Vom Testfeld zum Vorbild
45 Jahre Sonderwirtschaftszone Shenzhen Exklusiv
Reform und Öffnung – ein ständiger Prozess
Das sozialistische China ist in ständiger Reform und Veränderung. Die vor kurzem beschlossenen Richtlinien hoben eine neue Reihe von Reformmaßnahmen für Shenzhen hervor, um institutionelle Barrieren zu überwinden. Diese zielen darauf ab, der Kommunikation zwischen Forschung und Industrie zu verbessern, den Mangel an hochqualifizierten Talenten zu beheben und die Raten der technologischen Kommerzialisierung zu erhöhen. Shenzhen wird sich auch verstärkt in die Entwicklung der „Guangdong-Hongkong-Macao Greater Bay-Area“ einbringen, unter anderem durch Aufbau stadtüberschreitender Technologieparks mit Hongkong.
Die „Wirtschaft in geringer Höhe“, Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und finanzielle Innovationen sind unter anderem wichtige Schwerpunkte für die Förderung eines qualitativ hochwertigen realen Wirtschaftswachstums. Shenzhen wird einen Industriefonds in Höhe von 10-Milliarden-Yuan (ca. 1,2 Milliarden Euro) auflegen, um die Entwicklung von KI und humanoider Robotik zu fördern.
„Pilot-Demonstrationszone für den Sozialismus chinesischer Prägung“
Seit 2019 befindet sich das Testfeld für marktwirtschaftliche Reformen und die Anziehung von Auslandsinvestitionen im Aufbau einer „Pilot-Demonstrationszone für den Sozialismus chinesischer Prägung“. Vor allem bei der Steigerung der Lebensqualität konnten bereits viele Ergebnisse erzielt werden. Shenzhen wurde durch Technologieeinsatz bei der Betreuung der Bürger und beim Stadtmanagement zur „Smart City“, aber wesentlich dienen die Bemühungen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen. So sagte mir in einem Interview 2021 der damalige Stellvertretende Bürgermeister Nie Xinping: „Nur wenn wir uns genau auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen konzentrieren und dann ein intelligenteres und lebenswerteres Lebensumfeld für die Bürger schaffen, sodass die Ergebnisse des Baus der Smart City allen Bürgern zugutekommen, können wir den intelligenten Betrieb der Stadt wirklich realisieren.“
Shenzhen ist eine grüne Stadt. Der Anteil ihrer grünen Fläche beträgt fast 45 Prozent. Ich erinnere mich an meinen Spaziergang im ausgedehnten und gepflegten „Futian-Mangroven-Naturschutzgebiet“, von dem aus man übers Meer nach Hongkong hinübersehen kann. Shenzhen unternimmt alles, um die CO2-Emissionen zu senken.
Das Luftbild zeigt das Mangroven-Feuchtgebiet Futian in Shenzhen. (29. November 2024, Xinhua)
Das wohlhabende Shenzhen ist im Sozialbereich führend tätig. In den Bereichen Gesundheitswesen, Wohnen und Bildung ist Shenzhen beispielgebend. Es gibt 159 Krankenhäuser und 970 Gesundheitszentren der Bezirksebene. Zudem bilden 2.987 Schulen 2,79 Millionen Schüler und Studenten aus. Um junge Talente anzuziehen, stellt die Stadt frischgebackenen Absolventen in zwölf aufeinanderfolgenden Jahren kostenlosen Wohnraum zur Verfügung.
Shenzhens wichtige Vorbildfunktion
Shenzhens Erfolge sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer wissenschaftlich orientierten Politik, die konsequent durchgeführt wurde. Die Entwicklung von Shenzhen hatte eine bahnbrechende und modellhafte Rolle für die weiteren SWZ Chinas. China hat das Konzept der SWZ erheblich erweitert. Neben den traditionellen fünf SWZ gibt es heute verschiedene Typen von Sonderentwicklungszonen, wie Reform- und Pilotzonen wie Pudong New Area in Shanghai, Finanzpilotzonen wie Wenzhou und Freihandelszonen wie Hainan.
Auch außerhalb Chinas, vor allem in Teilnehmerländern der Seidenstraßeninitiative, werden die Erfahrungen Shenzhens studiert und eigene SWZ, basierend auf ihren eigenen Voraussetzungen, aufgebaut.
Ich bin überzeugt, dass Shenzhen die neuen Herausforderungen in Reform und Öffnung wie bisher bewältigen und die vergangenen Erfolge in Zukunft fortsetzen wird.

*Die Meinung des Artikels spiegelt die Position unserer Webseite nicht notwendigerweise wider.
Der Autor Robert Fitzthum, Jahrgang 1951, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien und arbeitete als IT-Manager in österreichischen Banken sowie als selbstständiger Unternehmensberater. Er lebt seit 2013 als Schriftsteller in China. Er schrieb „China verstehen” (Promedia-Verlag, 2018) und „Erfolgreiches China” (Goldegg- Verlag, 2021). „Chinas ‚Neue Reise‘: Sozialistische Modernisierung und die Bedeutung der Volksdemokratie” erscheint 2025.













