Opern in China (Teil XV): Die Magie der chinesischen Oper (1)

In dieser und der nächsten Folge unserer Reihe zu Opern in China werden wir Ihnen einen Überblick über Ursprung, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der traditionellen chinesischen Opern geben.

Für viele Ausländer, an den Anblick von Ölbildern gewöhnt, ist die chinesische Landschaftsmalerei mit ihrer hauptsächlich schwarzweißen Farbgebung etwas völlig Neues. Ausländer, die die Gelegenheit haben, eine traditionelle chinesische Oper zu sehen und zuvor nur westliches Schauspiel und westliche Oper kannten, können durch die einmaligen Darstellungsmethoden der chinesischen Oper, ihre eigene Bühnenkunst und die dargebrachten Inhalte die Magie und Fremdartigkeit der chinesischen Bühnenkunst erspüren.

Lange Geschichte und reiches Bühnengenre

Die chinesische Oper geht auf Gesang und Tanz der Urgesellschaft zurück. Damals wurden mit Gesang und Tanz Ernte- und Opfergötter gefeiert. Mit der fortschreitenden Geschichte entwickelte und erhöhte sich das Niveau dieser Tanzgesänge allmählich, es entstanden beispielsweise Teufelsbeschwörungen, die noch bis heute verbreitet sind. Gleichzeitig tauchten überall in China auch neue Tänze und Gesänge wie beispielsweise der Yangko-Tanz auf.

Bereits während der Song-Dynastie (960 - 1279) hatte sich die in sich geschlossene Kunst der chinesischen Oper, die sich aus den vier Kunstformen Volksgesang- und -tanz, Bänkelgesang und Komödie zusammensetzte, herausgebildet. Gleichzeitig entstanden allmählich professionelle Schauspieler und kommerzielle Schauspielerensembles.

Mit der Entwicklung der lokalen Opern sind Opern wie beispielsweise die aus den Provinzen Anhui und Hunan bis nach Beijing gekommen, wo sich Anfang des 19. Jahrhunderts die Pekingoper herausbildete. Schon bald war sie überall im Land bekannt. Im Laufe der Zeit wurde sie von unzähligen Künstlern und Volksschauspielern umgestaltet, sie hauchten ihr neue Lebenskraft ein und erweiterten unermüdlich ihr Repertoire. Die ersten Schauspieler wurden berühmt. Die Pekingoper wurde zu einer gesamtchinesischen Opernart, sodass heutzutage viele Ausländer das Wort "Pekingoper" als Synonym für die chinesische Oper verwenden.

In der Tat gibt es auf Chinas Opernbühnen aber nicht nur die Pekingoper. Überall im Land gibt es hervorragende lokale Opern wie z.B. die Errenzhuan, die im Nordosten Chinas beliebt ist; die Yu-Oper aus der Provinz Henan, die Lü-Oper aus der Provinz Shandong, die Shaoxing-Oper aus der Provinz Zhejiang, die Hu-Oper in und um Shanghai und die Yue-Oper aus der Provinz Guangdong. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass es in fast jeder Provinz eine eigene Lokaloper gibt. So wie jede Gegend ihren bestimmten Menschentypus hervorbringt, so haben auch die unterschiedlichen Lebensweisen in den verschiedenen Gebieten unterschiedliche Opernformen hervorgebracht.

Die in Kunshan in der chinesischen Provinz Jiangsu beheimatete Kunqu-Oper wird auch "Ahnherrin der hundert Opern" genannt. Sie hat eine Geschichte von über 600 Jahren und ist die Quintessenz des Kollektivwissens von Generationen von Opernmusikern, Bühnenautoren und Schauspielern. Ihr Stil ist fein und schön. Sie zeichnet sich durch ihren ganz subtilen Gefühlsausdruck aus. Sie besteht aus Tanz und Gesang. Ihre äußere Form ist sehr stringent. Sie ist eine Vertreterin der klassischen chinesischen Oper.

Im Jahre 2000 wurde die Kunqu-Oper von der UNESCO zusammen mit 18 weiteren Positionen in die erste Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Dies bedeutete die Anerkennung der Kunqu-Oper repräsentativ für die traditionelle chinesische Oper.

(Im zweiten Teil dieses Beitrags werden vor allem die Gemeinsamkeiten, die die meisten der traditionellen chinesischen Opern miteinander verbinden, dargestellt. Der Beitrag erscheint am Donnerstag, den 10. Juli 2003)

 

 

(China im Bild/08. Juli 2003)