Die „Wanderehe“ der ethnischen Minderheit Mosuo
Vor einigen Jahren erregten vier Tagebücher einer Frau Kontroversen, die darin ihre Reisen durch die Dörfer der Mosuo in Yunnan beschrieb. Sie flirtete dort, hatte Sex mit Mosuo-Männern und erlebte die Wanderehe am eigenen Leibe. Ihre Blogs zogen im Internet Millionen Klicks nach sich. Chinesische Netizens meinten, dass eine Frau aus einer modernen Gesellschaft nicht zu einer Wanderehe berechtigt sei, die von den Mosuo in einem primitiven Milieu praktiziert wurde, wo sie den Gebräuchen einer matriarchalischen Gesellschaft folgen. Dennoch gab es auch einige Internet-Nutzer, welche die Übernahme der Wanderehe in die moderne Gesellschaft unterstützten. Sie sagten, die Wanderehe sei eine gute Option für junge Menschen, die sich ohne wirtschaftliche Überlegungen ineinander verlieben. Zu solchen wirtschaftlichen Kriterien zählen etwa ein Haus, ein Auto und diverse Unterhaltszahlungen sowie Geschenke. Außerdem sei ein Mann in dieser Situation frei von seinen Verpflichtungen, da er die Kinder der Frau beziehungsweise der Großmutter überlässt, die in einer matriarchalischen Gesellschaft den Vorsitz in der Familie hat.
Dennoch haben Experten ihre Ablehnung signalisiert, wenn es darum geht, das Konzept der Wanderehe in die moderne Gesellschaft zu integrieren. Tao Li, ein Professor am Untersuchungszentrum für Volkskultur an Chinas Minzu Universität, sprach sich beispielsweise dagegen aus. Er sagte, dass sich die Menschheit für die Monogamie entschieden hätte. Es sei ein überzeugendes, legales System für die Ehe und stelle die Stabilität der Familien, der Klans, der Gesellschaften sicher sowie den Fortschritt der sozialen Entwicklung sicher. Monogame Ehen seien auch in den Gesetzen des Landes festgehalten. Die Gebräuche der Wanderehe würden daher in den Dörfern der Mosuo allmählich aussterben. Der Professor sagte auch, die Wanderehe sei ein Überbleibsel der primitiven, sozialen Struktur der matriarchalischen Gesellschaft. Ohne die umfassende, lokale Kultur könne sie nicht überleben. Daher würden diejenigen, welche diese Ehe mit einem One-Night-Stand in der modernen Gesellschaft verwechseln, das Verständnis für diese historische Tradition pervertieren.











