Chinesische Wissenschaftler wandeln Sand in Ackerboden um
Im Zuge einer Studie wurde mittels einer neuen Methode Sand in fruchtbaren Ackerboden umgewandelt. Die Methode wurde in der Hoffnung entwickelt, dem weltweiten Problem der Wüstenbildung zu begegnen.

Eine Gruppe von Forschern der Chongqinger Jiaotong-Universität entwickelte eine Paste aus pflanzlicher Zellulose, welche nach Beigabe zu Sand dabei hilft, Wasser, Nährstoffe und Luft zu speichern. Eine 1,6 Hektar große Sandfläche in der Ulanbuh-Wüste in der nordchinesischen Inneren Mongolei wurde so in fruchtbares Ackerland verwandelt. Auf dem Boden konnten Reis, Mais, Tomaten, Wassermelonen und Sonnenblumen angebaut werden.
In der nächsten Ausgabe der englischsprachigen Zeitschrift „Engineering“ der Chinesischen Akademie für Ingenieurwesen werden die Forschungsergebnisse der Chongqinger Wissenschaftler Yi Zhijian und des Co-Autors Zhao Chaohua veröffentlicht. Der neue Ansatz werde hoffentlich dabei helfen, Wüstengebiete in geeignete Lebensräume für Pflanzen zu verwandeln, so Yi.
Nach Schätzungen von Experten brauchen die Pflanzen im sandigen Testgebiet etwa die gleiche Menge Wasser wie in regulären Böden, aber benötigen weniger Düngemittel und weisen höhere Erträge auf.
Seit 2013 experimentieren Wissenschaftler an zwei Standorten in Chongqing mit dem Freilandanbau auf einer Fläche von insgesamt rund 550 und 420 Quadratkilometern, wo Wüstenbedingungen simuliert werden können. Die Pflanzen haben Starkregen und hohe Temperaturen – typische Klimabedingungen in Chongqing – widerstanden. Nach Ansicht der Wissenschaftler gediehen die Kulturen, darunter Reis, Mais und Kartoffeln, gut in der neu konvertierten Erde.
Um die Methode weiter zu testen, begann man im April dieses Jahres mit großflächigen Pflanzungen in der Ulanbuh-Wüste. In dieser Region fällt sehr wenig Regen. Wie die Forschungen ergaben, erwies sich der konvertierte Sand als ein idealer Lebensraum für Pflanzen mit einem starken Widerstand gegen Winderosion.
Die Paste sei ungiftig, umweltfreundlich, preiswert und geeignet für die Massenproduktion, so die Forscher. Die Kosten einer Sandkonvertierung liegen Yi zufolge zwischen 22.500 und 40.500 Yuan (rund 3.000 bis 5.400 Euro) pro Hektar.
Hoffnungen und Vorbehalte
Pflanzen in der Wüste wie in Ackerboden gedeihen zu lassen, sei ein bedeutender Durchbruch, so Li Jia’na vom Chinesischen Verband zum Ausbau der Agrartechnik. Die neue Methode sei bahnbrechend für die Bekämpfung der Wüstenbildung und erweise sich als grundlegend bei der Umwandlung von Wüsten in urbares Land, so Zhong Zhihua, Forscherin an der Chinesischen Akademie für Ingenieurwesen. Desertifikationsbekämpfung stellt eine globale Herausforderung dar. Laut der Studie würde die Sand-Konvertierungsmethode helfen, einer Reihe von Umweltproblemen wie der Abholzung, dem Verlust von Biodiversität und dem Klimawandel zu begegnen, falls sie groß angelegt für die Landwirtschaft verwendet werden könnte.
Zhong zufolge gab es im Vorfeld keine international publizierten Studien zu dieser Methode. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass die Experimente allesamt an Orten mit Grundwasser durchgeführt wurden. Trotz des Mangels an Niederschlag hat die Ulanbuh-Wüste reichlich unterirdische Wasservorkommen, welche eine adäquate Bewässerung sicherstellen. Groß angelegte Desertifikationsbekämpfung durch Sand-Erde-Konvertierung müsse die „übermäßige oder unangemessene Ausbeutung der unterirdischen Wasserressourcen berücksichtigen“, so die Studie. Vor einer flächendeckenden Anwendung stehen noch weitere Planungen und Auswertungen an. Der Anfang sollte in Gebieten mit Zugang zu ausreichenden Wasserressourcen gemacht werden, so das Urteil der Wissenschaftler.











