Home Aktuelles
Multimedia
Service
Themenarchiv
Community
Home>Reise Schriftgröße: klein mittel groß
23. 12. 2009 Druckversion | Artikel versenden| Kontakt

Schnee, Sonnenuntergang und Simatai

Die schneebedeckte Große Mauer bei Simatai glänzt im Lichtstrahl des Sonnenuntergangs.
"Nach Simatai? Nochmal? Schneit es nicht auch in Beijing?", fragte meine Mutter in Kalkutta am Telefon.

Ich hatte ihr von der Idee erzählt, den Schnee auf der Großen Mauer fotografieren zu wollen. Simatai ist der steilste, höchste (rund 1000 Meter über dem Meeresspiegel) und wohl malerischste und am wenigsten besuchte Mauerteil in der Nähe Beijings. Er wurde erstmals 1368 gebaut und in der Mitte der Ming Dynastie im späten 16. Jahrhundert wieder aufgebaut. Simatai ist einer der ältesten und am wenigsten beschädigten Abschnitte der großen chinesischen Grenzbefestigung. Es ist Zeit, seinen jungfräulichen Glanz vor der Schneeschmelze einzufangen.

"Pass auf, wo du hintrittst", sagte Mutter. "Die Mauer ist sehr alt, oder? Es kann sich jederzeit ein Steinbrocken lösen und herunterfallen." Meine Mutter kann manchmal echt anstrengend sein. Doch um 18.30 Uhr auf dem Abstieg der nicht enden wollenden schneebedeckten Stufen im Stockdunkel, als mich ein starker Wind fast die Mauer hinuntergeweht und die steile Schlucht hinuntergeschleudert hätte – in etwas was in dieser Stunde wie die andere Seite der Zivilisation aussah – dachte ich an sie.

Bei Minusgraden waren meine Hände schlapp, bereit, für die Menschheit tief gefroren zu werden. Ein dünner Tropfen Schleim lief ununterbrochen aus meiner Nase und tropfte in den zweifach um meinen Hals und Mund gewickelten Schal. Meine Beine, die in zwei Paar Hosen steckten, zitterten. Die Stufen, die ich herunterstieg – es müssen Tausende gewesen sein – waren uneben und zerbrochen und führten teilweise ins Nichts. Die Mauern an beiden Seiten der Brüstung öffneten sich boshaft ungefähr alle zwei Meter. Sie hatten gähnende Löcher in der Größe des Mundes eines Zyklops.

Das erste Mal in meinem Leben fragte ich mich, ob ich anfangen sollte, einige der 330 Millionen Götter der hinduistischen Ruhmeshalle anzurufen. Ich rutschte aus und fiel auf einen harten Eisklotz, der unter einem klaren, sternenhellen Himmel glitzerte und funkelte. Wenn ich mir etwas brechen würde und die ganze Nacht hier verbringen müsste, würde ich sicherlich erfrieren.

1   2   3   vorwärts  


Quelle: China Daily

Druckversion | Artikel versenden | Kommentar | Leserbrief | zu Favoriten hinzufügen | Korrektur

Kommentar schreiben
Kommentar
Ihr Name
Kommentare
Keine Kommentare.
mehr