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03. 05. 2011 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Das Kino sucht neue Helden

Schlagwörter: Schauspieler, Führer, Verantwortung

Schauspieler, die einer historischen Persönlichkeit gleichen, konnten früher leicht eine Rolle in einem Film oder Fernsehdrama übernehmen, hatten aber danach oft Schwierigkeiten, andere Charaktere zu spielen. Mit einem Fortschreiten der Technik bei den Maskenbildnern wird inzwischen aber vermehrt auf die schauspielerischen Fähigkeiten geachtet.

Schauspieler, die vor allem wegen ihrer Ähnlichkeit mit politischen Führern und anderen historischen Persönlichkeiten für Rollen in "roten Filmen" ausgesucht wurden, tragen eine große politische Verantwortung. Heute sei aber alles etwas offener geworden, sagt der Darsteller Liu Jin.

Als die gutaussehenden jungen Leinwandgrößen Liu Ye und Chen Kun für den Film "Die Gründung einer Partei" in die Rollen von Mao Zedong und Zhou Enlai schlüpften, entstand eine landesweite Diskussion darüber, ob sie sich auch tatsächlich dafür eignen. Manche fanden, dass sie den bekannten politischen Führern ein neues Gesicht verliehen haben, während andere darauf hinwiesen, dass sie überhaupt nicht wie die Personen aussehen, welche sie mimen. Traditionellerweise gleichen die Darsteller in "roten" Filmen und Fernsehfilmen, insbesondere in solchen zum so genannten Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression (1937-1945) und dem chinesischen Bürgerkrieg (1945-1949), nämlich den historischen Vorbildern so stark, dass diese Darsteller als eine "spezielle Gruppe von Schauspielern" bezeichnet wird.

Dieser Titel stammt nicht aus China, sondern aus der früheren Sowjetunion, wo die Lenin- oder Stalin-Darsteller ihre Rollen nicht so sehr wegen ihres schauspielerischen Könnens bekamen, sondern vielmehr wegen ihres Aussehens. Im Jahre 1978 begann das Erste August Filmstudio, das zum chinesischen Militär gehörte, eine landesweite Suche nach Leuten, die ähnlich wie die wichtigsten Staatsmänner des Landes aussahen, etwa Mao, Zhou oder Liu Shaoqi. Die auf diese Weise gefundenen Personen waren allerdings nicht unbedingt Schauspieler. Gu Yue, der für seine Mao-Rolle bekannt wurde, war ein Armee-Offizier bevor ihn Marschall Ye Jianying entdeckte. Ein Schauspieler, der Zhou stark glich, war zuvor ein Filmvorführer.

Es ist kaum überraschend, dass diese Akteure zwar mit ihrem Aussehen punkten konnten – nicht aber mit ihrer Leistungen. Später wurden deswegen professionelle Schauspieler benutzt, welche zufälligerweise den politischen Führern einigermaßen glichen. Der 48 Jahre alte Liu Jin, der in über 40 Fernseh- und Kinofilmen Zhou spielte, ist einer dieser zweiten Generation. Er war 1995 vom Maskenbildner Wang Xizhong entdeckt worden. Liu sagte, dass ein solcher Darsteller in den 1980er-Jahren nicht nur einem historischen Führer gleichen und einigermaßen schauspielern können musste, sondern es war auch wichtig, dass er einen politisch korrekten Hintergrund hatte. Bevor er eine Rolle bekam, wurden er und seine Familie eingehend überprüft.

Heute gebe es keine politischen Überprüfungen mehr, erklärt Liu weiter. Doch die Schauspieler dürfen nicht mit Skandalen befleckt sein. Außerdem müssen sie von den Familien der früheren politischen Führer akzeptiert werden. "Normalerweise verwenden wir keine Bühnenkünstler, die mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht werden oder die in früheren Filmen die Rolle eines Bösewichts oder eines Verräters spielten", sagt Chen Li, Regisseur von zahlreichen patriotischen Filmen und TV-Dramas. "Klugheit ist noch immer notwendig, wenn man mit roten Geschichten zu tun hat."

Viele Leute glauben, dass es lukrativ ist, einen ehemaligen Staatsführer zu spielen. Doch Liu Jin widerspricht dem: "Je stärker das Publikum die Darbietung eines Schauspielers schätzt, desto limitierter sind dessen weitere Karriereangebote. Ich habe vier Jahre lang an einer Schauspielschule gelernt, unterschiedliche Charaktere einzunehmen. Doch nun habe ich kaum noch eine Wahl." Als er 2002 in einer Fernsehserie einen Mann spielte, der die Schwester seiner Frau vergewaltigte, wurde er von Freunden und Fans heftig kritisiert. Sie warnten ihn, in Zukunft nicht wieder in die Rolle eines Bösewichts zu schlüpfen.

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Quelle: China Daily

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