„Theatertreffen“: Zwei ausgezeichnete deutsche Theaterstücke in Beijing zu sehen Exklusiv
Von Chen Qi, Beijing
Ab Mittwoch ist das Erste von zwei deutschen Theaterstücken in Beijing zu sehen: „der die mann“ (Volksbühne Berlin, Regie: Herbert Fritsch) am 7. und 8. Juni. Einen Monat später, am 7. und 8. Juli, folgt „Stolpersteine Staatstheater“ (Badisches Staatstheater Karlsruhe, Regie: Hans-Werner Kroesinger). Im Rahmen des „Theatertreffens in China“ werden die zwei Inszenierungen aus dem Programm des Berliner Theatertreffens 2016 im Tianqiao Performing Arts Center in Beijing aufgeführt.
Pressegespräche zum „Theatertreffen in China“ am Goethe-Institut China. Teilnehmer: Enrico Brandt (Mitte), Leiter der Kulturabteilung der deutschen Botschaft Peking; Rafael D. Deschka (2.v.l), Stellvertretender Institutsleiter, Goethe-Institut China; Dr. Christoph Ludewig (2.v.r.), Director CEO Communication & Culture, Volkswagen (China) Investment CO.; Frau Peng Qian (r.), Vertreterin von Wu Promotion (Foto vom 6. Juni 2017, Beijing)
Das auf fünf Jahre angelegte Projekt „Theatertreffen in China“, das im Jahr 2016 von Wu Promotion in Kooperation mit dem Goethe-Institut ins Leben gerufen wurde, geht in sein zweites Jahr. Jedes Jahr sollen zwei bis drei ausgewählte deutsche Theaterstücke in China aufgeführt werden.
Dem stellvertretenden Leiter des Goethe-Instituts Beijing, Rafael D. Deschka zufolge, wird es neben den Aufführungen auch noch Workshops, Publikumsgespräche und Einführungen in weitere Inszenierungen geben, wie er auf einer Pressekonferenz am Dienstag mitteilte. Das „Theatertreffen in China 2017“ wird vom deutschen Auswärtigen Amt und der Volkswagen Group China unterstützt.
Von der Präsentation zur Koproduktion: Kulturaustausch im Theaterbereich
Der Leiter der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Beijing, Enrico Brandt, nahm an der Pressekonferenz teil und würdigte das Projekt „Theatertreffen in China“ als erfolgreichen und bedeutsamen Beitrag zum deutsch-chinesischen Kulturaustausch.
„Im Kulturaustausch geht es nicht nur um die Präsentation deutscher Kunst und Kultur in China, sondern auch um Zusammenarbeit. Es gibt Beispiele aus der Vergangenheit, wie der Austausch intensiviert werden konnte, nämlich durch deutsch-chinesische Koproduktionen.“
Als Beispiel führte Brandt das Theaterstück Faust an, das als Peking-Oper realisiert und im Mai in Wiesbaden aufgeführt worden war. In dieser kreativen Form habe das deutsche Publikum einen besseren Zugang zur Peking-Oper erhalten, gleichzeitig habe die chinesische Seite mehr über die klassischen Werke Goethes erfahren können, so Brandt.
Zwei Produktionen zeigen Vielfalt und neue Trends der deutschen Theaterszene
Der Dramaturg Jeroen Versteele von den Berliner Festspielen berichtete von zwei Theaterstücken, die in China zu sehen seien. Diese seien Meisterwerke des deutschen Theaters und extreme Beispiele für die Vielfalt der deutschen Theaterlandschaft. „Anhand dieser Produktionen kann man erkennen, wie unglaublich divers deutsche Theaterstücke sein können“, sagte er.
Das Stück „der die mann“ ist eine große Bühnenproduktion, die für großes Regietheater steht. „Der Regisseur Herbert Fritsch bringt die gesamte Bühnentechnik zum Einsatz – Licht, Drehbühne, Schauspieler mit Bungee-Seil, Musik. In der Inszenierung sieht man eine ganz andere Welt auf der Bühne, mit ihren eigenen Regeln und einer eigenen Logik. Die Schwerkraft scheint hier nicht mehr zu funktionieren, und die Sprache auch nicht. Hier gelten andere moralische Gesetze und die Identität ist ganz anders hier.“
Auf der anderen Seite steht das Stück „Stolpersteine Staatstheater“ für einen ganz anderen Trend: das Dokumentartheater. Es betrachtet die Geschichte des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe zur Zeit des Nationalsozialismus.
Hans-Werner Kroesinger, einer der führenden Dokumentartheatermacher Deutschlands, hinterfragtzusammen mit seiner Kollegin Regine Dura, was damals innerhalb des Theaters vor sich ging und wie die jüdischen Mitglieder des Theaters behandelt wurden. Die Inszenierung bietet den Zuschauern eine völlig neue Erfahrung: Zuschauer und Schauspieler sitzen um einen Tisch herum, der die Form eines Hakenkreuzeshat. Beide Stücke wurden als besonders sehenswert ausgezeichnet.










