Chinesisch hat keine falschen Freunde

13.10.2016

Mit anderen Worten in eigener Sache

Wie beruhigend, wie bequem ist es da doch für all jene, die sich der lateinischen Schrift oder einer Transliteration in ihre Landesschrift bedienen, um Konzepte wie das oben genannte Museum, wissenschaftliche Wörter (wie Biologie) oder politische (wie Demokratie) auszudrücken. All diese Wörter, auf die sich ein großer Teil der Welt geeinigt hat, sind Internationalismen.

Anders als Wörter wie „übergeben“, welches zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen ausdrückt, sind Internationalismen oft relativ vage, wie „Politik“, aber um eine Idee herum definiert, während reguläre Wörter klar, aber sehr unterschiedlich definiert sein können. Hygiene hat beispielsweise etwas mit Sauberkeit oder im weiteren Sinne mit der Absage von unsauberen Praktiken zu tun, wie bei der Schlafhygiene. Einen Zug hingegen kann man machen, haben und in ihm fahren.

Zu den Internationalismen zählen heutzutage auch Entlehnungen aus dem Englischen als dominierende Lingua anglica. Jedoch besteht Englisch mit einem Umweg über das romanische Französische zum Großteil ebenfalls aus lateinischen und griechischen Wörtern. Internationalismen bieten die Möglichkeit der Flucht in eine andere Sprache, falls die eigene zu ungemütlich erscheint. Diese Praktik stellt auch in Deutschland ein häufiges Phänomen dar.

So könnte man mal eben einer Freundin davon erzählen, dass man auf einem Public Viewing plötzlich gemerkt hat, dass man das Handy in seinem Oldtimer gelassen hat. Dass man mit den Nomen des Satzes in England nicht weit kommen würde, hat sich mittlerweile auch in deutschsprachigen Regionen ein wenig herumgesprochen.

Die drei englisch-anmutenden Wörter sind sogenannte Scheinanglizismen, die auf Englisch entweder gar nicht benutzt werden oder eine gänzlich andere Bedeutung haben. Gängigerweise bezeichnet man ein Handy als „mobile phone“ oder „cellphone“, einen Oldtimer als „antique car“ und Public Viewing als „fan fest“. Ein Oldtimer bezeichnet auf Englisch hingegen eher eine Person und das Public Viewing die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen.

Die Nutzung oder Zweckentfremdung von Internationalismen und der englischen Sprache lässt sich an zwei Wörtern verdeutlichen: zum einen am Patriotismus und zum anderen am erwähnten Public Viewing. Beide Konzepte könnten auch auf Deutsch ausgedrückt werden, finden aber teils bedingt durch die deutsche Vergangenheit hauptsächlich auf Englisch Verwendung.

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Quelle: people.cn

Schlagworte: Sprache,Chinesisch,Internationalismen