Indonesische Massentötungen zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt

Hunderttausende, darunter viele ethnische Chinesen, fanden in den 1960er Jahren in Indonesien ein grausames Ende. Die Verurteilung dieser und anderer Verbrechen soll das Land zur Aufarbeitung bewegen.
Nachdem ein internationales Gremium von Richtern in Den Haag die Massentötungen, welche sich vor 50 Jahren in Indonesien ereigneten, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt hatte, wurde die indonesische Regierung dazu aufgerufen, sich mit diesem Teil der Geschichte auseinanderzusetzen.
Das Gericht riet der indonesischen Regierung, sich bei allen Opfern, Überlebenden und ihren Familien zu entschuldigen und sicherzustellen, dass angemessene Kompensationen und Wiedergutmachungen geleistet werden.
Zwischen 1965 und 1966 wurden zwischen einer halben bis einer Million Menschen von indonesischen Militäreinheiten, Milizen und zivilen Gruppen getötet. Die meisten der Opfer waren Kommunisten, ethnische Chinesen und Menschen, denen linksgerichtete Ansichten nachgesagt wurden. Unter dem indonesischen Staatsoberhaupt Suharto wurde das Wissen um diese Ereignise die folgenden Jahrzehnte über unterdrückt und ist bis heute ein kontroverses Thema im Land.
Der Sprecher des indonesischen Außenministeriums Arrmanatha Nasir erklärte, dass keine Pflicht bestehe, der Empfehlung des Tribunals zu folgen, da sie keine rechtlich bindende Wirkung besitze, wie Al Jazeera Online berichtete.
Nichts könne die Massaker rechtfertigen. Die Grausamkeit und das Ausmaß der Tötungen machen sie wahrhaftig zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte Zhuang Guotu, Leiter des Zentrums für Südostasiatische Studien an der Xiamen-Univeritsät, gegenüber Global Times. Seinen Nachforschungen zufolge waren mindestens 60 Prozent der getöteten Opfer ethnische Chinesen.
Aufarbeitung
Die Opfer und Zeugen, welche heute noch am Leben sind, könnten dabei helfen, solche Ausbrüche von Gewalt zukünftig zu verhindern, indem sie ihre Geschichten der Welt erzählen. Manche der Verantwortlichen an den Massakern seien heute immer noch an der Macht, meint der Koregisseur der Filme „The Act of Killing“ and „The Look of Silence“, der anonym bleiben möchte. Die beiden Dokumentationen behandeln die Ereignisse aus den 1960er Jahren aus unterschiedlichen Perspektiven und wurden 2014 und 2016 jeweils für den Oscar als „Bester Dokumentationsfilm“ nominiert.
„Als ich die Opfer interviewt habe, hatte ich stets das Ziel des Films im Kopf. Ich wollte sie für sich selbst sprechen lassen und ihren Gefühlen Ausdruck verleihen“, verrät der Regisseur. „Obwohl die Regierungspropaganda es nicht erwähnt, müssen wir anderen erzählen, was passiert ist, dass Opfer existieren und Täter durch keinerlei Gericht zur Rechenschaft gezogen wurden, während zugleich kein Umstand diese grausamen Massaker rechtfertigen kann.“
Der in Jakarta ansässige Regisseur hält seine Identität weiterhin geheim, selbst 18 Jahre nach dem Fall der indonesischen Militärregierung, da er Repressalien für seine Arbeit fürchtet.
Die unverhüllte Wahrheit
Die Richter in Den Haag listeten eine Reihe von Verbrechen auf, die während der Massaker begangen wurden, darunter Massentötungen, Inhaftierungen ohne Gerichtsverfahren, Folter und Sklaverei. Zudem finden sich auch Beweise für sexuelle Gewalt, Verbannung, Kidnapping und politische Verfolgung. Das Gericht befand zudem dass die USA, Großbritannien und Australien die Verbrechen gegen die Menschlichkeit duldeten, da sie durch diplomatische Berichte darüber unterrichtet waren.
Das Tribunal wurde im März 2014 eingerichtet und bestand aus indonesischen Exilanten, Menschenrechtsaktivisten, Forschern sowie Mitgliedern von Opferorganisationen.
Das Gremium setzte sich zusammen aus Zak Yacoob, ehemaliger Richter am Verfassungsgericht der Republik Südafrika, Shadi Sadr, ein iranischer Anwalt und Verteidiger der Menschenrechte sowie Cees Flinterman, ehemaliges Mitglied des UN-Menschenrechtsausschusses für den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte.
Die Tötungen wurden von den damaligen indonesischen Behörden damit gerechtfertigt, Teil einer antikommunistischen Säuberungsaktion zu sein, nachdem ein kommunistischer Putschversuch gescheitert war. Doch viele der ethnisch chinesischen Opfer, welche im Zuge der beiden Dokumentarfilme interviewt wurden, gaben nach Aussage des Koregisseurs an, überhaupt nicht politisch aktiv gewesen zu sein. Die Massaker haben vielen Opfern alle Hoffnung geraubt, während einige Täter sich mittlerweile die Frage stellen, ob ihre Rolle bei den Massakern moralisch gerechtfertigt war. Im Zuge dessen treten sie mit anderen Verantwortlichen in Kontakt, in einem Versuch ihre Taten zu rechtfertigen, erklärt der anonyme Filmschaffende.











