Wie wurde aus der „Schweiz des Orients" die „Giftmülldeponie Europas"?

Die katastrophale Explosion im Hafen von Beirut, der Hauptstadt des Libanon, schockierte die ganze Welt. Aktuell deutet alles darauf hin, dass 2.750 Tonnen gefährliches chemisches Ammoniumnitrat, das 6 Jahre im Lager des Hafens gelagert wurde, den Unfall verursacht haben.
Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass der Libanon bereits vor längerer Zeit zu „Europas Giftmülldeponie" geworden ist. Die Explosion in Beirut ist auf die Nachlässigkeit im Umgang mit gefährlichen Stoffen zurückzuführen. Der Fall erinnert deshalb stark an den Giftmüllskandal im Zusammenhang mit Italien und dem Libanon vor mehr als 30 Jahren.
Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 5. August zufolge war der Hintergrund des Vorfalls damals, dass die libanesische Miliz mit der Lagerung von Giftmüll Geld verdient habe. Auch europäische Unternehmen seien daran beteiligt gewesen. Laut dem Bericht hatte „Greenpeace" 1995 herausgefunden, dass ein tschechischer Frachter von September 1987 bis Juni 1988 insgesamt 16.000 Fässer giftigen Industrieabfalls von Italien nach Beirut transportiert hatte. Später wurden zwar 6.000 Fässer nach Italien zurückgeschickt, aber die restlichen 10.000 waren verschwunden oder in den libanesischen Bergen begraben. Die Organisation warnte damals bereits, dass es sich um eine „ökologische Zeitbombe" handele, nachdem sie in einem Stadtviertel von Beirut Tausende von Giftmüllfässern entdeckt hatte.
Laut der französischen Ausgabe von „Middle East Eyes" [eine Nachrichtenagentur mit Sitz in London, die in englischer und französischer Sprache über Ereignisse im Nahen Osten berichtet] transportierte die italienische Seite den Giftmüll mit Genehmigung der libanesischen Miliz - die die Kontrolle über das Gebiet hatte – damals in den Hafen von Beirut. Die Miliz erhielt dafür eine Vergütung von 20 Millionen Euro. Später forderte der libanesische Gesundheitsminister Experten zur Untersuchung auf. Dabei kam heraus, dass der größte Teil des Giftmülls entweder verbrannt oder in öffentlichen Deponien gelagert worden war.
Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Deutschen Medien zufolge habe der Libanon giftigen Müll niemals strikt abgelehnt. Im Jahr 1994 wurden dort Giftmüllfässer aus Deutschland, Italien, Belgien und anderen europäischen Ländern gefunden. Während des Krieges und des Konflikts nahmen die Deponien entlang der Küste und im Landesinneren des Libanon dann noch weiter zu.Auch heute gibt es noch europäische Länder, die heimlich Giftmüll in den Libanon transportieren, weil das Land näher liegt als Ost- und Südostasien und der Transport dadurch bequemer ist.
All dies hängt mit dem Niedergang und dem Chaos im Libanon zusammen.
„Global Times" -Reporter sind viele Male zu Interviews in den Libanon gereist und haben dort die wunderschöne Landschaft bewundern können, insbesondere das Naturschutzgebiet, das die Menschen zum Genießen der Natur einlädt. Man darf heute nicht vergessen, dass der Libanon einst als die „Schweiz des Orients" bekannt war und dank seiner vorteilhaften Lage an der Mittelmeerküste florierte. Aber dieses „goldene Zeitalter" ist längst vorbei und heute ist das Land ein Beispiel für die Probleme im Nahen Osten: bei einer Gesamtbevölkerung von nur etwa 6 Millionen hat es 18 offiziell anerkannte religiöse Gruppen, religiöse Fraktionen und politische Parteien.
Zudem steht der Libanon derzeit aufgrund des neuartigen Coronavirus und der sozialen Konflikte schon vor großen Schwierigkeiten. Die Explosion in Beirut hat nun diesen verschiedenen „alten Verletzungen" einen „neuen Schmerz" verliehen.
Westliche Medien kritisierten, dass es im Libanon ein Problem mit der Regierungsführung gebe. Auch die Explosion, so heißt es in einigen Medien, sei letztlich aufgrund der Inkompetenz der Regierung und der schwachen öffentlichen Verwaltung möglich geworden. In einigen Medien wurden unter anderem die „Macht der Sekten“ im Libanon, das„Netzwerk der politischen Vetternwirtschaft“oder der „Handel mit politischen Interessen“ kritisch beschrieben.
Einige Analysten erinnerten jedoch daran, dass auch Europa zu seiner Verantwortung stehen müsse. Man könne nicht den Libanon kritisieren und gleichzeitig giftigen Müll in dieses kleine Land im Nahen Osten transportieren.
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