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24. 05. 2013 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Zwischen Wolkenkratzern und Berggipfeln Exklusiv

Schlagwörter: Schweiz Tourismus Bosshart China

China.org.cn: Mit welchen Schwierigkeiten sehen Sie sich bei Ihrer Arbeit konfrontiert?

Bosshart: Sicher zählt die Visa-Problematik zu den größten Herausforderungen des Tourismus. Trotz Schengen gibt es weiterhin markante Unterschiede in der Praxis zwischen den Mitgliedstaaten, und das macht die Sache teilweise schwierig. Das haben wir schon immer als wichtige Stoßrichtung identifiziert, und seit 2009 ist aus der Not eine Tugend entstanden, als wir gemeinsam mit dem Schweizerischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und unseren Visa-Sektionen reagiert haben. Wir sind damals auf den Bund zugegangen und haben gesagt, hier muss etwas geschehen, sonst gibt es eine Katastrophe. Wenn wir vom Schweiz Tourismus massiv Geld investieren in die Bearbeitung dieses Marktes und auf der anderen Seite der Bund als Geldgeber verhindert, dass die Leute ins Land kommen können, dann werfen wir das Geld zum Fenster hinaus. Seither haben wir eng mit dem Außenministerium zusammenarbeiten können und sehr gezielt die Probleme lösen. Es wurden sehr kurzfristig Leute aufgestockt in allen Visa-Sektionen und wir haben mit den großen Tour-Operators ein Planungsinstrument aufgezogen. Dadurch wissen die Visa-Sektionen im Vornhinein, was auf sie zurollt. Eigentlich ist das simpel, wir haben einfach geplant und geben laufend die Zahlen an die Visasektionen weiter, die so einen steten Überblick über das Volumen hat. Mit dem System erfassen wir in der Zwischenzeit zirka 60 Prozent der Visas, die von der Schweiz ausgestellt werden. Das hat offenbar Erfolg gezeigt: Die Visazunahmen lagen irgendwo zwischen 50 und 100 Prozent in den letzten Jahren. Jetzt ziehen die anderen Länder nach, und darauf bin ich stolz, denn ich habe das Gefühl, dass das die Schweiz angestoßen hat.


Simon Bosshart (r.) im Interview mit Wolfgang Kuhn, Journalist von china.org.cn (Foto: Zhang Yue)

 

China.org.cn: Abgesehen von diesem Erfolg: Welche Highlights fallen Ihnen ein, wenn Sie auf die vergangenen sieben Jahre zurückblicken?

Bosshart: Summa summarum war es eine extrem befriedigende und aufregende Zeit, weil sich extrem viel bewegt hat. In den letzten sieben Jahren hat sich im Tourismus so viel getan in diesem Land, dass man eigentlich fast ein wenig dumm sein musste, um nicht auf dieser Welle mitzureiten. Wer sich engagiert, hat Erfolg. Eine große Geschichte war für uns der Relaunch von Swiss International Airlines, dass wir wieder einen Direktflug bekommen haben. 2011 konnten wir mit Caissa-Tourisitk eine Charter-Kooperation über Edelweiss-Air aufbauen, und heute haben wir wieder die tägliche Rotation. Das ist schon ein tolles Erlebnis. Der dritte wichtige Punkt ist die Entwicklung des Schweiz-Produkts seit 2006. In der Zwischenzeit hat jeder große Tour-Operator mindestens ein bis verschiedene Mono-Schweiz Produkte im Angebot, davon konnten wir zu Beginn unserer Arbeit nicht zu träumen wagen.

China.org.cn: Wie fällt ihr persönliches Resümee aus?

Bosshart: Ich glaube, dass es mir in diesen 7 Jahren extrem gut hier gegangen ist. Ich habe eigentlich zwei Heimaten; ich bin in China mittlerweile fast genauso zu Hause wie in der Schweiz. Das ist auch familiär bedingt, meine Frau ist schließlich gebürtige Chinesin. Auch meine zwei Kinder sehen beide Länder als ihre Heimat an. Sie haben Großeltern in China und in der Schweiz. Ich bin da genau in der Mitte und glaube, dass die ideale Welt für mich zwischen diesen beiden Ländern liegt. Was ich in China sehr zu schätzen weiß ist, dass sich etwas bewegt, das ist in Europa in dieser Dimension nicht der Fall. China ist heute vermutlich in einer Phase, die in Europa vor 100 Jahren stattgefunden hat, als die Leute wirklich an eine goldene Zukunft geglaubt haben und die Welt sich verändert hat. Das mitzuerleben mit den zwei großen Highlights – die Olympiade in Peking und die Expo in Shanghai –, das war enorm stimulierend und spannend.

China.org.cn: Abschließende Frage: Welchen Geheimtipp würden Sie einem chinesischen Touristen geben, der noch nie in der Schweiz war?

Bosshart: Schwierig, weil wenn ich mit den Geheimtipps beginne, dann höre ich nicht mehr auf (lacht). Es gibt so vieles zu erleben. Ich würde weniger einen Ort wählen, sondern eher die Reiseart. Ich würde auf jeden Fall versuchen, alleine zu gehen und individuell zu reisen, also alleine unterwegs zu sein mit dem Zug zum Beispiel, möglichst nicht nur an die großen Orte zu gehen, sondern auch in die kleinen. Ich würde insbesondere Wert legen auf das Outdoor-Erlebnis. Die Schweiz hat vor allem das aktive Leben in der Natur zu bieten, das ist etwas, was in Zukunft auch in China sehr stark werden wird: In die Berge gehen, wandern gehen oder z.B. einen Gletscher zu überwandern – das ist eines der gewaltigsten Erlebnisse überhaupt.

 

 

Simon Bosshart wurde 1971 nahe Basel geboren. Nach dem Studium der Ethnologie und Sinologie an den Universitäten Bern und Zürich, arbeitete er bei einem Schweizer Kulturreiseveranstalter für Asienreisen, bevor er 2006 von Schweiz Tourismus als Marktleiter Greater China nach Beijing berufen wurde. Seit 2011 war Bosshart zusätzlich als Marktgruppenleiters Asien Pazifik zusätzlich verantwortlich für die Märkte Australien, Japan, Korea und Südostasien.

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Quelle: german.china.org.cn

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