Merkels China-Besuch

Eine Beziehung der besonderen Art Exklusiv

06.06.2016

von Leo Tiemeyer, Beijing

Die deutsche Bundeskanzlerin kommt zum neunten Mal nach China: Die intensiven Wirtschaftsbeziehungen beider Länder stehen dieses Mal im Mittelpunkt.

Eine Beziehung der besonderen Art

Die Beziehungen zwischen China und Deutschland sind so intensiv wie lange nicht: Acht mal war die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) während ihrer Amtszeit auf Staatsbesuch in China. In wenigen Tagen kommt sie zum neunten Mal in die Volksrepublik. Nur in wenigen Ländern ist sie so häufig gewesen.

 

In der deutschen Botschaft und in Chinas Außenministerium laufen die Vorbereitungen für das Treffen zwischen Angela Merkel und dem chinesischen Ministerpräsidenten Xi Jinping auf Hochtouren. Wichtigster Verhandlungspunkt zwischen beiden Regierungschefs sind, wie auch bei vorigen Besuchen, die engen wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder.

 

China ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Asien und Deutschland ist andersherum der wichtigste Handelspartner der Chinesen in Europa. Insgesamt entfällt etwa 30 Prozent des chinesischen Handels mit der Europäischen Union auf Deutschland. Das entsprach im vergangenen Jahr einem Handelsvolumen von fast 163 Milliarden Euro. Die Importe aus China nach Deutschland stiegen im selben Zeitraum um 15 Prozent auf 91,5 Milliarden Euro - aus keinem Land importiert Deutschland mehr Waren. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind - gerade in den vergangenen Jahren - eine kontinuierliche Erfolgsgeschichte.

 

In diesem Bereich werden beide Seiten auch dieses Mal neue Vereinbarungen schließen und die Zusammenarbeit weiter intensivieren. Merkel und Xi werden von einer ganzen Entourage von Wirtschaftsbossen begleitet. So hofft beispielsweise der deutsche Flugkonzern Lufthansa auf einen Deal mit Air-China, um im Reich der Mitte weiter zu wachsen zu können. Das geht aus einem Bericht des Handelsblatts hervor. Viele weitere derartige Geschäfte werden während des Besuchs eingefädelt und zum Abschluss gebracht.

 

Die wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Verhandlungspunkte sind jedoch andere:

Die chinesische Seite wird voraussichtlich mit Deutschland - als wichtigstem Partner in Europa - über den Status der chinesischen Wirtschaft als Marktwirtschaft verhandeln. Im Dezember will die EU darüber entscheiden, ob China als Marktwirtschaft in Europa anerkannt wird. Damit würden Einfuhren nach Europa erleichtert. Dagegen gibt es in Europa Widerstände, beispielsweise von der Stahlindustrie. Über Handelspraktiken und Standards diesbezüglich werden Merkel und Xi während der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen diskutieren, um jeweils faire Bedingungen für chinesische und deutsche Unternehmen zu schaffen.

 

Die deutsche Seite wird zudem - das sagte der deutsche Botschafter Michael Clauss China.org.cn - mit China über ein Abkommen verhandeln, das deutsche Firmen vor Wirtschaftsspionage in China schützen soll.

 

Neben den wirtschaftlichen Beziehungen werden auch die politischen und kulturellen Beziehungen beider Länder Thema sein.

 

Die eigene Meinung des Autors spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.

Diesen Artikel DruckenMerkenSendenFeedback

Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Merkel,China,Xi Jinping, Lufthansa,Wirtschaftsspionage,Marktwirtschaft