"Gegenstrom" auf der Berlinale – "Chang Jiang Tu" in der Kritik Exklusiv
Schauplatz der Berlinale: der Filmpalast.
Doch viele sind auch der Meinung, dass die Handlung des Films zu simpel, die Erzählweise an manchen Stellen zu implizit und unklar ist. "Wie Gefühle und andere Elemente dargestellt werden, ist schwer verständlich und die Art und Weise der Darstellung unterscheidet sich doch sehr von der westlichen…. Mir gefällt die Erzählweise nicht sehr. Um den Film auf eine Länge von zwei Stunden zu bringen, muss die Handlung geheimnisvoll erzählt werden, aber dadurch entsteht eher eine gekünstelte Atmosphäre." Und natürlich gibt es auch solche, die denken, dass "man den Film gar nicht verstehen muss".
Fang Yu, der seit langen Jahren bei der Berlinale als Übersetzer tätig ist, findet ebenfalls, dass die Gefühle in dem Filme keine natürliche Verbindung haben. Der Sinologe Dr. Andreas Guder meint sogar, dass die kulturellen Unterschiede Einfluss auf das Verständnis des Films haben können. Ihm zufolge bräuchten die Zuschauer Kenntnisse über China, den Jangtse-Fluss und die chinesische Sprache, um den Film vollends verstehen zu können. Er betont aber auch, dass der Film nicht wie andere kommerzielle Filme ist: "Er ist sehr lyrisch, langsam und elegisch. Man muss China, den Jangtse-Fluss und am besten noch die chinesische Sprache kennen, um ihn zu mögen. Aber, dass es kein Film für ein breites Publikum ist, ist doch klar." Guder macht zudem deutlich, dass die Berlinale eben kein solches Filmfestival sei, bei dem es um den kommerziellen Erfolg eines Filmes ginge. Vielmehr seien dort die Ästhetik und der soziale und politische Wert eines Filmes Gegenstand der Diskussion. "Die Berlinale ist ein FilmKUNSTfestival, das bedeutet nicht, dass dort die vermutlich erfolgreichsten Filme gezeigt werden, sondern diejenigen, die Filmkenner als besonders wertvoll, besonders ästhetisch oder politisch wichtig betrachten." Zudem seien die Zuschauer der Berlinale keine typischen, regelmäßigen Kinogänger Deutschlands. Dadurch, dass die dichterische Aussage und Exotik von "Chang Jiang Tu" einem eher langsamen Rhythmus folgen, sei der Film ohnehin nicht für den großen, kommerziellen Markt gedacht.
Nach der Premiere auf der Berlinale gewann "Chang Jiang Tu" sogleich die Aufmerksamkeit der deutschen Medien und genoss die Anerkennungen von Branchenexperten. Das Lokalmedium rbb-online in Berlin kommentierte den chinesischen Film so: "Überraschung zur Halbzeit der Berlinale: Der chinesische Regisseur Yang Chao schenkt dem Wettbewerb mit 'Chang Jiang Tu' einen großen Höhepunkt. Ein metaphysischer, rätselhafter Film über eine Schifffahrt auf dem Jangtse, bei dem die Ebenen auf das Schönste ineinanderfließen."
Gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sagte Dieter Kosslick, der Präsident der Internationalen Filmfestspiele Berlin, dass der Film einen sehr einzigartigen Stil habe, der in der Geschichte der Berlinale so noch nicht zu sehen gewesen sei. Mit einer speziellen Ästhetik erzähle der Film eine Geschichte vom Fluss und Ufer. Obwohl er schwierig zu verstehen sei, könnten ihn die Filmfestspiele und seine Zuschauer dennoch meistern.












