Zerstörung des Kachowka-Staudamms: Potenzieller neuer „Nord Stream“-Fall mit unbekanntem Täter

08.06.2023

Während für die Explosionen der Nord-Stream-Pipelines noch immer die umfassenden und objektiven internationalen Untersuchungen ausstehen, wurde am Dienstag ein großer Staudamm in dem von Russland kontrollierten Teil der Südukraine gebrochen. Dies könnte zu einem „weiteren Rashomon-Zwischenfall“ werden, da sowohl die Ukraine als auch Russland anschließend erklärten, dass es sich um einen absichtlichen Angriff der jeweils anderen Seite gehandelt habe. Dieses „Rashomon“-Prinzip geht auf einen gleichnamigen japanischen Film aus den 1950ern zurück und meint, einen einzigen Vorfall aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen.

(Foto von VCG)

Einige chinesische Beobachter warnten, dass solche schwerwiegenden Angriffe, unabhängig davon, welche Seite sie verübt hat, eine weitere Eskalation der Ukraine-Krise signalisieren würde und dass der russisch-ukrainische Konflikt außer Kontrolle gerate.

China äußerte am Dienstag und Mittwoch seine ernste Besorgnis über die Zerstörung des Staudamms des Wasserkraftwerks Kachowka und forderte alle Parteien auf, sich weiterhin für eine politische Lösung der Krise einzusetzen und gemeinsam an der Entschärfung der Situation zu arbeiten.

Der große Staudamm und das Wasserkraftwerk seien am frühen Dienstag zusammengebrochen, was Massenevakuierungen und die Befürchtung einer großflächigen Umweltzerstörung zur Folge hatte. Durch den Anstieg des Wasserspiegels infolge der Zerstörung des Staudamms sei das Gebiet überschwemmt und etwa 600 Häuser überflutet worden, wie die russische Zeitung TASS am Dienstag berichtete.

Den Bewohnern flussabwärts des Kachowka-Damms am Fluss Dnipro in Cherson wurde gesagt, „sie sollten alles tun, um ihr Leben zu retten“, berichtete CNN am Dienstag, während Videoaufnahmen eine Flut von Wasser zeigten, die aus einem riesigen Bruch im Damm strömte.

Der kritische Kachowka-Damm ist der größte Stausee der Ukraine, was das Volumen angeht. Die Schäden betreffen aber auch das Gebiet nördlich des Stausees, wo der Wasserstand sinkt.

Das unter russischer Kontrolle stehende Kernkraftwerk Saporischschja liegt flussaufwärts von dem zerstörten Damm. Der Stausee versorgt das Kraftwerk (das größte Kernkraftwerk Europas) mit Kühlwasser und ist laut dem CNN-Bericht für seine Sicherheit von entscheidender Bedeutung.

Einige chinesische Beobachter sind der Ansicht, dass der Anschlag sich ähnlich entwickeln könnte wie die „Nord Stream-Sabotage“, das heißt, dass der Schuldige unbekannt ist.

Yang Jin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für russische, osteuropäische und zentralasiatische Studien an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (CASS), erklärte am Mittwoch gegenüber der Global Times, dass die beiden Seiten unterschiedliche Erklärungen verwenden und sich gegenseitig die Schuld geben würden, da die Verantwortung für die Sprengung eines Kraftwerksdamms angesichts der humanitären, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen enorm sei.

Während eine umfassende und objektive Untersuchung noch aussteht, um herauszufinden, wer die Verantwortung für den schweren Anschlag trägt, sollte die Priorität darin bestehen, Russland und die Ukraine bei der schnellstmöglichen Wiederaufnahme des direkten Dialogs zu unterstützen, um die Situation schrittweise zu deeskalieren und schließlich einen umfassenden Waffenstillstand zu erreichen, forderte Yang.

Der Vorfall stelle eine weitere Eskalation der Ukraine-Krise dar und signalisiere, dass die Konflikte auf einen „Kontrollverlust“ zusteuerten, warnte Yang. China habe sich deshalb stets für die Förderung von Friedensgesprächen eingesetzt, was aktuell von noch größerer Bedeutung sei, betonte er.

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Quelle: german.china.org.cn

Schlagworte: Ukraine-Krise,Kachowka-Staudamm,Kernkraftwerk