Gewichtiges Problem: Chinas Kampf gegen die Pfunde
Auch in China nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen zu. Lösen lässt sich das Problem nur, wenn alle an einem Strang ziehen, Regierung, Öffentlichkeit, Familien und der Einzelne. In den letzten Jahren haben die Verantwortlichen bereits ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht.
„Ich fing an, das Abendessen wegzulassen. Manchmal wurde ich nachts so hungrig, dass ich im Bett weinte. Glauben Sie mir, ein Mann kann vor Hunger in Tränen ausbrechen (…). Wenn ich das Gefühl hatte, nicht mehr durchhalten zu können, habe ich mich nackt vor den Spiegel gestellt und meinen Körper betrachtet. (…) Wenn ich zum Essen eingeladen wurde, sah ich nur zu, wie meine Freunde alles in sich reinschaufelten. Ich selbst nahm keinen Bissen zu mir. Natürlich war es schwierig. Um der Versuchung zu widerstehen, zückte ich mein Portemonnaie und schaute mir ein Foto von mir mit meinem Idealgewicht an.“
Diese Zeilen sind Teil des Berichts eines jungen Chinesen über seinen Kampf gegen die Pfunde. Er trug ihn jüngst in einer Fernsehsendung in Tianjin vor. Die Worte des jungen Mannes rührten das Publikum einerseits zu Tränen, an anderer Stelle zauberten sie ihm ein Lächeln auf die Lippen. Viele erkannten sich in dem Erfahrungsbericht wieder.
Der Kampf gegen überschüssige Pfunde ist in China ein aktuelles und besorgniserregendes Phänomen, das im Fernsehen und online immer wieder thematisiert wird. Denn: Auch im Reich der Mitte wird Fettleibigkeit mehr und mehr zum Problem.
Einem Bericht über Ernährung und chronische Krankheiten aus dem Jahr 2020 zufolge, der sich auf Daten aus den Jahren 2015 bis 2019 bezieht, waren in diesem Zeitraum 34,3 Prozent der über 18-Jährigen in China übergewichtig und 16,4 Prozent fettleibig, zusammengenommen also mehr als die Hälfte der Bevölkerung. In der Gruppe der 6- bis 17-Jährigen sah das Bild auch nicht rosiger aus. Hier lag der Anteil bei 19 Prozent. Bei Kindern unter sechs Jahren waren es 10,4 Prozent.
Durchgeführt hat die Studie Chinas Gesundheitskommission. 600 Millionen Bewohner des chinesischen Festlands wurden in die Erhebung einbezogen. Das Ergebnis: China hat ein Gewichtsproblem quer durch alle Altersgruppen, und das sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Die Misere geht zudem mit einer Häufung chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhtem Cholesterinspiegel einher.
Der Report offenbart einen Trend zur stetigen Gewichtszunahme bei der Bevölkerung. Ein ähnlicher Bericht aus dem Jahr 2014 ergab, dass 32,7 Prozent der Erwachsenen und 41,6 Prozent der älteren Menschen in China übergewichtig waren, was einem Anstieg von 0,6 bzw. 1,8 Prozent gegenüber 2010 entsprach. 10,5 Prozent bzw. 13,9 Prozent der beiden Bevölkerungsgruppen waren fettleibig, ein Plus von 0,6 bzw. 0,9 Prozent gegenüber 2010.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Übergewicht für die meisten Chinesen ein Fremdwort. Als die Volksrepublik China 1949 gegründet wurde, betrug die Getreideproduktion 113,2 Milliarden Kilogramm pro Jahr, also gerade einmal 209 Kilogramm pro Person. Die Menge reichte kaum aus, um die Menschen im Land ausreichend, geschweige denn gesund zu ernähren. Drehen wir die Uhren vor bis ins Jahr 2022: In jenem Jahr erreichte Chinas Getreideproduktion 686,85 Milliarden Kilogramm und überschritt damit das achte Jahr in Folge die 650-Milliarden-Kilogramm-Marke.
„Ich fing an, das Abendessen wegzulassen. Manchmal wurde ich nachts so hungrig, dass ich im Bett weinte. Glauben Sie mir, ein Mann kann vor Hunger in Tränen ausbrechen (…). Wenn ich das Gefühl hatte, nicht mehr durchhalten zu können, habe ich mich nackt vor den Spiegel gestellt und meinen Körper betrachtet. (…) Wenn ich zum Essen eingeladen wurde, sah ich nur zu, wie meine Freunde alles in sich reinschaufelten. Ich selbst nahm keinen Bissen zu mir. Natürlich war es schwierig. Um der Versuchung zu widerstehen, zückte ich mein Portemonnaie und schaute mir ein Foto von mir mit meinem Idealgewicht an.“
Diese Zeilen sind Teil des Berichts eines jungen Chinesen über seinen Kampf gegen die Pfunde. Er trug ihn jüngst in einer Fernsehsendung in Tianjin vor. Die Worte des jungen Mannes rührten das Publikum einerseits zu Tränen, an anderer Stelle zauberten sie ihm ein Lächeln auf die Lippen. Viele erkannten sich in dem Erfahrungsbericht wieder.
Der Kampf gegen überschüssige Pfunde ist in China ein aktuelles und besorgniserregendes Phänomen, das im Fernsehen und online immer wieder thematisiert wird. Denn: Auch im Reich der Mitte wird Fettleibigkeit mehr und mehr zum Problem.
Einem Bericht über Ernährung und chronische Krankheiten aus dem Jahr 2020 zufolge, der sich auf Daten aus den Jahren 2015 bis 2019 bezieht, waren in diesem Zeitraum 34,3 Prozent der über 18-Jährigen in China übergewichtig und 16,4 Prozent fettleibig, zusammengenommen also mehr als die Hälfte der Bevölkerung. In der Gruppe der 6- bis 17-Jährigen sah das Bild auch nicht rosiger aus. Hier lag der Anteil bei 19 Prozent. Bei Kindern unter sechs Jahren waren es 10,4 Prozent.
Durchgeführt hat die Studie Chinas Gesundheitskommission. 600 Millionen Bewohner des chinesischen Festlands wurden in die Erhebung einbezogen. Das Ergebnis: China hat ein Gewichtsproblem quer durch alle Altersgruppen, und das sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Die Misere geht zudem mit einer Häufung chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhtem Cholesterinspiegel einher.
Der Report offenbart einen Trend zur stetigen Gewichtszunahme bei der Bevölkerung. Ein ähnlicher Bericht aus dem Jahr 2014 ergab, dass 32,7 Prozent der Erwachsenen und 41,6 Prozent der älteren Menschen in China übergewichtig waren, was einem Anstieg von 0,6 bzw. 1,8 Prozent gegenüber 2010 entsprach. 10,5 Prozent bzw. 13,9 Prozent der beiden Bevölkerungsgruppen waren fettleibig, ein Plus von 0,6 bzw. 0,9 Prozent gegenüber 2010.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Übergewicht für die meisten Chinesen ein Fremdwort. Als die Volksrepublik China 1949 gegründet wurde, betrug die Getreideproduktion 113,2 Milliarden Kilogramm pro Jahr, also gerade einmal 209 Kilogramm pro Person. Die Menge reichte kaum aus, um die Menschen im Land ausreichend, geschweige denn gesund zu ernähren. Drehen wir die Uhren vor bis ins Jahr 2022: In jenem Jahr erreichte Chinas Getreideproduktion 686,85 Milliarden Kilogramm und überschritt damit das achte Jahr in Folge die 650-Milliarden-Kilogramm-Marke.
In Chinas Nationalem Ernährungsplan (2017–2030) werden verschiedene Maßnahmen aufgeführt, um das Problem anzugehen, darunter ein landesweites Ernährungsmonitoring, die Umstellung traditioneller Kochmethoden sowie die Einrichtung von Restaurants und Kantinen für gesunde Ernährung. Der Rahmenplan „Gesundes China 2030“ sieht den Aufbau eines Netzes öffentlicher Sportanlagen vor, das Kreise, Gemeinden und Dörfer abdeckt. Jeder Stadtbewohner soll in 15 Minuten zu Fuß eine Sportstätte von Zuhause aus erreichen können, so der Plan. Alle Sportanlagen sollen zudem kostenlos oder zu erschwinglichen Preisen zugänglich sein.
Besonderes Augenmerk richtet China auf Übergewicht bei den Kleinsten. Im Jahr 2020 veröffentlichten sechs zentrale Behörden einen gemeinsamen Plan zur Prävention und Bekämpfung von Fettleibigkeit bei Kindern. Darin werden Eltern, Schulen, medizinische Einrichtungen und die Regierung dazu angehalten, ihrer jeweiligen Verantwortung bei der Bewältigung dieses Problems nachzukommen. Es wird das Ziel formuliert, den jährlichen Anstieg der Übergewichts- und Fettleibigkeitsraten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren zwischen 2020 und 2030 um 70 Prozent gegenüber dem Niveau von 2002 bis 2017 zu senken.
2021 gab das Bildungsministerium ein Rundschreiben zur Verbesserung des Gesundheitsmanagements von Grund- und Sekundarschülern heraus. Darin werden Schulen, die über geeignete Einrichtungen verfügen, aufgefordert, jeden Tag eine Sportstunde abzuhalten und ihren Schülern mindestens eine Stunde Outdoor-Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Schulgeländes zu ermöglichen. Der Verkauf von zuckerhaltigen Snacks und Getränken sowie deren Bereitstellung in den Kantinen der Grund- und Mittelschulen werden eingeschränkt.
Jüngste Richtlinien und Maßnahmen zur Gewährleistung ausreichenden Schlafs für den Nachwuchs tragen ebenfalls dazu bei, die Fettleibigkeit in dieser Gruppe zu verringern. Ein Rundschreiben des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2021 empfiehlt zehn Stunden Schlaf pro Tag für Grundschüler, neun Stunden für Schüler der unteren Stufen der Mittelschulen und acht Stunden für Oberstufenschüler. Um dieses Ziel zu erreichen, werden unter anderem eine Kontrolle des Umfangs der Hausaufgaben und eine strengere Regulierung von Onlinekursen und Computerspielen vorgeschlagen.
Im vergangenen Sommer starteten die Bildungskommission und andere Behörden des Bezirks Daxing im Süden Beijings ein gezieltes Programm zur Gewichtskontrolle. Dabei wurden über 300 übergewichtige oder fettleibige Grundschüler rekrutiert. Über einen Zeitraum von drei Monaten boten Ernährungsberater und andere Experten eine Echtzeitüberwachung, individuelle Analysen, maßgeschneiderte Maßnahmen und entsprechende Ratschläge an. Das Ergebnis war sofort sichtbar: Mehr als 60 Prozent der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen am Ende des Programms einige Pfunde ab. Für sie und ihre Familien sind langfristige Vorteile zu erwarten.
Um das Problem anzugehen, waren Leute wie die Mutter von Zheng Hao, einer neunjährigen Teilnehmerin des Programms in Daxing, die mit Übergewicht kämpft, bereit, mehr Mahlzeiten selbst zu kochen, anstatt Essen vom Lieferdienst zu bestellen. Sie nutzten außerdem einen Ölspender und eine antihaftbeschichtete Bratpfanne, um den Ölverbrauch zu reduzieren. Andere Eltern beobachteten, dass ihre Kinder weniger Süßigkeiten zu sich nahmen und sich stärker sportlich betätigten. Bürger und politische Entscheidungsträger sind sich einig, dass das Problem des Übergewichts angegangen werden muss, und zwar nachhaltig und Schritt für Schritt.











