Unterwegs auf der „Neuen Seidenstraße“
Chinesischer Unternehmer bringt Aleppo-Seife nach China
Li hat sich vorgenommen, in Tianjin ein Museum für Aleppo-Seife zu gründen. „Wenn sich die Lage in Syrien etwas beruhigt hat, werde ich wieder dorthin gehen, um Werkzeuge sowie andere interessante Gegenstände für die Ausstellung zu sammeln“, erklärt er. „Die Aleppo-Seife ist ein Stück syrischer Kulturgeschichte. Mittlerweile sind aber die meisten Manufakturen komplett zerstört. Ich möchte in meinem Museum die technischen und kulturellen Elemente der Seifenherstellung aufbewahren und dem Publikum präsentieren.“
Li empfängt den syrischen Koch in seinem Büro
Liebe zur arabischen Kultur
Jahrelang handelte Li hauptsächlich mit arabischer Herrenmode. Die Textilien werden in seinen Fabriken in China hergestellt. Zu seinem Kundenkreis zählen hauptsächlich Geschäftsleute aus Saudi-Arabien, Kuwait, dem Jemen und Syrien. Seit einigen Jahren führt er auch arabische Damenmode im Sortiment. Das Geschäft läuft gut; allein im vergangenen Jahr lieferte er 50 Container, mit denen er etwa 15 Millionen US-Dollar Jahresumsatz macht.
Seine Geschäfte nehmen natürlich viel Zeit und Kraft in Anspruch. Mehr als drei Monate im Jahr ist er auf der ganzen Welt unterwegs, um mit seinen Kunden zu verhandeln oder neue Kontakte zu knüpfen.
Sein Warenangebot beim Importgeschäft ist viel größer als beim Export. Im vergangenen Jahr führte er unter anderem vier Container voller Teppiche aus der Türkei ein. Im Nordwesten Chinas kann er diese sehr gut verkaufen, denn dort sind orientalische Teppiche als Dekoration sehr begehrt. Um derart feine Teppiche zu weben, werden spezialisierte Maschinen benötigt, über die China noch nicht verfügt. Nebenher plant er auch die Eröffnung eines Bioladens, in dem ökologisch hergestellte Lebensmittel angeboten werden, wie zum Beispiel Honig aus dem Jemen und Safran aus dem Iran.
2016 in Saudi-Arabien, bei einem Treffen mit Verkäufern
Es ist schon mehr als 20 Jahre her, dass Li 1994 sein Studium an der Fremdsprachenuniversität Peking abgeschlossen hat. Danach arbeitete er zunächst für einen staatseigenen Betrieb im Außenhandel. Später gründete er dann seine eigene Firma. In seinem gesamten Berufsleben hatte er vor allem mit den Ländern des Nahen Ostens zu tun. So verwundert es nicht, dass er die arabische Kultur aus ganzem Herzen liebt. Selbst sein Entschluss, Arabistik zu studieren, geht auf seine Faszination für die Erzählung der „Märchen aus 1001 Nacht“ zurück.
Der intensive Kontakt zur arabischen Welt hat bereits viele seiner Lebensgewohnheiten verändert. Vor allem die arabische Esskultur hat er schätzen gelernt. Seinen Landsleuten möchte er die Halal-Kultur näherbringen. Denn Lebensmittel, die nach islamischen Reinheitsvorschriften hergestellt sind, hält er für gesünder und hygienischer. So plant er, in Tianjin ein Restaurant für arabische Spezialitäten zu eröffnen. Dazu hat er extra einen syrischen Koch eingestellt. Auf der Speisekarte stehen Spezialitäten aus Syrien, dem Libanon, klassische arabische Desserts, aber auch italienische Speisen.
Wegen des Krieges ist Li schon seit Jahren nicht mehr in Syrien gewesen. Doch auf die Frage, ob er nach dem Krieg nach Aleppo zurückkehren will, antwortet er mit absoluter Bestimmtheit: „Ja, auf jeden Fall!“








