Wirtschaftsreformen Chinas nach dem WTO-Beitritt

In der Reform des Bankwesens und des Wertpapiermarktes, die mit der Welthandelsorganisation (WTO) eng verbunden ist, spiegelt sich deutlich wider, dass der WTO-Beitritt Chinas einen großen Beitrag zur Förderung der Wirtschaftsreformen leistet. Im Prinzip "Öffnung durch Reform" führt es dazu, dass die chinesische Wirtschaftsreform im Rahmen der sich stets verändernden, globalisierten Weltwirtschaft in einem größeren Umfang erfolgte.

2005 wurde als ein Jahr zur Vertiefung der Finanzreform nach dem WTO-Beitritt Chinas bezeichnet. In diesem Jahr investierte die Central Huijin Investment Company, eines der Hauptanlageinstrumente der Zentralregierung, in Geschäftsbanken. Die als Zentralbank fungierende People's Bank of China wurde umstrukturiert, das chinesische Bankensystem umgestaltet und der Wechselkurs der chinesischen Landeswährung reformiert.

Am 10. August 2005 wurde das Hauptquatier der People's Bank of China in Shanghai in Betrieb genommen, die als Plattform für Geldpolitik, für Überwachung und Verwaltung der Finanzmärkte und als Fenster für Kontakte mit ausländischen Organisationen fungieren soll. Sie ist verantwortlich für Operationen am öffentlichen Markt, die Überwachung der Finanzmärkte, Analyse der Finanzinformationen, die Entwicklung von sowie den Handel mit Finanzprodukten und für regionale Zusammenarbeit im Finanzbereich.

Im Jahr 2005 erzielte die Reform staatseigener Geschäftsbanken enorme Fortschritte. Die Bank of China (BOC), die China Construction Bank (CCB) und die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) wurden in Aktiengesellschaft umgewandelt. Am 27. Oktober 2005 fand die Erstemission der CCB an der Hong Konger Börse statt. Es wurden dabei weltweit 26,49 Milliarden H-Aktien (als H-Aktien werden die an der Hong Konger Börse gehandelten Aktien bezeichnet) ausgegeben, wobei sich der Ausgabepreis auf 2,53 HK-Dollar pro Aktie belief. Mit einem Erlös von 8 Milliarden US-Dollar erreichte die CCB auf dem Hong Konger Markt den höchsten Stand aller Zeiten und war bis dahin der größte Börsengang aller chinesischen Unternehmen. Die CCB erzielte bei ihrem Börsengang den bis dahin sechstgrößten Erlös weltweit. Damit erhielten auch mehrere ausländische Investoren Zugang zum chinesischen Finanzmarkt. Die Bank of America hält beispielsweise 9 Prozent der Aktienanteile an der CCB im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar.

Die Reform des Wechselkurses der chinesischen Landeswährung RMB galt im Jahr 2005 als Sensation. Am 21. Juli 2005 kündigte die People's Bank of China an, nach der Genehmigung durch den Staatsrat werde China ab 21. Juli ein flexibles Wechselkurssystem für seine Währung einführen. Das System basiert auf dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage und orientiert sich an einem Währungskorb. Mit der Reform wurde also die ausschließliche Anbindung des Yuan an den US-Dollar aufgehoben. Dieser flexible Wechselkursmechanismus zielt darauf ab, das sozialistische Marktwirtschaftssystem zu vervollkommnen und die grundlegende Wirkung des Marktes bei der Allokation von Ressourcen auszuschöpfen. Damit wurde die Reform des RMB-Kurses gestartet. Bis Ende 2005 behielt der Wechselkurs des RMB eine Aufwerttendenz bei und überstieg gegenüber dem US-Dollar sogar die 8,0750-Hürde.

Im Jahr 2005 gab der chinesische Wertpapiermarkt im großen und ganzen Anlass zu Optimismus und entwickelte sich ausgeglichen. Im Zuge der Entwicklung des Wertpapierwesens in China stellt die Aktienreform zur Umwandlung von nicht handelbaren staatseigenen Aktien in handelbare Aktien ein wichtiges Ereignis dar. Diese Reform trägt dazu bei, systemische Mängel des chinesischen Aktienmarktes zu beiseitigen, historische Probleme zu lösen und schließlich den Abschwung des chinesischen Wertpapiermarktes zu bremsen. Selbstverständlich gibt es auf dem chinesischen Wertpapiermarkt noch viele andere Probleme wie die unausgereifte Verwaltungsstruktur der börsennotierten Unternehmen oder faule Kredite, die durch die Aktienreform nicht gelöst werden konnten. Die Aktienreform muss jedoch von der langfristigen Entwicklung der Unternehmen, des Wertpapiermarktes und der Volkswirtschaft ausgehen, rational geplant werden und die Reform des chinesischen Wertpapiermarktes vorantreiben.

(China.org.cn, 10. Dezember 2006)