Die Tour wird einem leicht gemacht – selbst ältere oder schwächere Leute hätten keine Schwierigkeiten, die ausbetonierten Gehwege, die ebenerdig wie auch in hohen Lüften entlang der Bergränder angelegt sind, zu meistern. Gipfel gibt es soweit das Auge reicht, Hunderte, wenn nicht Tausende. Sie sind das Ergebnis vieler Jahre der Erosion und ein unverkennbares Merkmal von chinesischen Landschaften. Wem der atemberaubende Ausblick der Gipfel allein noch nicht genügt, der mache eine Tour durch sie. Starten kann man mit einer 385 Meter-Auffahrt im Glas-Lift Bailong an der Außenseite eines Berges, dem welthöchsten, freibeweglichen Fahrstuhl. Dann kann man auf dem Berg Tianmen die längste Seilbahn (7,5 Kilometer) der Welt nehmen, gefolgt von einem weiteren luftigen Trip auf einem an den Seiten offenen Zweisitzer, der an solche von Ski-Resorts erinnert, mit nichts als Luft zwischen einem selbst und den Wolken mit Ausnahme eines beweglichen Metallbalken. Während der malerischen Seilbahnfahrt blickte ich auf den Weg vor mir. Die Seilbahn machte plötzlich eine Biegung und verschwand vertikal im Nebel über mir. Mit Sicherheit fährt niemand da hoch. Falsch! Diese atemberaubende Fahrt führte mich durch die Wolken, als ob ich wahrhaftig durch den Himmel flöge. Auf der Tour traf meine Gruppe auf eine Gruppe von deutschen Reisenden, die dieselbe Route nahmen. Sie pflichteten mir bei, dass die Gipfel im National-Waldpark alles an Erwartungen übertrafen. Sie zeigten außerdem Mitleid mit mir und ließen mich für den Tag in ihre Tour-Gruppe, so dass ich von ihrem englisch-sprachigen Reiseführer profitieren konnte. Ich hing an ihnen wie eine Zecke und hätte fast gefragt, ob ich mich am folgenden wieder anschließen dürfte Tag, doch fand am Abend heraus, dass ihre Unterkunft 20 Minuten von meiner entfernt war – der Tourbus-Fahrer erklärte sich bereit, mich für 100 Yuan zurück zu fahren. Offenbar ist niemand unwillig, Hilflose auszunehmen.
Mein einwöchiger Trip endete mit einer 4-stündigen holprigen Fahrt zu der charmanten 1.300 Jahre alten Stadt Fenghuang (Phoenix-Stadt), die Heimat der ethnischen Minderheit der Miao ist Wem die Haarnadelkurven in Zhangjiajie noch nicht den letzten Nerv geraubt haben – dies wird es mit Sicherheit: Unsere Gruppe raste mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die kurvenreichen Straßen, mit abschüssigen Gefällen bei jeder Kurve und der Hupe unseres Fahrers, die quasi ununterbrochen ertönte als ob seine Hand an ihr festgenagelt war. Doch in Fenghuang angekommen verlangsamte sich der Puls als ich die bezaubernde Anmut der Stadt in mir einfing. Tagsüber unternahm ich einen Trip zur Südlichen Großen Mauer im Vorort der Stadt. Erbaut wurde sie bereits vor 450 Jahren von Herrschern der Ming-Dynastie (1368-1644) zur Verteidigung der Stadt vor den rebellischen Miao, doch entdeckt wurde sie erst im Jahr 2000. Die ursprüngliche Länge von 190 km ist entweder durch Einstürze oder durch Verfall geschmälert worden. Zurück in der Stadt wurde eine schöne Bootsfahrt durch den Fluss Tuojiang angeboten, der durch das Herz der Stadt verläuft und damit eine gute Gelegenheit bot, die auf hohen Pfählen gebauten Häuser am Ufer zu bewundern. Am Abend hieß es Abschied nehmen mit dem Besuch einer der zahlreichen Bars und Restaurants am Fluss. Glücklicherweise ist "ganbei" ("Prost") ein universal-sprachlicher Begriff. Mein Hotel, das Grand, befand sich 10 Gehminuten von der belebten Einkaufsstraße entfernt. Wie das Xiang Dian gab es freien Internetzugang - das Grand stellte sogar einen PC mit Internet in meinem Zimmer zur Verfügung, ideal um Digitalfotos zu speichern.
Die Region Zhangjiajie wird verdientermaßen von Tourismusagenturen als Höhepunkt gehandelt, und die Menschen dieser Region bezauberten mich von Anfang bis Ende. Mit der Zeit werden mit Sicherheit immer mehr ausländische Besucher den Ort auf der Landkarte entdecken. Ich hoffe, auf einer für alle verständlichen Landkarte.