Xinjiang: Lavendelanbau bringt Geld und Touristen

03.06.2016

In den Basaren des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang stößt man überall auf eine luftgetrocknete violette Pflanze, die einen aromatischen Duft verströmt. Es handelt sich um Lavendel. Für die meisten ist diese Pflanze untrennbar mit der französischen Provence verbunden. Nur wenige wissen, dass der Lavendelanbau auch im Kasachischen Autonomen Bezirk Ili in Xinjiang weit verbreitet ist.


Lavendelfeld in Keqinguer im Kreis Huocheng

Der Lavendel stammt ursprünglich aus den Küstenregionen des Mittelmeerraums. In den 1960er Jahren wurde er auch nach China eingeführt. Nach einigen Versuchen konnte eine spezielle Sorte gezüchtet werden, die an die chinesischen Bedingungen angepasst ist. Das Ili-Flusstal und die Provence liegen auf demselben Breitengrad und haben ein ähnliches Klima, daher entwickelte sich das Flusstal zum wichtigsten Anbauort für Lavendel in China. Nach offiziellen Angaben werden hier rund 95 Prozent der landesweiten Produktion geerntet. Besonders erfolgreich ist die Lavendelplantage Keerguqin im Kreis Huocheng.

„Auch in Shanghai, Guangdong und Sichuan im Süden Chinas wird Lavendel angebaut“, erzählt Li Hongwang, Kreisbeamter aus Huocheng, doch nur der Lavendel aus Ili könne zur Herstellung von ätherischen Ölen genutzt werden und damit auch wirtschaftlich profitabel sein.

In Keerguqin werden drei Lavendelsorten und 50 Gartenpflanzen wie Kamille oder Damaskus-Rosen angebaut. Auf insgesamt 7000 mu (rund 466 Hektar) Lavendel angepflanzt, der für seine besondere Qualität bekannt ist. Eine Fläche von 30 mu (2 Hektar) ist der Auswahl und Verbesserung des Lavendelsaatguts vorbehalten.

Die Lavendelfelder seien nicht nur ein romantischer Anblick, sondern würden auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region vorantreiben, erklärt Li Hongwang. Neben dem Vertrieb von Lavendelprodukten wie ätherischen Ölen, Kosmetikartikeln und Honig ziehen die blühenden Lavendelfelder jedes Jahr zahlreiche Touristen an und fördern den Landtourismus.

Ende Mai strömen zehntausende Besucher nach Huocheng, um das violette Blütenmeer zu bewundern. Darauf hat sich der Kreis mit diversen Angeboten für die Touristen eingestellt. Sie können den Lavendel aus der luftigen Höhe eines Heißluftballons bestaunen oder auf einem Holzsteig an den Lavendelfeldern entlang wandern. Für längere Aufenthalte stehen Bauerhäuser, Campingplätze oder traditionelle kasachische Zelte bereit. Ganz nebenbei können die Besucher noch die kulinarischen Spezialitäten von Xinjiang entdecken.

Nach Angaben von Li Hongwang dürfen die Lavendelfelder nicht für andere Zwecke genutzt werden. Die Bauern profitieren von dieser Regelung. Jeder Bauer, der sein Land an die Lavendelplantage Keerguqin verpachtet, kann sein Jahreseinkommen um rund 3000 Yuan erhöhen.

„Als vor einigen Jahren die Idee aufkam, den Lavendelanbau wirtschaftlich zu nutzen, um den Wohlstand in der Region zu erhöhen, zweifelten viele daran. Aber heute ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden“, sagt Li Hongwang mit einem Lächeln. „Der Lavendelanbau trägt nicht nur zur Verbesserung der Lebensbedingungen bei, sondern auch zum Schutz der Umwelt. Mittlerweile sind Wildenten hier zu einem häufigen Anblick geworden. “

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Quelle: Beijing Rundschau

Schlagworte: Xinjiang,Lavendel