Seidenstraßeninitiative

Italienischer Professor sieht Wiederbelebung des alten Geistes Exklusiv

23.03.2019

Am 21. März traf der chinesische Präsident Xi Jinping zu einem Staatsbesuch in Italien ein. Vor seinem Besuch erschien am Mittwoch in der italienischen Zeitung Corriere della Serra ein Artikel mit dem Titel „Der Osten trifft den Westen: Ein neues Kapitel der chinesisch-italienischen Freundschaft.“ Darin heißt es: „China und Italien, bedeutende Beispiele östlicher und westlicher Kulturen, haben in der Geschichte des menschlichen Fortschritts hervorragende Kapitel geschrieben.“


Zu diesem Anlass hat Guido Cappelli, Professor für italienische Literatur an der Universität von Neapel L'Orientale, einen Artikel geschrieben, in dem er die Geschichte des Austauschs zwischen China und Italien nachzeichnet und die Wichtigkeit der Seidenstraßeninitiative darstellt.


Chinas Staatspräsident Xi Jinping wurde zum Staatsbesuch in Italien von seinem Amtskollegen Sergio Mattarella mit militärischen Ehren empfangen. 

 

Der erste bekannte westliche Bürger, der China betrat, war ein Italiener: Marco Polo. Der Forscher hinterließ seine außergewöhnlichen Abenteuer in einem erfolgreichen unsterblichen Buch: Il Milione (Deutsch: Der Milione; Englisch: Book of Wonders). Dieses Buch prägt seit Jahrhunderten die westlichen Vorstellungen von China.
Der westliche Mensch und insbesondere der Italiener waren schon immer vom Orient, besonders China, fasziniert. Heute verbindet sich diese Fantasie mit dem ultramodernen Bild eines riesigen Landes, das seit Jahrzehnten erneut die Welt fasziniert. China verblüfft tatsächlich eine große Anzahl von Beobachtern in diesem Teil der Welt, mit einer beeindruckenden Begeisterung und der ruhigen Weisheit desjenigen, der von sich selbst weiß, dass er eine große Rolle spielen wird.


Im heutigen China verschmelzen Europäer und Italiener zu einem einzigartigen und vielseitigen Bild zweier Dimensionen: der Geschichte einer alten Zivilisation, die Italien unter anderem durch die Besuche des Priesters Matteo Ricci, dessen Grab in Beijing geehrt wird, im 17. Jahrhundert kennenlernen durfte. Daneben gibt es das zeitgenössische Image: China als Land mit Spitzentechnologien, olympischem Sport und außergewöhnlichen Projekten wie der jüngsten Landung der Mondsonde Chang'e 4 auf der Rückseite des Mondes.


Das große asiatische Land, das heute auf der Weltbühne Protagonist ist, ist zweifellos eine Chance für den Rest der Welt und im Wesentlichen für ein Europa, das seit Jahrzehnten auf der Suche nach seiner eigenen geopolitischen Identität und seiner eigenen Rolle in der Welt ist. Es ist heilsam und beruhigend, dass Macht und Einfluss in der Welt, wie die Diplomaten sagen, multipolar oder multilateral sind. Aus diesem Grund können wir es als günstigen Umstand betrachten, dass eine große, tausendjährige und friedliche Nation zwar Distanz bewahrt, sich aber auch öffnet und den Austausch von Ideen und Gütern zum Nutzen aller vorschlägt. Es ist eine neue, tugendhaftere und effektivere Art der Zusammenarbeit.


Dies ist die Bedeutung der Seidenstraßeninitiative, ein Erbe dieser sehr alten Seidenstraße, eines maritimen, terrestrischen und Flussgitters, das auf natürliche Weise die einfachsten und sichersten Kommunikationsmittel nutzte. Die Straße wurde von Händlern und Reisenden geschaffen, um die beiden größten Imperien und die beiden höchsten Zivilisationen der Antike, Rom und China, zu verbinden. Es ist eine Straße, die von Jahrhunderten zwischen Osten und Westen durchquert wurde. Sie entwickelte sich und wurde zu einer Eisenbahn im Zeichen der Seide, aber zeitgleich auch im Zeichen so vieler Waren und Wissen. Sie beförderte nicht nur materielle Güter, sondern auch Ideen, Erfindungen, Gedanken und Gefühle.


Heute erinnert die Seidenstraßeninitiative sowohl an diese alte solide Freundschaftsbeziehung zwischen China und Italien und erneuert sie gleichzeitig. Aber für einen Intellektuellen, der zu einer großen tausendjährigen Zivilisation wie der Italiens gehört, ist die endgültige Bedeutung dieses Bündnisses, dieser Freundschaft, die auf gemeinsamen Interessen und derselben kulturellen Vision beruht, noch mehr als politisch. Dieser Zusammenschluss beruht auf einer Affinität zwischen den beiden Völkern bezüglich ihrer Verhaltensweisen und Einstellungen und ist sogar noch enger als man sich vorstellen kann - für einen italienischen Intellektuellen ist die Bedeutung daher vielleicht noch wichtiger und vielversprechender. Denn wenn wir aus Diskretion und Euphemismus von einem wirtschaftlichen Memorandum sprechen, handelt es sich tatsächlich um eine große kulturelle und spirituelle Wiedervereinigung, eine vertiefte Nutzung der Möglichkeiten der Moderne, gestützt auf einer Vergangenheit, die von Austausch und Treffen geprägt ist.


Die wirtschaftlichen Vorteile werden natürlich beachtlich sein: Italien hat den Vorteil, seinen Handel mit China zu erhöhen. Chinesische Besucher mögen Leonard da Vinci oder Dante Alighieri genauso wie Ferrari, italienische Mode oder Kunst. Dies gleicht der Mischung aus alten und modernen Dingen, die Italiener fasziniert, wenn sie heute an China denken: Die künstlerische Sensibilität, die ästhetische Erfahrung, die kulturelle Tiefe. Auch hier treffen sich die beiden Völker wieder. Diese glückliche Mischung aus Alt und Neu ist eine außergewöhnliche Stärkung der kulturellen Beziehungen auf höchstem Niveau. Ob zwischen den Kulturinstituten oder den Abkommen zwischen den Universitäten der beiden Länder, die Beziehungen wachsen ständig. Es ist eine Ehre, nicht nur mitgeholfen zu haben, den ersten Doktortitel in Italienstudien in China (an der Beijing Foreign Studies University, BFSU) zu initiieren, sondern auch das stetige Wachstum der Beziehungen zwischen den jungen intelligenten Studenten zu beobachten, die immer mehr Länder durchqueren.


China öffne sich für Italien, heißt es. Umso aufregender ist es für den Westen, dass sich auch Italien endlich und endgültig für China öffnet, welches groß, friedlich und tausendjährig ist.
 
Über den Autor: Guido Cappelli, Professor für italienische Literatur an der Universität von Neapel L'Orientale.


*Der Originaltext wurde von Lisa Carducci aus dem Italienischen übersetzt und von China.org.cn bearbeitet.


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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: China,Italien,Xi Jinping,Seidenstraße,Marco Polo