Zweite WHO-Studie

„Mangelnder Respekt vor dem gesunden Menschenverstand, arrogant gegenüber der Wissenschaft“

23.07.2021

Chinesische Beamte und Beobachter haben die Idee der Weltgesundheitsorganisation zurückgewiesen, eine weitere Forschungsmission zur Ermittlung der Covid-19-Pandemie nach China zu entsenden. Nun seien andere Länder dran, hieß es.

 

Bild: Global Times


Die WHO hat am Freitag eine zweite Phase der Studie zur Herkunft des Coronavirus in China vorgeschlagen. Sie soll Untersuchungen von Tiermärkten in und um Wuhan sowie Kontrollen relevanter Labore und Forschungseinrichtungen in der Gegend umfassen, in der im Dezember 2019 die ersten Infektionsfälle bei Menschen aufgetreten waren.

 

Chinesische Gesundheitsbeamte und Beobachter bezeichneten den Vorschlag am Donnerstag als respektlos gegenüber dem gesunden Menschenverstand und arrogant gegenüber der Wissenschaft.

 

Liang Wannian, Teamleiter der chinesischen Seite des gemeinsamen Expertenteams von WHO und China zu den Covid-19-Ursprüngen, sagte bei dem Briefing, dass er glaube, dass die Theorie eines Laborlecks höchst unwahrscheinlich sei und es keine Notwendigkeit gebe, mehr Daten und Ressourcen in diesen Bereich zu investieren.

 

„Wenn einige Länder glauben, dass weitere Untersuchungen in diesem Bereich durchgeführt werden sollten, dann sollte das in denjenigen Laboren stattfinden, die noch nicht untersucht wurden“, sagte Liang. Mehrere Studien in verschiedenen Ländern würden auf die Möglichkeit hinweisen, dass Covid-19 schon vor den ersten bisher gemeldeten Fällen aufgetaucht sei, sagte Liang der Global Times.

 

Er zählte einige Beispiele auf. Bei der Hautbiopsie einer italienischen Frau wurde im November 2019 eine genomische Sequenz des Coronavirus entdeckt. Bei der Untersuchung von Spenderblut in neun amerikanischen Bundesstaaten wurden 106 Blutproben zwischen dem 13. Dezember 2019 und dem 17. Januar 2020 positiv auf Coronavirus-Antikörper getestet. Die lange Liste der Untersuchungen von Wissenschaftlern deutet darauf hin, dass Wuhan nicht der erste Ort der Entstehung des Coronavirus sein könnte, sagte Liang.

 

Der renommierte Wissenschaftler für Evolutionsbiologie und Genetik, Wu Chung-I, sagte, dass das neuartige Coronavirus nur aus der Natur stammen könne und nicht von Menschen gemacht worden sei. Er rief die WHO und internationale Wissenschaftler dazu auf, im Geist der Wissenschaft nach der Wahrheit zu suchen. Wu und 20 andere chinesische Wissenschaftler sowie ein britischer Wissenschaftler, der in China arbeitet, hatten kürzlich einen Artikel veröffentlicht, in dem sie mit Hilfe der klassischen Evolutionstheorie überzeugend darlegen, warum das neuartige Coronavirus nicht von Menschen gemacht worden sein könne.

 

Wu, Professor an der School of Life Sciences der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou in der südchinesischen Provinz Guangdong und Direktor des Beijinger Instituts für Genomik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, betonte, dass der Hauptgrund, warum die globale Epidemie außer Kontrolle geraten ist, darin liege, dass die Stimmen der Wissenschaftler zu schwach seien und dass einige Länder, allen voran die USA, versucht hätten, die Frage nach dem Ursprung des Virus zu politisieren. Wäre die globale Reaktion wissenschaftlich und positiv gewesen, hätte der Covid-19-Ausbruch im Mai letzten Jahres beendet werden können.

 

„Ist es möglich, dass jemand, der nichts über Physik weiß, etwas Vernünftiges über den Ursprung des Universums sagen kann?“, fragte Wu. Jede Suche müsse mit einem Modell beginnen, ähnlich wie eine Jagd nach einem Tatverdächtigen ein Profil des Gejagten erfordere (wie Größe, Alter, Körperbau). Deshalb sollte die WHO zuerst definieren, was Herkunft bedeutet, bevor sie entscheidet, wo es hingeht.

 

„In unserem Modell haben wir eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wo wir nach den Ursprüngen suchen müssen. Es wäre ein Ort mit einer Fülle von Fledermäusen, einer geringen Dichte von Menschen vor Ort und häufigen Kontakten zwischen Menschen und Fledermäusen, besonders dort, wo Fledermäuse ein wichtiger Bestandteil der lokalen Küche sind“, sagte Wu.

 

Nicht nur chinesische Wissenschaftler, auch einige internationale Wissenschaftler haben das Bedürfnis geäußert, mehr Länder für eine Herkunftsstudie zu besuchen. Marion Koopmans, ein Mitglied des gemeinsamen Studienteams von WHO und China und Leiterin der virenwissenschaftlichen Abteilung am Erasmus MC Rotterdam in den Niederlanden, sagte der Global Times zuvor, dass die Folgestudien über die Ursprünge des Coronavirus sich mit Regionen außerhalb Chinas befassen sollten, die „sehr früh im Jahr 2019 virale Sequenzen gemeldet haben“, da die Empfehlungen im gemeinsamen Studienbericht Untersuchungen in Regionen gefordert hatten, in denen die Viren fast identisch mit den ersten entdeckten Viren aus Wuhan seien, sagte Koopmans.


Sie sagte auch, dass es einen Bedarf für verstärkte Untersuchungen von Fledermäusen gibt, insbesondere in Chinas Nachbarländern.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: WHO,Covid-19,China,Ursprung