Skandalehe von Wang Leehom legt Schicksal von „Desperate Housewives“ offen

20.12.2021

Ein ellenlanger Brief aus der Feder seiner Ex-Frau beschuldigt den sino-amerikanischen Sänger und Liedermacher Wang Leehom, der als Jugendidol über eine große Popularität verfügt, außereheliche Affären unterhalten und den Kontakt zu Prostituierten gesucht, sowie seine Frau durch seelische Grausamkeit misshandelt zu haben. Der Vorgang wirft erneut ein Schlaglicht auf unethisches Verhalten chinesischer Prominenter. Aber dieses Mal gibt es noch eine weitere Dimension.


 Der Sänger Wang Leehom und seine Ex-Frau Lee Jinglei (Foto von VCG)


Der von Wangs Ex-Frau Lee Jinglei geschriebene Brief hat die meisten Netzbürger durch seinen logischen Aufbau, gewandte Formulierungen und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen berührt. Für viele Leser war dies nicht weiter verwunderlich, schließlich gilt die Dame in China als vorbildliche Schülerin und Studentin.

 

Die häuslichen Streitigkeiten, überraschenden Wendungen und der traurige Ausgang ihrer Ehe weisen auf ein nachdenklich stimmendes Problem hin: die „verzweifelte“ Lage von Hausfrauen.

 

Nach Medienberichten habe Lee an der Princeton University ihren Bachelorabschluss erworben und danach an der Columbia University einen weiteren Abschluss geschafft. Nach dem Ende ihrer Studien habe sie einen hochbezahlten Job als Analystin bei J.P. Morgan angetreten und dort innerhalb von zwei Jahren eine steile Karriere gemacht.

 

Mit 27 wurde diese kluge junge Dame jedoch Hausfrau und gebar ihrem zehn Jahre älteren Ehemann innerhalb von fünf Jahren drei Kinder. In ihrem Brief beschreibt sie ihr acht Jahre langes Leben in der neuen Rolle als „Ehefrau, Mutter, Babysitter, Fahrerin und Assistentin“, die 24 Stunden am Tag ihre Kinder umsorgte.        

   

„Keine Freizeit, keine Bezahlung.“

 

Wie Lee in ihrem Brief schreibt, solle ihre Geschichte anderen Frauen in China als Warnung dienen. Eine Reihe von Frauenrechtlerinnen sagten der Global Times, dass es trotz der besseren Aussichten chinesischer Frauen auf Bildung und Zugang zu qualifizierten Arbeitsplätzen noch immer schwierig sei, gegen die gesellschaftliche Stereotype anzutreten, dass es nun einmal die Aufgabe der Frau sei, sich um die Familie zu kümmern.

 

Sie sagten, dass Lees Fall eine bittere Lehre für viele chinesische Frauen liefere, die bereit seien, für die Familie ihre Karriere aufzugeben. Die Gesellschaft sollte mehr dafür tun, die Tätigkeit der Frauen im Haushalt und für die Familie zu würdigen und zu honorieren.

 

In der jüngsten Wendung des Streits hat sich Wangs Vater Wang Ta-chung in einer handgeschriebenen Verteidigung seines Sohnes zu Wort gemeldet, und behauptet, dass Lee ihre Schwangerschaft dazu benutzt habe, seinen Sohn in die Ehe zu zwingen. Sonntagmorgen schoss Lee mit umfangreichem Beweismaterial zurück und verlangte eine Entschuldigung von ihrem Ex-Mann. Würde diese nicht geleistet, drohte sie mit einer Klage gegen Wang und dessen Vater. Sonntagnacht antworte Wang auf seinem Sina Weibo Account, dass er nahezu sechs Jahre lang unter dem Eindruck von Schrecken, Erpressung und Drohungen gelebt habe, bis die Scheidung durchgegangen sei. Das Paar hätte auch Ehetherapeuten aufgesucht, aber es sei ihnen nicht gelungen, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Wang bestritt, seiner Ehefrau untreu gewesen zu sein. Schließlich habe er ihren Forderungen zugestimmt und ihr 150 Millionen Yuan und zusätzlich Lebenshaltungskosten abgetreten.

 

Lees Kampf führt Netzbürger vom chinesischen Festland und Taiwan zusammen, denn auf beiden Seiten der Taiwanstraße findet die Frau Unterstützung, während Ex-Mann Leehom dazu aufgerufen wird, Verantwortung für seine Missetaten zu übernehmen und Entschädigung für Lees Tätigkeit als „Vollzeithausfrau“ zu leisten.

 

In einem von China Women's News am Sonntag veröffentlichten Kommentar heißt es: „Vollzeithausfrau zu werden, ist eine persönliche Entscheidung. Viel sicherer aber ist es für eine Frau, in der Arbeitswelt durchzustarten und dort ihre Konkurrenzfähigkeit aufrechtzuhalten.“

 

Wenn sich eine Frau dazu entschließe, ihre Berufstätigkeit aufzugeben, bliebe es stets zweifelhaft, ob sie ihre materielle und psychische Unabhängigkeit würde bewahren können, ob man ihr innerhalb der eigenen vier Wände genug Respekt für das Organisieren des Familienlebens erweise, ob sie sich sicher und geborgen im Kreise der Familie fühle und ob sie dort Schutz gegen Verletzungen genießen könne. Wichtig sei auch die Frage, ob sich ihr die Möglichkeit eröffne, ins Berufsleben zurückzukehren. Die Rolle der Frau werde nicht zuletzt von der stetigen Verbesserung der sozialen Sicherungssysteme und dem Fortschritt im Genderbewusstsein der Gesellschaft abhängen, heißt es in der Zeitschrift.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Skandal,Wang Leehom,Hausfrau