Fast-Fashion-Sektor verliert an Beliebtheit

Esprit schließt Geschäfte in China Ende Mai

15.05.2020

Die internationale Bekleidungsmarke Esprit hat ihren Rückzug vom chinesischen Markt für Ende Mai angekündigt. Obgleich auch die Corona-Krise zweifellos einen Einfluss hatte, verdeutlicht dieser Schritt den generellen Bedeutungsverlust des Fast Fashion-Sektors.


 

Esprit gab bekannt, dass es sein Geschäft ab dem 31. Mai vollständig schließen werde. Tatsächlich hat Esprit das Inventar in seinen chinesischen Geschäften über seine offizielle Website bereits seit Februar mit einem Rabatt von 90 Prozent ausverkauft. Im April folgte auch der Flagship-Store auf Tmall dem Rabattangebot, womit Esprit den Countdown für seinen Abschied vom chinesischen Markt einleitete.


Der einst sehr beliebte Fast Fashion-Sektor [ein Geschäftsmodell, bei dem die Kollektionen laufend geändert werden und die Zeit von den neuesten Designs bis zur Massenware stark verkürzt wird] hat einen Engpass erreicht, und Esprit ist aktuell nur eines von vielen Beispielen für den Niedergang der Branche. 


Bereits lange vor der Corona-Epidemie haben andere Marken wie Topshop, Forever 21, oder Newlook den chinesischen Markt verlassen. Unter den Auswirkungen der Pandemie sind nun noch mehr Modemarken in große Schwierigkeiten geraten. Der Aktienkurs des US-amerikanischen Bekleidungsriesen GAP ist seit Anfang dieses Jahres um bis zu 60 Prozent eingebrochen, sein Marktwert um 4 Milliarden US-Dollar gesunken.


Ying Meilong, CEO eines im südchinesischen Guangdong ansässigen Bekleidungsunternehmens., erklärte gegenüber 21st Century Business Herald, dass die Frühlingskollektion seiner Firma nicht verkauft werden und die Sommerkollektion nicht produziert werden konnte. Die Anzahl der Bekleidungsfabriken sowie der vor- und nachgelagerten Akteure sei riesig. In der derzeitigen Krise bleibe vielen der Unternehmen nichts anderes übrig, als den Markt zu verlassen, um sich selbst zu retten.

 

Fast Fashion ist nicht mehr angesagt


Der Wind hat sich gedreht und die abnehmende Beliebtheit für Fast Fashion in China hat auch einen beispiellosen Einfluss auf die ausländischen Marken. Chinas Markt folgt seinen eigenen Regeln, die nicht vergleichbar mit denen auf anderen Märkten sind. Angesichts von hohen Marketingausgaben für in China wichtige Werbekanäle wie Live-Übertragung mit Online-Prominenten oder Werbeaktionen auf öffentlichen WeChat-Konten sind ausländische Marken oft nicht mehr in der Lage, schnelle Entscheidungen zu treffen. Dieser Trend ist zu einem großen Problem geworden, der die Entwicklung von Fast-Fashion-Marken einschränkt.


Analysten erklären, dass Esprits unklare Position auf dem chinesischen Markt im letzten Jahrzehnt und der Aufstieg von hochwertigeren Einzelhandelsmarken wie Zara oder Uniqlo dazu geführt hätten, dass Esprits Einfluss allmählich zurückging. Es bestehe kein Zweifel daran, dass sowohl die Produktpositionierung als auch die Struktur der Vertriebskanäle und das Management der betrieblichen Abläufe außer Kontrolle geraten seien. Ob mit oder ohne Einfluss der Epidemie - der Rückzug war die logische Konsequenz.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Esprit,Geschäfte,China,Bekleidungsmarke,Fast Fashion