Stellvertreterhandel
Daigou-Geschäft bricht wegen neuem E-Commerce-Gesetz ein
Während der letzten Einkaufssaison zum Frühlingsfest mussten die chinesischen grenzüberschreitenden Stellvertreter-Einkäufer – auf Chinesisch „Daigou“ genannt –aufgrund des Einflusses des neu eingeführten E-Commerce-Gesetzes einen plötzlichen Rückgang ihres Geschäfts verkraften. Einige von ihnen erwägen nun, der Branche den Rücken zu kehren. Andere wollen sich dem Gesetz entsprechend registrieren lassen.

Zwei Chinesen kaufen im November 2016 Artikel in einem Duty-Free-Shop in Südkorea. Sie stellen Lieferdienste für ihre Kunden bereit
Das E-Commerce-Gesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, verpflichtet alle Onlinehändler und im E-Commerce Tätigen, ihr Unternehmen anzumelden, eine Lizenz zu erhalten, Steuern zu zahlen und für Betrugsfälle oder gefälschte Waren direkt selbst verantwortlich zu sein. Zuwiderhandelnde können demnach mit Bußgeldern von nicht weniger als 20.000 Yuan (2.800 Euro) rechnen.
Das Gesetz fährt der boomenden Daigou-Industrie in die Parade. Ein „Daigou“ ist ein sogenannter „Personal Shopper“, der auf besonderen Wunsch ausländische Produkte kauft. Einige „Daigous“ organisieren sich sogar in Teams, um auch Großaufträge erledigen zu können.
Der „Daigou“ hat sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Möglichkeiten für chinesische Kunden entwickelt, ausländische Produkte zu erwerben. Und während das Geschäft boomt, haben einige Länder wie Australien Fachgeschäfte eröffnet, "(…) deren einzige Kunden Personal Shopper für chinesische Käufer sind“. Einige von ihnen haben allerdings gefälschte Produkte mit gefälschten Belegen verkauft.
In Japan, einem der beliebtesten Reiseziele chinesischer Touristen in Übersee, hat der „Daigou-Boom“ während des Frühlingsfestes jedoch einen deutlichen Rückgang erlebt.
Während vergangener Frühlingsfeste strömten chinesische Touristen regelrecht in japanische Duty-Free-Shops. Dies sei im Februar jedoch nicht geschehen, sagte ein japanischer Angestellter in einem Einkaufszentrum in Tokio. Ist der Daigou-Boom am Ende?
Sun Kaichun, eine chinesische Studentin, die in Japan studiert und sich bisher immer als „Teilzeit-Daigou“ nebenher etwas Geld verdient hat, erzählte der Global Times, dass sie früher ganze Taschen mit Produkten von Japan nach China geschickt habe. Jetzt aber helfe sie nur noch Freunden, einige Produkte zu kaufen und sie in ihrem Gepäck mit nach China zurückzubringen.
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Job weiterhin machen werde“, sagte Sun und fügte hinzu, dass sie jedes Mal, wenn sie in der Vergangenheit japanische Produkte nach China versandte, etwa 3.000 Yuan verdienen konnte. Allein im vergangenen Jahr tat sie das vier Mal. „Dieses Mal habe ich gerade noch 4.000 oder 5.000 Yuan verdient“, sagte Sun.
Bei einer in England lebenden „Daigou“ namens Qiong, die zuvor Kosmetika, Accessoires und Kleidung weiterverkaufte, lief das Frühlingsfest-Geschäft 2019 auch nicht mehr so gut.
Qiong erzählte der Global Times, dass die von ihr nach China verschickten Produkte seit 2019 mehrfach besteuert und teilweise sogar zurückgeschickt wurden. "Die Zollbeamten sind bei Stichprobenkontrollen strenger geworden", sagte Qiong. "Jetzt schicke ich nur noch Milchpulver nach China, weil es da eine stabile Kundenbasis gibt."
Einige Daigou, die Unternehmen in Hongkong und Australien leiten, sagten der Global Times, dass sie erwägten, ihr Unternehmen aufzugeben, da die Registrierung problematisch sei und das Unternehmen niedrige Gewinne erziele.
Analysten wiesen darauf hin, dass das neue Gesetz nicht dazu gedacht sei, Daigou zu verbieten, sondern die Branche zu regulieren. Liu Junhai, Professor für Wirtschaftsrecht an der Renmin University of China, sagte der Global Times am Donnerstag, dass "nach dem neuen E-Commerce-Gesetz ein solches Geschäftsverhalten unter strengere staatliche Kontrolle geraten ist, was die Zahl der gefälschten Waren reduzieren kann".









