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24. 05. 2013 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Zwischen Wolkenkratzern und Berggipfeln Exklusiv

Schlagwörter: Schweiz Tourismus Bosshart China

Von Wolfgang Kuhn / Beijing

 

Nach sieben Jahren in Beijing sagt Simon Bosshart, Direktor China von Schweiz Tourismus "zai jian" und kehrt zurück in die Hauptzentrale nach Zürich. Im Interview mit china.org.cn blickt er zurück auf eine bewegte Zeit und freut sich über Erfolge und aufregende Erlebnisse.


Simon Bosshart (Foto: Zhang Yue)

China.org.cn: Herr Bosshart, nach sieben Jahren im Chefsessels von Schweiz Tourismus in China heißt es nun Abschied nehmen aus Beijing. Kommt bereits ein wenig Wehmut hoch?

Simon Bosshart: Darüber habe ich bis jetzt noch gar nicht nachdenken können. Ich hatte natürlich das Glück, diesen Abschied relativ langfristig vorzubereiten. Ich habe schon im letzten Jahr habe angekündigt, dass ich zurückwill und habe da auch schon die neue Stelle bekommen in Zürich, wo ich zurückkehre in die Hauptzentrale von Schweiz Tourismus. Ich denke aber auch nicht viel darüber nach, ich kenne schließlich die Schweiz, das ist ja kein fremder Ort für mich. Aber sicher, das Gefühl jetzt ist schon ein wenig abstrakt, ich war jetzt immerhin sieben Jahre hier. Bei allen Ups und Downs, die das Leben hier mit sich bringt, ist das jetzt natürlich schon ein großer Wechsel. Vor allem, wenn man Leute hört, die sagen, dass das Leben in der Schweiz jetzt wieder so langweilig wird (lacht).

China.org.cn: Was hat Sie ursprünglich nach China geführt?

Bosshart: Ich habe Sinologie und Ethnologie in der Schweiz studiert und war auch durch meine Arbeit als Tour-Operator mit China verbunden. Eigentlich war ich zufrieden mit meinem Leben in der Schweiz, aber die Versuchung, diese Stelle in Beijing zu bekommen, war einfach zu groß. Mir war klar, dass dieser Schritt viel Unruhe bringen würde, immerhin war es ein Wechsel mit Kleinkind in eine der größten Städte der Welt. Auf der anderen Seite war das etwas, was ich mir immer gewünscht hatte. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich die Entscheidung relativ rasch getroffen, obwohl sie dafür relativ viel aufgegeben hat.

China.org.cn: Worin bestanden ihre Hauptaufgaben in den letzten Jahren?

Bosshart: Das Nationale Fremdenverkehrsbüro kümmert sich um die Bewerbung der Schweiz als Reiseland weltweit. Ich habe die strategische Gesamtleitung über den Markt China. Das ist ein Traumjob und eine enorm spannende Aufgabe, denn China ist der Markt, wo es weltweit abgeht; wir wachsen jährlich mit 25 bis 50 Prozent. Als Verantwortlicher für Greater China arbeite ich vor allem mit den lokalen Tour-Operators: Wir versuchen zu schulen, zu informieren und die Schweiz in die Produkte reinzubekommen. Wir laden diese Leute in die Schweiz ein, bringen Partner der Schweiz nach China usw. Der zweite wichtige Punkt ist die Medienarbeit, bei dem es vor allem darum geht, die Schweiz in einem positiven Licht sichtbar zu machen. Wir haben sehr viele Medienkontakte hier und liefern Content an Medien, Fernsehsender, Bilder, Textmaterial, geben Interviews und laden pro Jahr zirka 60 Journalisten in die Schweiz ein. In den letzten zwei bis drei Jahren ist auch der Bereich Internet und Social Media wichtig geworden. Auf unserer Webseite finden Individualreisende alle wichtigen Informationen über die Schweiz.

China.org.cn: Mit welchen Argumenten kann die Schweiz in China punkten?

Bosshart: Die Schweiz hat in China einen extrem guten Ruf, auf dem wir aufbauen. Es hat einmal eine Studie der National Branding Agentur der Schweiz gegeben, die das Image des Landes untersucht hat – da hat es kaum einen Schattenpunkt gegeben; höchstens, dass die Schweizer ein wenig konservativ sind. Das ist aber für den Tourismus fast schon wieder gut. Die Schweiz ist in China der Inbegriff der Alpen, obwohl es die natürlich auch anderswo gibt (lacht). Daher geht es bei unserer Bildsprache vor allem um Berge, Schnee, grüne Wiesen, Kühe und blauen Himmel. Unser Claim und unsere weltweite Vermarktungsstrategie ist „get natural“. Das kommt in China gut an – in einem Umfeld, das sich immer mehr verstädtert, was ja auch negative Aspekte wie Umweltbelastung mit sich bringt. Darüber hinaus werben wir natürlich nicht nur mit einem abstrakten Image, sondern mit Einzeldestinationen und gewissen Orten wie Luzern, dem Genfer See, Zermatt usw.

China.org.cn: Worin unterscheiden sich chinesische Gäste von Touristen aus anderen Ländern?

Bosshart: Asiaten sind allgemein gesehen Schnellreiser und verbringen keine Woche an einem einzelnen Ort. Egal, ob sie jetzt zu Hause sind oder in Europa – sie halten es nicht mehr als zwei bis drei Tage in einem Hotel aus, dann geht es weiter. Dieser Rundreisetourismus ist ein spezielles asiatisches Feature. Daher brauchen wir Hotels für eine Nacht, dazwischen werden dann große Strecken gefahren, auch wenn die langsam kürzer werden. Es gibt in der Zwischenzeit 12-Tage-Touren in der Schweiz, diese Touristen sind dann jede Nacht in einem anderen Ort. Das zweite große Kriterium ist, dass China noch sehr stark gruppenorientiert reist. Das hängt mit den Reiseerfahrungen zusammen, denn viele Chinesen sind Erstreiser, wenn sie nach Europa kommen. Da fehlt es an der Sprache und an den Reiseerfahrungen, da ist die Gruppe natürlich ideal, um ein bisschen herumzukommen. Auf der anderen Seite entwickelt sich auch der Individualtourismus, aber auch hier kommen meist zwei bis drei Familien oder die Freunde zusammen. Ganz wichtig sind auch die Motive des Reisens, die nicht ganz dieselben sind, denn für Chinesen ist das Shoppen extrem wichtig. Was für uns die Tempel und die Kirchen sind, das sind für die Chinesen die Shopping-Malls. Eine Reise, ohne dass man in Läden reingeht, geht einfach nicht.

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Quelle: german.china.org.cn

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