Kommentar
Washington sollte nicht mehr die Tibet-Karte spielen
Trotz der heftigen Proteste der chinesischen Regierung hat sich US-Präsident Barack Obama am Mittwoch im Weißen Haus hinter verschlossenen Türen mit dem 14. Dalai Lama getroffen.

Washington sollte nicht mehr die Tibet-Karte spielen.
Mit diesem unklugen Verhalten haben die Vereinigten Staaten das feierliche Versprechen gebrochen, die Unabhängigkeit Tibets nicht zu unterstützen. Der Schritt gefährdet die Beziehungen zwischen China und den USA ernsthaft und verletzt die Gefühle des chinesischen Volks.
Wie wir alle wissen, hat sich die US-Regierung ausdrücklich zur Ein-China-Politik bekannt und zugeben, dass Tibet ein untrennbarer Teil Chinas ist. Sie hat außerdem versprochen, die so genannte Exilregierung von Tibet nicht anzuerkennen.
Der Dalai Lama kämpft seit Jahren auf der ganzen Welt unter dem Deckmantel der Religion für die Unabhängigkeit Tibets. Dabei spielt es keine Rolle, welche charmanten oder schneidigen Worte er benutzt: sein Ziel ist stets, China zu teilen.
Die chinesische Regierung fordert deswegen alle Länder und Regierungen auf, der Agitation des Dalai Lamas keinen Raum zu bieten und nichts zu unternehmen, was das chinesische Volk erzürnen könnte.
Die Tibet-Frage betrifft Chinas Souveränität und territoriale Integrität und ist somit ein Kerninteresse Chinas. Allein mit gesundem Menschenverstand leuchtet es ein, dass eine Weigerung, den Dalai Lama zu treffen, ein Zeichen dafür ist, die Unabhängigkeit Tibets nicht zu unterstützen.
Die Obama-Regierung weiß dies nur zu gut. Trotzdem hat sie sich entschlossen, falsche Signale zu senden. Mit dem Treffen hat die US-Regierung ihre eigenen Versprechen gebrochen und die politische Glaubwürdigkeit verspielt.
Das Tête-à-Tête vom Mittwoch war bereits das vierte Treffen zwischen dem Dalai Lama und Obama, seit dieser das Amt des US-Präsidenten übernommen hat. Zweifellos hat Obama seine eigenen Gründe, den Dalai Lama vor dem Ende seiner Amtszeit im Januar 2017 noch einmal zu treffen.
Das Weiße Haus versucht einen Spagat. Auf der einen Seite bekräftigt die amerikanische Regierung feierlich, dass Tibet ein untrennbarer Teil Chinas ist. Aber der anderen Seite versucht sie den US-Hardlinern zu hofieren, indem sie sie wiederholt den Dalai Lama trifft, den spirituellen Führer einer Clique, die Tibet von China abtrennen will. Es zeigt die Borniertheit und veraltete Denkweise des Weißen Hauses, wenn dieses noch immer versucht, die Tibet-Karte zu spielen.
Die Tibet-Frage ist eine innere Angelegenheit Chinas. Kein fremdes Land hat das Recht, sich einzumischen. Die Unabhängigkeit Tibets zu unterstützen, ist eine klare Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas und eine grobe Verletzung der Normen der internationalen Beziehungen.
Das Spielen der "Tibet-Karte" zeigt, dass die US-Regierung keinen großen Wert auf ihre politische Glaubwürdigkeit und das internationale Ansehen legt. Die guten Beziehungen zwischen China und den USA sollten nicht durch eine Einmischung gefährdet werden, die ohnehin zum Scheitern verurteilt ist.
Die Vereinigten Staaten sollten ihre Aufrichtigkeit zeigen, indem sie das gegenseitige Vertrauen durch konkrete Taten steigern, indem sie die Kerninteressen und wichtigen Anliegen Chinas respektieren und indem sich keine unverantwortlichen Schritte unternehmen.











