Eine Realität
Die Vertiefung der Industriekooperation zwischen China und Deutschland Exklusiv
Von Robert Fitzthum
Es klingt ja fast unglaubwürdig: während der deutsche Kanzler Merz bei jeder sich bietenden Gelegenheit wiederholt, dass Deutschland eine Politik des „De-Risking“ gegenüber China betreiben müsse, sehen die deutschen Unternehmen die Situation ganz anders. Sie verstärken die Investitionen und Kooperationen in und mit China, da sie die Vorteile ganz klar abschätzen können.
Die Handelsbeziehungen
So hat China die USA als wichtigster Handelspartner Deutschlands wieder überholt. Der Außenhandelsumsatz mit China stieg von Januar bis September 2025 dank großer Importe aus der Volksrepublik leicht um 0,6 Prozent auf 185,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. China war so mit Importen in Höhe von 124,5 Milliarden Euro mit weitem Abstand vor den Niederlanden das wichtigste Lieferland für Deutschland. Dass immer mehr deutsche Firmen vor Ort in China produzieren, trägt natürlich zum Rückgang deutscher Exporte nach China im Jahr 2025 bei.

Das Foto zeigt eine Ansicht des Hafens von Qinzhou in der Stadt Qinzhou. (16. September 2025, Xinhua)
Chinas Exporte nach Deutschland spiegeln schnelle Zuwächse in den Sektoren der grünen und digitalen Wirtschaft wider. Elektrofahrzeuge, Lithium-Ionen-Batterien, Solarmodule und Unterhaltungselektronik haben traditionelle Waren wie Möbel und Textilien überholt.
Auto, Auto, Auto
Auch der Import von Halbleitern ist vor allem für die deutsche Autoindustrie von großer Bedeutung. Schon jetzt sind deutsche Autos ohne chinesische Komponente nicht mehr denkbar. Martin Geißler, Chipexperte der Beratung Advyce, schätzt, dass 90 Prozent eines Autos ohne chinesische Teile nicht gebaut werden können.
„Es wird für die Automobilbranche durchaus attraktiv, intensiver Halbleiter in China einzukaufen“, sagt BMWs neuer Einkaufsvorstand, Nicolai Martin, der deutschen Tageszeitung Handelsblatt. Denn China könne sehr große Mengen an Halbleitern zur Verfügung stellen. „Auf diese günstigen Chips nicht zurückzugreifen, wäre schwierig“, sagt Martin. Für das Unternehmen ist klar, dass das Decoupling kaum umsetzbar ist. Es ergebe „keinen Sinn, eine vollständige Abkopplung von China anzustreben. Ganz im Gegenteil“, sagt Martin im Interview im Handelsblatt.
Stell dir vor, es ist „De-Risking“ und fast keiner macht mit: „De-Risking“ wird zu „In China, für China“
In der Praxis hat sich „De-Risking“ für viele deutsche Unternehmen weitgehend als eine „In China, für China“-Strategie übersetzt. Dieser Ansatz konzentriert sich auf die Vertiefung lokaler Geschäftstätigkeit, Partnerschaften und Lieferketten innerhalb Chinas, um die Marktresilienz und Wettbewerbsfähigkeit in einem wichtigen globalen Markt zu gewährleisten. Anstatt sich zurückzuziehen, haben deutsche Unternehmen sich tiefer in die chinesische Wirtschaft verankert, um ihre Geschäftstätigkeit von externen politischen Schocks abzuschirmen und möglicherweise von der nächsten Welle der Globalisierung chinesischer Unternehmen zu profitieren. So auch BMW. Beim diesjährigen World New Energy Vehicle Congress (WNEVC) stellte Sean Green, Präsident und CEO der BMW Group Region China, auf einem Seminar im Rahmen des Kongresses die Partnerschaften des traditionsreichen Autoherstellers mit chinesischen Unternehmen vor. Dabei hob Green gemeinsame Projekte mit dem Batterie-Giganten CATL zur gemeinsamen Entwicklung großer zylindrischer Zellen, eine Partnerschaft mit dem chinesischen Start-up Momenta zur Entwicklung von Fahrerassistenz-Software sowie Kooperationen zur Integration des KI-Modells von Alibaba und zur Integration des digitalen Ökosystems von Huawei in BMW-Fahrzeuge hervor.













