| Opern in China (Teil XX): Die Kunqu-Oper (4) |
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Heute lesen Sie in unserer Reihe über Opern in China den vierten und letzten Teil zu Geschichte und Inhalt der Kunqu-Oper. Tanz und Gesang in der Kunqu-Oper Die Darstellungskunst in der Kunqu-Oper zeichnet sich durch Feinheit und Strenge aus. Ein ordnungsgemäßes Drama ist ziemlich kompliziert. Alles, nicht nur Akte, Szenen, Ci-Gedichte und Qu-Melodien, sondern auch Rollen, Kulissen, Kostüme, Requisiten, Bewegungen, sogar Stellen auf der Bühne, muss der Autor deutlich vorschreiben. Die Inszenierung muss genau den Anweisungen im Drama entsprechen. Die darstellerischen Besonderheiten der Kunqu-Oper liegen in den Gefühlsäußerungen und den anmutigen Posen der Figuren. Die Posen und Darbietungen der traditionellen chinesischen Opern weisen meistens Tanzelemente auf, die sich aber nicht, wie bei der Kunqu-Oper, durch das ganze Theaterstück ziehen. Bei der Kunqu-Oper ist jedes Ci-Gedicht und jede Körperhaltung der Figuren mit tänzerischen Bewegungen verbunden, dadurch entstand ein vollständiges und striktes Schema bezüglich der Darstellung von Gesang und Tanz. Mei Lanfang, berühmter Meister der Pekingoper, lernte in seiner Jugend nicht nur die Pekingoper, sondern auch die Kunqu-Oper. Er sagte, dass in der Pekingoper außer bei Kampfszenen, bei denen Darstellung und Singen verbunden sind, die Posen der Figuren meistens nur mit Handbewegungen gemischt werden, während bei der Kunqu-Oper die Körperhaltungen ausführlich mit den Ci-Gedichten kombiniert werden. Was im Ci-Gedicht gesungen wird, muss gleichzeitig durch die schauspielerische Darstellung ausgedrückt werden. Bei der Kunqu-Oper werden Gesang und Tanz kombiniert, gleichzeitig wird großer Wert auf das Singen und die Darstellung gelegt. An einen Darsteller der Kunqu-Oper werden somit große Anforderungen gestellt. Die Tänze der Kunqu-Oper lassen sich in zwei Kategorien unterscheiden. Die eine lässt sich als eine halb abstrakte Körpersprache beschreiben, die andere als ein poetischer Gefühlsausdruck der Figuren. Das Opernpotpourri „Zhaojun heiratet in die Ferne“ handelt von der politischen Heirat Wang Zhaojuns, einer Hofdame aus der Westlichen Han-Dynastie (206 v. Chr.-24 n. Chr.), mit dem König der Hunnen. Zum Ausdruck der gemischten Gefühle Wang Zhaojuns und der schwierigen langen Fahrt vom Kaiserhof zu den Hunnen, hat der Autor vorgesehen, dass die Darstellerin von Wang Zhaojun ununterbrochen singen und tanzen soll, während ihr Pferdeknecht einen Salto nach dem anderen macht. Dieses Stück wird nur sehr selten aufgeführt, da die Anforderungen an die Schauspieler so hoch sind, dass nur wenige sie meistern können. Den Zuschauern der Kunqu-Oper wird es auch nicht leicht gemacht. Die Ci-Gedichte sind tiefsinnig und stilvoll. Die Singweise ist langsam, so dass Zuschauer, besonders diejenigen, die mit dem Stück nicht vertraut sind, den Text nur schwer verstehen können. Außerdem sind die Dramen im allgemeinen zu lang. Im Juni 2001 wurde z.B. das Stück „Der Päonien-Pavillon“ der Kunqu-Oper in Deutschland aufgeführt. Die Aufführung dieses aus 55 Akten bestehenden Stücks dauerte insgesamt 19 Stunden. „Grenzerfahrung der Dramatik“, so kommentierten die lokalen Zeitungen. Deshalb werden meistens nur ein bis drei Akte dieses Stücks aufgeführt. Die Kunqu-Oper heute In den 600 Jahren seit ihrer Entstehung galt die Kunqu-Oper stets als die beste der traditionellen chinesischen Opern, obwohl sie ein großes Auf und Ab erfahren hat. Sie spielte für die Entstehung und Entwicklung der Singweisen, Darstellungen, Repertoires anderer Opernarten eine leitende Rolle. Im Verlauf ihrer Geschichte bereicherte die Kunqu-Oper nicht nur das geistige Leben der Zuschauer, sondern verbreitete auch soziale Moral, Ansichten über Loyalität, Pietät, Gutherzigkeit und Gerechtigkeit, die Sehnsucht nach dem schönen Leben und der treuen Liebe. Dadurch förderte sie die Bildung des Temperaments der chinesischen Intellektuellen in der feudalen Gesellschaft. In den letzten Jahren veränderten sich das Leben und die Interessen der Menschen in China sehr schnell. Angesichts eines regelrechten Ansturms neuer Kulturströmungen wurde die Existenzberechtigung der Kunqu-Oper immer wieder in Frage gestellt. Dennoch konnte sie bis heute ihre Tradition aufrecht halten und sich behaupten. Durch die Aufnahme der Kunqu-Oper in die UNESCO-Liste des mündlich überlieferten und immateriellen Erbes der Menschheit im Mai 2001 wurde ihr Wert endlich auch von der Welt anerkannt. Diese Anerkennung ist für die Pflege und die Belebung bzw. die weitere Entwicklung der Kunqu-Oper von großer Bedeutung. (In der nächsten Folge unserer Serie zu Opern in China stellen wir Ihnen Zhu Jiajin vor, den Ehrenvorsitzenden der Beijinger Studiengesellschaft für die Kunqu-Oper. In dem Beitrag geht es unter anderem um die Perspektiven der Kunqu-Oper. Der Beitrag erscheint am Dienstag, den 29. Juli 2003.) (China Heute/China.org.cn, 24. Juli 2003) |


