Erster Belastungstest für den Drei-Schluchten-Staudamm

Der Drei-Schluchten-Staudamm, der weltweit größte Staudamm, wird heute der ersten Belastungsprobe ausgesetzt, wenn die schützende provisorische Staumauer abgerissen wird.

Das Netzwerk an elektronischen Auslösern für die Sprengung des letzten provisorischen Damms, der den Yangtze in Yichang in der zentralchinesischen ProvinzHubeivom Drei-Schluchten-Staudamm fernhält, wurde am Sonntag fertiggestellt. Das Netzwerk an elektronischen Auslösern ist mit 2540 Zündern verbunden, die rund 1000 Einzelexplosionen mit insgesamt 192 Tonnen Sprengstoff auslösen werden, um den Kofferdamm zu sprengen.

Zhang Chaoran, Chefingenieur des Drei-Schluchten-Projekts, bezeichnete den Abriss als Herausforderung, aber er war überzeugt, dass er erfolgreich verlaufen werde.

Song Ling, Generaldirektor des Chongqing Gezhouba Yipuli Chemieunternehmens, der die Sprengung überwachen wird, sagte der Nachrichtenagentur Xinhua, dass alle Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen seien.

Zhao Gen, ein leitender Ingenieur des Forschungsinstituts für den Yangtze-Fluss und Planer des Abrissprojekts, erklärte die Sprengung des gewaltigen, provisorischen Dammes werde nur rund 12 Sekunden dauern.

Die Entfernung des Kofferdamms bedeutet, dass der Drei-Schluchten-Staudamm, der am 20. Mai dieses Jahres fertiggestellt wurde, seine Rolle bei der Hochwasserbekämpfung rund zwei Jahre früher als geplant übernehmen wird, gerade vor Beginn der Hochwassersaison, die normalerweise im Juni beginnt.

Der Kofferdamm, der den Yangtze seit 2003 aufstaute, ist 580 Meter lang, 140 Meter hoch und an der Oberkante 8 Meter breit. Bei der Explosion werden rund 180.000 Kubikmeter Schutt anfallen.

Der Drei-Schluchten-Staudamm wurde konstruiert, um Überschwemmungen zu verhindern und Hochwasser zu kontrollieren. Sogar bei einer "Jahrtausendflut kann nunmehr Personen- und Sachschaden abgewendet werden" erklärte Zhang.

Tödliche Überschwemmungen treten entlang dem Yangtze, dem längsten Fluss Chinas und nach dem Nil und dem Amazonas dem drittlängsten der Welt, häufig auf. Überflutungen forderten im letzten Jahrhundert mehr als 1 Million Menschenleben. Alleine beim letzten Hochwasser im Jahr 1998 starben 1000 Menschen und es entstand ein Schaden in der Höhe von 100 Milliarden Yuan (12,5 Milliarden US-Dollar).

Beim Bau des 185 Meter hohen und 2309 Meter langen Drei-Schluchten-Staudamms wurden 28 Millionen Kubikmeter Beton verwendet. Das 180 Millionen Yuan (22,5 Millionen US-Dollar) teure Projekt, das sich in drei Phasen gliedert, wurde 1993 begonnen. Das ganze Projekt soll 2008 abgeschlossen sein.

Der Drei-Schluchten-Staudamm dient sowohl zur Stromerzeugung als auch zur Hochwasserkontrolle. Im Vollbetrieb werden die Generatoren insgesamt 18,2 Millionen Kilowatt Strom, und damit bis zu einem Neutel der gesamten Stromproduktion Chinas, erzeugen.

Trotz der Vorteile gibt es entlang des Drei-Schluchten-Stausees ernste Umweltprobleme. Alleine um zu verhindern, dass sich Müll beim Staudamm auftürmt, wird China zumindest 10 Millionen Yuan (1,3 Millionen US-Dollar) pro Jahr aufwenden müssen, um den sicheren Betrieb des weltgrößten Wasserbauprojekts sicherzustellen. Statistiken lassen vermuten, dass sich jährlich rund 100.000 bis 200.000 Kubikmeter Müll im Stausee sammeln werden, das meiste davon in der Hochwassersaison.

(China.org.cn, China Daily, 6. Juni 2006)