Gott des Gelben Flusses, kommt in vielen chinesischen Märchen vor – und wird als Mann mit einem halb menschlichen, halb fischartigen Körper beschrieben. Im Shi Zi, einem Text aus dem vierten Jahrhundert (v.u.Z.), steht geschrieben, dass Da Yu versuchte, die großen Überschwemmungen entlang des Gelben Flusses zu beenden. Ein Mann mit einem feenhaften Gesicht und dem Körper eines Fisches erschien ihm, gab ihm ein Buch über den Fluss – und verschwand wieder.
Im Sou Shen Ji, einem anderen chinesischen Text aus der Ming-Dynastie (1368-1644), werden Meerjungfrauen als jiaoren beschrieben, die im Südchinesischen Meer leben sollen.Ihre Tränen verwandeln sich in Perlen, und die von den jiaoren produzierte Seide wird jiaoxiao oder jiaosha genannt – ein Wort, das in vielen alten chinesischen Gedichten und anderen Texten auftaucht. Im chinesischen Klassiker Traum der Roten Kammer beschreibt eine der Hauptfiguren, Ling Daiyu, die ihm von Jia Baoyu (einer anderen Hauptfigur) gegebenen Handschuhe als aus jiaoxiao hergestellt.
Die Meerjungfrauen, von denen Lin Kun (Yuan-Dynastie, 1271-1368) in seinem Cheng Zhai Za Ji berichtet, sehen hingegen eher wie Menschen aus. Sie werden als schöne Frauen mit elfenartiger, samtweicher Haut und sehr langem Haar beschrieben – und ohne jegliche fischartige Merkmale.
Nie Huang, ein Biologe aus der Qing-Dynastie (1644-1911) erwähnt die Meerjungfrauen in seinem Werk namens Hai Cuo Tu. In Nies Texten haben die Meerjungfrauen zwei Geschlechter, schwarze Haut und blonde Haare sowie Hände und Füße mit Schwimmhäuten. Ihre Augen, Münder und Nasen sind wie die normaler Menschen. Anders als die anderen genannten Meerjungfrauen haben diese jedoch rote Flügel auf ihren Rücken.
Im Liao Zhai Zhi Yi, einem berühmten Roman von Pu Songling (Qing-Dynastie), wird eine gutmütige Meerjungfrau namens Bai Qiulian beschrieben. Bai verwandelt sich in einen Menschen und heiratet den Sohn eines Geschäftsmannes. Doch von Zeit zu Zeit muss sie in den See zurückkehren, um "frisch" und gesund zu bleiben.












